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Anlagetaktik : Verlustabsicherung mit Anpassungsautomatik

Sicherheitsgurt für Wertpapiere im Depot: die Stop-Loss-Order Bild: dpa

Wer Investments absichern will, greift sinnvollerweise zur Stop-Loss-Order. Wer in schwankungsfreudigen Zeiten dabei auch unerwartete Kursanstiege mitnehmen will, kann die Orders mit einer Anpassungsautomatik versehen.

          Es ist spätestens seit der Finanzkrise kein seltenes Bild: Gegen 10 Uhr liegt der Dax 1,5 Prozent im Minus, gegen Mittag hat er sich in ein Plus vorgearbeitet. Aktienkurse von Standardwerten schwanken bisweilen um mehr als 30 Prozent in wenigen Monaten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer nun nicht eben die Börsenkurse Tag für Tag verfolgen kann und will, muss sich auf andere Weise absichern. Das Mittel der Wahl ist dabei die Stop-Loss-Order, für viele Börsianer ein selbstverständliches und sinnvolles Ruhekissen.

          Bei einem solchen Wertpapierauftrag bestimmt der Anleger einen Kurs unterhalb des augenblicklichen Kursniveaus, bei dem ein Verkaufsauftrag für das entsprechende Papier ausgelöst werden soll. Der Sinn dahinter: So sollen Verlustrisiken begrenzt und bereits erzielte Gewinne gesichert werden.

          Wie wählt man Stop-Loss-Marken aus?

          Womit bereits das entscheidende Problem ins Blickfeld rückt: Wie groß wählt man den Abstand zum derzeitigen Kurs? Das Schlimmste, was dem Anleger nämlich passieren kann, ist dass der Stop-Loss an einem schwachen Tag ausgelöst wird, bevor sich der Kursanstieg fortsetzt. Es soll sogar Händler geben, die bei wenig gehandelten Aktien regelmäßig fest im Markt plazierte Stop-Loss-Orders „abfischen“, indem sie den Kurs absichtlich vorübergehend nach unten treiben.

          Setzt der Anleger den Stop-Kurs andererseits zu tief an, akzeptiert er eine unnötig hohe Schmälerung seiner Gewinne, möglicherweise gar Verluste, bevor der Verkauf ausgelöst wird.

          Sinn hängt von Volatilitäten und Anlegertypus ab

          Die ideale Faustregel gibt es nicht. Manche Marktteilnehmer schwören darauf, die Stop-Loss-Marken 10 bis 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs anzusetzen, je nach Risikoneigung. Andere setzen auf den ursprünglichen Einstandskurs, um auf keinen Fall in Verluste hineinzulaufen - eine allerdings ziemlich fragwürdige Strategie.

          Sinnvoller erscheint es da, sich an charttechnischen Marken zu orientieren, bei deren Unterschreiten sich das technische Bild deutlich verschlechtern würde. So kann ein Stop-Loss-Kurs knapp unterhalb einer längerfristig ausgebildeten Handelsspanne oder einem bisherigen Verlaufstief eine Menge Verluste ersparen.

          Eine gleichfalls plausible Handlungsanweisung ist es auch, sich an den Handelsvolumina und dem Ausmaß der Kursschwankungen, der Volatilität zu orientieren. Je geringer das übliche Handelsvolumen und je größer gleichzeitig die Volatilität, desto weiter sollte eine Stop-Loss-Order vom aktuellen Kurs entfernt sein.

          Zudem ist die Strategie typabhängig: Ein Anleger, der viel handelt und daher auch nah am Markt ist, kann solche Orders häufig und sinnvoller einsetzen. Für langfristig und fundamental orientierte Anleger ist das weit schwieriger.

          Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass sich die Kurse gegebenenfalls weit von der ursprünglichen Stop-Loss-Marke weg entwickeln können. Setzt dann eine Trendwende ein, gehen Langfrist-Anlegern die nach Plazieren der Order aufgelaufenen Kursgewinne möglicherweise rasch wieder verloren. Wichtig ist daher, den Stop-Loss-Kurs nach oben anzupassen, um die „Verlustlücke" nicht zu groß werden zu lassen.

          Anpassungsautomatik

          Das erfordert, wenn es manuell gemacht wird, wieder mehr Aufmerksamkeit fürs Depot. Oder aber die Nutzung der Orderart des „Trailing Stop-Loss'“, die allerdings nicht von allen Banken angeboten wird. Es gibt sie beispielsweise aber bei Cortal Consors, Comdirect, der österreichischen Brokerjet und Spezial-Handelsplattformen.

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