14.01.2010 · Nach dem überraschend positiven Aktienjahr 2009 blicken die Strategen verhalten auf das Jahr 2010. Die Analysten erwarten zunächst fallende und dann steigende Aktienkurse. Im Durchschnitt trauen sie dabei dem Dax ein Plus von 6 Prozent zu.
Von Kerstin PaponNach dem für viele überraschend positiven letzten Aktienjahr blicken die Strategen nun recht verhalten auf das Jahr 2010. Große Indizes wie der Dax haben 2009 mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen. Nun rechnen die 21 von dieser Zeitung befragten Banken und Fondsgesellschaften mit bis zur Jahresmitte im Durchschnitt eher fallenden Kursen.
Dies gilt sowohl für Amerika als auch für Europa. Für den Dax sagen sie ein Minus von durchschnittlich 1 Prozent vorher. Etwas optimistischer zeigen sich die meisten Analysten dann für die zweite Jahreshälfte. Für den deutschen Auswahlindex prognostizieren sie einen Anstieg um gut 6 Prozent auf einen Jahresendstand von mehr als 6300 Punkten.
Große Spannbreite der Prognosen
Dabei verdeutlicht die große Spannbreite der Prognosen, wie unterschiedlich die Markteinschätzungen der einzelnen Banken tatsächlich sind. Zum Jahresende liegen zwischen dem niedrigsten Dax-Prognosewert - ihn vergibt die Weberbank mit 5300 Punkten - und dem höchsten - 7100 Punkte von HSBC Trinkaus - ganze 1800 Punkte. Die Experten der Weberbank rechnen also im ersten Halbjahr mit einem Dax-Rückgang um 19 Prozent, zum Jahresende dürfte der Index dann ihrer Ansicht nach noch 11 Prozent niedriger liegen als derzeit. Vergleicht man die HSBC-Prognosen mit dem aktuellen Niveau des Dax, so trauen die Analysten dem Index bis zur Jahresmitte ein Plus von 14 Prozent und bis zum Jahresende einen Aufschlag von 19 Prozent zu.
"Der Markt hat schon zu viel Positives vorweggenommen und einen V-förmigen Konjunkturaufschwung eingepreist, den wir so nicht erwarten", sagt Sören Wiedau, Stratege der Weberbank. Zwar werde es keine abermalige tiefe Rezession geben, aber zunächst bestehe die Wahrscheinlichkeit eines neuerlichen Abschwungs oder einer nur enttäuschenden Erholung. Zu viele Marktteilnehmer seien in ihren Erwartungen zu euphorisch und strategisch schon entsprechend positioniert. Dies zeige sich an den Kursgewinnen bei Aktien, aber auch an den Aufschlägen bei hochverzinslichen und klassischen Unternehmensanleihen, begründet er seinen Pessimismus.
Wiedau stützt sich mit seinen Prognosen zudem auf die Stimmungsindikatoren am Markt, die eine Übertreibung anzeigten: "Es dürfte zwar keinen Kursrutsch geben, mit Verlusten von bis zu 20 Prozent sollten Anleger allerdings durchaus rechnen." Wie Wiedau warnen viele Experten zudem vor Enttäuschungen bei den Unternehmensergebnissen, die zuletzt vor allem durch Kostensenkungseffekte, nicht aber aufgrund einer wirtschaftlichen Erholung, besser als erwartet ausfielen. Das Kostensenkungspotential ist begrenzt.
Das zweite Jahr eines Bullenmarktes ist nicht so einfach wie das erste
Selbst die in der Umfrage besonders optimistischen Experten von HSBC Trinkaus verweisen darauf, dass das zweite Jahr eines Bullenmarktes nicht so einfach sei wie das erste. Dennoch bleibt das fundamentale Umfeld für Aktien ihrer Ansicht nach positiv. Die Konsensusschätzungen seien schon viel zu sehr auf das fokussiert, was schiefgehen könnte. Während das Gros der Marktexperten für den Dax in der zweiten Jahreshälfte 2010 wieder mit höheren Indexständen rechnet, lassen einige Banken einen erst im Jahresverlauf zunehmendem Pessimismus erkennen. Mit der Helaba, der Landesbank Berlin und M. M. Warburg erwarten drei Institute zum Jahresende niedrigere Aktienkurse als zur Jahresmitte.
Ein wichtiger Grund für die insgesamt eher verhaltenen Aktienmarktprognosen dürfte sicherlich die auf der ganzen Welt weit über den Erwartungen liegende Kursentwicklung im Jahr 2009 sein. So hat beispielsweise der Dax in dieser Zeit rund 24 Prozent auf fast 6000 Punkte zugelegt. Ein solcher Aufschwung war jedoch von den wenigsten Marktauguren erwartet worden. In der letztjährigen Umfrage trauten die befragten Banken und Fondsgesellschaften dem Dax lediglich ein Jahresplus von 15 Prozent auf etwa 5350 Punkte zu. Eine Punktlandung schafften dagegen die optimistischeren Analysten der DZ Bank und der UBS. Gleichwohl lagen alle Institute zur Jahresmitte mit den durchschnittlich erwarteten 4725 Dax-Punkten - tatsächlich waren es per Ende Juni etwa 4800 Punkte - ziemlich gut.
Regionale Favoriten der Banken für dieses Jahr sind zumindest im Durchschnitt nicht zu erkennen. Sowohl für den amerikanischen Standardwerteindex Dow Jones als auch für den Dax wird eine ähnliche Entwicklung zur Jahresmitte und zum Jahresende erwartet. Etwas pessimistischer schätzen die Marktauguren die Aussichten für den technologielastigen Nasdaq Composite ein - mit minus 7 Prozent zur Jahresmitte und einem im Vergleich zu heute fast unveränderten Jahresendstand. Dieses Marktbarometer hat jedoch im Jahr 2009 mit plus 44 Prozent auch besonders gut abgeschnitten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |