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Anlagetaktik Verlustabsicherung mit Anpassungsautomatik

07.06.2010 ·  Die Zeichen an der Börse scheinen sich einzutrüben. Wer seine Investments absichern will, greift sinnvollerweise zur Stop-Loss-Order. Wer dabei auch plötzliche Kursanstiege mitnehmen will, kann sie bei eigen Banken mit einer Anpassungsautomatik versehen.

Von Martin Hock
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Es ist derzeit kein seltenes Bild: Gegen 10 Uhr lag der Dax 1,5 Prozent im Minus, gegen Mittag hatte er sich in ein Plus vorgearbeitet. In den vergangenen 3 Monaten schwankte er zwischen 5670 und 6332 Punkten, mithin eine Breite von mehr als 10 Prozent. Die Aktienkurs von Thyssen-Krupp, K+S und der Deutschen Bank um rund 25 Prozent, der von Salzgitter gar um 30 Prozent.

Wer nun nicht eben die Börsenkurse Tag für Tag verfolgen kann und will, muss sich auf andere Weise absichern. Das Mittel der Wahl ist dabei die Stop-Loss-Order, für viele Börsianer ein selbstverständliches und sinnvolles Ruhekissen.

Bei einem solchen Wertpapierauftrag bestimmt der Anleger einen Kurs unterhalb des augenblicklichen Kursniveaus, bei dem ein Verkaufsauftrag für das entsprechende Papier ausgelöst werden soll. Der Sinn dahinter: So sollen Verlustrisiken begrenzt und bereits erzielte Gewinne gesichert werden.

Wie wählt man Stop-Loss-Marken aus?

Womit bereits das entscheidende Problem ins Blickfeld rückt: Wie groß wählt man den Abstand zum derzeitigen Kurs? Das Schlimmste, was dem Anleger nämlich passieren kann, ist dass der Stop-Loss an einem schwachen Tag ausgelöst wird, bevor sich der Kursanstieg fortsetzt. Es soll sogar Händler geben, die bei wenig gehandelten Aktien regelmäßig fest im Markt plazierte Sop-Loss-Orders „abfischen“, indem sie den Kurs absichtlich vorübergehend nach unten treiben.

Setzt der Anleger den Stop-Kurs andererseits zu tief an, akzeptiert er eine unnötig hohe Schmälerung seiner Gewinne, möglicherweise gar Verluste, bevor der Verkauf ausgelöst wird.

Sinn hängt von Volatilitäten und Anlegertypus ab

Die ideale Faustregel gibt es nicht. Manche Marktteilnehmer schwören darauf, die Stop-Loss-Marken 10 bis 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs anzusetzen, je nach Risikoneigung. Andere setzen auf den ursprünglichen Einstandskurs, um auf keinen Fall in Verluste hineinzulaufen - eine allerdings ziemlich fragwürdige Strategie.

Sinnvoller erscheint es da, sich an charttechnischen Marken zu orientieren, bei deren Unterschreiten sich das technische Bild deutlich verschlechtern würde. So kann ein Stop-Loss-Kurs knapp unterhalb einer längerfristig ausgebildeten Handelsspanne oder einem bisherigen Verlaufstief eine Menge Verluste ersparen.

Eine gleichfalls plausible Handlungsanweisung ist es auch, sich an den Handelsvolumina und dem Ausmaß der Kursschwankungen, der Volatilität zu orientieren. Je geringer das übliche Handelsvolumen und je größer gleichzeitig die Volatilität, desto weiter sollte eine Stop-Loss-Order vom aktuellen Kurs entfernt sein.

Zudem ist die Strategie typabhängig: Ein Anleger, der viel handelt und daher auch nah am Markt ist, kann solche Orders häufig und sinnvoller einsetzen. Für langfristig und fundamental orientierte Anleger ist das weit schwieriger.

Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass sich die Kurse gegebenenfalls weit von der ursprünglichen Stop-Loss-Marke weg entwickeln können. Setzt dann eine Trendwende ein, gehen Langfrist-Anlegern die nach Plazieren der Order aufgelaufenen Kursgewinne möglicherweise rasch wieder verloren. Wichtig ist daher, den Stop-Loss-Kurs nach oben anzupassen, um die „Verlustlücke" nicht zu groß werden zu lassen.

Anpassungsautomatik

Das erfordert, wenn es manuell gemacht wird, wieder mehr Aufmerksamkeit fürs Depot. Oder aber die Nutzung der Orderart des „Trailing Stop-Loss'“, die allerdings nicht von allen Banken angeboten wird. Es gibt sie beispielsweise aber bei Cortal Consors, Comdirect, der österreichischen Brokerjet und Spezial-Handelsplattformen.

Bei einem „Trailing Stop-Loss“ wird zunächst eine normale Stop-Loss-Order erteilt. Zusätzlich wird ein Differenzwert in Euro oder Prozent angegeben. Steigt nun der Geldkurs, wird die Stop-Loss-Marke automatisch nach oben angepasst. Wenn etwa bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro ein Stop-Loss von 90 Euro mit einem Differenzwert von 10 Prozent gesetzt wird, so steigt der Stop-Loss-Kurs, wenn der Geldkurs 105 Euro erreicht, auf 94,50 Euro.

Beide Werte müssen sinnvoll gewählt werden. Beträgt der Stop-Kurs im obigen Beispiel 95 Euro, so fiele der neue Stop-Kurs bei sklavischer Einhaltung der Vorgabe nach dem Kursanstieg. Indes stellt dieser eine Untergrenze dar, so dass in diesem Fall der Differenzwert bis zu einem Kurs von 105,56 Euro keine Funktion erfüllt.

Noch deutlicher wird dies bei zu kleinen Differenzwerten. Wird im ersten Beispiel der Differenzwert auf 2 Prozent gesetzt, so steigt der Stop-Kurs von 90 Euro urplötzlich auf 102,90 Euro, so dass es fast unweigerlich zu einem Ausstoppen kommt.

Deutliche Unterschiede im Detail

Da die Order-Art nicht nach festen Regeln der Börsen, sondern von den Direktbanken selbst angeboten wird, unterscheiden sie sich im Detail. Cortal Consors bietet die Funktionalität im außerbörslichen Handel an, wobei dazu auch der Handel bei Tradegate gehört, das aber seit kurzer Zeit börslichen Status genießt. Comdirect hingegen bietet die Trailing-Überwachung für alle Börsen an und zusätzlich auch den „Trailing Stop-Buy“ an. Bei der irreführend als „Stop-Buy“ bezeichneten Order-Art wird eine limitierte Kauforder in eine billigste umgewandelt, sobald ein Kurs überschritten wird. Das erspart die Anpassung des Kauflimits.

Der Unterschied liegt vor allem in der Überwachung, die bei Cortal Consors laufend geschieht, so dass der Stop-Loss-Kurs bei steigenden Kursen gleichsam mit steigenden Geldkursen auf der betreffenden Handelsplattform mitläuft. Nach Aussage der Bank sind diese zumindest in den für Privatanleger typischen Werten hinreichend liquide und böten gleichwertige Kurse.

Die Comdirect weist hingen darauf hin, dass Prüfung und Anpassung in nicht fest definierten Zeitabständen, typischerweise mindestens einmal stündlich während der Börsenhandelszeiten stattfindet. Zudem wird dann geprüft, ob seit dem letzten Prüfzeitpunkt ein Höchstkurs erreicht wurde. Ist das der Fall, wird der Stop-Loss angepasst, auch wenn der Kurs zum Prüfzeitpunkt wieder gefallen ist.

Keine Kursgarantie, nur ein Überraschungsschutz

Dies kann sogar dazu führen, dass durch die Anpassung des Stopwerts der Stop-Loss sofort ausgelöst wird. Die Bank sagt daher die Kursanpassung nicht zu. Die Trailing-Order gewähre nur die Chance, aber nicht der Anspruch auf einen besseren Ausführungskurs.

Dies gilt indes nicht für Xetra, da das Computerhandelssystem Orders mit unplausiblen Werten ablehnt, so dass das ursprüngliche Stop-Loss bestehen bleibt. Bei einem sehr volatilen Handelsverlauf kann dies immer wieder zu unerwünschten Effekten führen. Das kann aber auch bei manuell nachgezogenen Stop-Loss-Kursen geschehen.

Zu beachten ist noch, dass ein Stop-Loss-Kurs keine Kursgarantie darstellt, auch nicht in der „Trailing“-Variante: Mit Erreichen der Kursmarke verwandelt sich der Auftrag in eine Bestens-Order. Der dann tatsächlich erzielte Kurs kann bei rasch fallenden Kursen also sogar deutlich unter dem Stop-Loss-Kurs liegen. Das gilt aber auch, wenn man die Börse live beobachtet. Im Gegenteil: Wer dann mit limitierten Verkaufsaufträgen operiert, droht den Kursen gar hinterher zu laufen.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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