27.12.2009 · Wir müssen gar nicht so viel über unsere Finanzen nachdenken, wie wir meinen. Wenn wir uns einmal im Jahr hinsetzen und eine gute Strategie entwickeln, machen wir es richtig. Es ist also gar nicht so schwer.
Von Nadine OberhuberEines sollte Sie jetzt schon beruhigen: Dass Sie diesen Text lesen, ist der erste Schritt zum entspannteren Umgang mit Finanzen. Sie haben eine Grundregel befolgt, die – frei nach John F. Kennedy – lautet: „Frage nicht, was dein Geld für dich tun kann – frage dich, was du für dein Geld tun kannst.“
Wir würden ja alle mit unserem Geld gern besser umgehen. Wir würden es gern so anlegen, dass es sich gefahrlos, aber ordentlich vermehrt. Allzu oft beklagen schließlich Experten, dass wir zu wenig sparen und in Finanzdingen zu sorglos sind. Nur hilft das Klagen herzlich wenig, wenn uns keiner sagt, wie es besser geht.
„Wohldiversifiziert, passiv und breit gestreut“
Sie immerhin haben den ersten Schritt getan: Sie kümmern sich um Ihr Geld. Sie betreiben Geldmanagement. Und wissen Sie was? Sehr viel mehr Arbeit oder Zeit brauchen Sie gar nicht dafür.
Denn Geldmanagement heißt nicht, dass Sie zum Selfmade-Finanzexperten mutieren müssen, damit es mit dem Anlegen klappt. Das findet jedenfalls Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim. Fragt man den Experten für Anlegerpsychologie, wie oft sich Anleger um ihr Depot kümmern und es umschichten sollten, sagt er: „Möglichst gar nicht.“
Jedenfalls reicht es, „wenn sie einmal im Jahr gucken, ob im Gesamtdepot noch alles stimmt“. Hat sich inzwischen das Einkommen geändert? Der Familienstand oder das Vermögen – weil man den Jahresbonus bekommen hat oder vielleicht eine Erbschaft? Dann ist es Zeit, die monatlichen Sparbeträge anzupassen. Oder eine Extrasumme zurückzulegen. Oder eine Risikolebensversicherung zugunsten des Partners abzuschließen. Sonst aber bleibt der Sparbetrag derselbe wie bisher. Und die Töpfe, in die er fließt, ebenfalls.
Wo und wie aber wird das Geld nun am besten angelegt? Die Grundempfehlung klingt einfach: „Wohldiversifiziert, passiv und breit gestreut“, so bringt Weber die Optimalverteilung auf den Punkt und meint damit Indexfonds, die der Entwicklung weltweiter Aktien-, Anleihen- und Rohstoffkurse folgen. Ähnlich sagt es Martin Faust, Professor der Frankfurt School of Finance: „Anleger sollten sich breit aufstellen, nicht jedem Trend hinterherlaufen und überlegen, ob sie wirklich ein aktives Fondsmanagement brauchen.“ Genau das ist der Knackpunkt.
Es ist die schwerste Entscheidung der gesamten Geldanlage: Wer soll sich um die Gesamtaufteilung kümmern? Kann ich das alles selber managen, oder brauche ich einen Geldmanager? Und wenn ja, wer soll das sein? Ein Fondsverwalter, ein Bankberater, vielleicht sogar ein Finanzplaner?
Im Prinzip lautet die Antwort: Einen Berater könnte jeder gut gebrauchen. Es kommt nur darauf an, in welchem Umfang. Denn die wenigsten von uns sind Experten in Finanzdingen. Es würde uns viel Zeit und Geduld kosten, uns in das Thema so hineinzufuchsen, dass wir alle Fragen selbst beantworten können. Deshalb ist Arbeitsteilung bei Finanzfragen sinnvoll.
Passen Einkommen und Sparverhalten zueinander?
Gute Finanzberater haben viel mehr Überblick, und sie kennen auch viel mehr Details, als wir es könnten – selbst wenn wir begeistert die Anlegerteile lesen und verfolgen. Wer das tut, weiß vielleicht, dass es günstiger ist, passive Indexfonds zu kaufen statt aktiv gemanagte. Bei aktiven Fonds nämlich streicht eine Fondsgesellschaft bis zu 3000 Euro Gebühren nur dafür ein, dass sie über 20 Jahre 10 000 eingezahlte Euro hin und her schichtet. Mit dem Ergebnis: Der Fondsverwalter packt zwar oft bessere Aktien in den Topf, als wir es selbst täten, aber im Schnitt schafft er drei Prozent weniger Rendite als der simple Indexfonds, den wir uns ebenfalls selber kaufen können. Wir können also als informierte Anleger im Alleingang sehr wohl einen guten Fonds aussuchen – aber für gutes Geldmanagement reicht das noch lange nicht.
Wenn es um die großen Fragen geht wie „Passen mein Einkommen und mein Sparverhalten zueinander?“, „Welche Rente ergibt das nach Inflation, wenn ich so weitermache?“, oder „Welches Produkt brauche ich wirklich?“, sollten wir uns das individuell durchrechnen lassen. Gewöhnlich steigt ja der Ertrag, wenn wir Fachleuten übertragen, wofür wir nicht das nötige Talent mitbringen.
Nun ist das bei Gelddingen heikler: Es verlangt erstens viel Vertrauen, jemandem unser Vermögen zu überantworten – wie groß es auch sei. Und wer weiß zweitens schon, welcher Berater dieses Vertrauen wirklich wert ist? Denn es kostet ja auch ziemlich viel Geld, die Verantwortung aus der Hand zu geben. Deswegen treffen viele die falsche Entscheidung.
Viele regeln alles komplett selbst und verlieren viel Geld dadurch, dass sie etliches nicht wissen, oder wichtige Fragen zu lange aufschieben. Nur jeder fünfte Anleger fragt regelmäßig einen Finanzfachmann – und geht dann meist zur Hausbank. Die berät ja angeblich umsonst. Doch wussten Sie, dass Banken intern damit rechnen, dass sie im Schnitt 3000 Euro pro Kunde und Jahr an Zinsen und verklausulierten Provisionen verdienen?
Ob ihre Beratung diesen Preis wert ist, darüber kann man streiten. Tests stellten fest, dass Banken eher mangelhaft beraten und Kunden Produkte aufs Auge drücken, an denen sie selbst viel verdienen, die aber so gar nicht zur Neigung der Sparer passen.
1000 Euro Beratungsgebühren im Jahr
Deshalb rät der Privat-Banking-Experte Faust: Für Grundfragen sollte man sich unabhängige Beratung suchen. Die bieten freie Honorarberater und wenige Banken, die auf Honorarbasis arbeiten, wie die Quirin Bank und neuerdings die Comdirect. Die verdienen dabei nicht am Verkauf von Produkten, sondern an den Beratungsgebühren von 150 bis 200 Euro pro Stunde. Zwei bis drei Sitzungen sollte man im ersten Jahr einkalkulieren, sagt Faust, macht 1000 Euro im Jahr. Das klingt viel, rechnet sich aber langfristig, weil die Struktur des Depots besser zu den eigenen Wünschen passt.
Und das ist das A und O der Geldanlage, betonen Studien immer wieder: 80 Prozent der Rendite hängen von der Struktur des Vermögens ab. Nur 20 Prozent macht es aus, welche Einzelaktien oder Einzelfonds man gekauft hat.
Zwei Dinge sollten Anleger zudem unbedingt vergessen, rät Behavioral-Finance-Forscher Weber: „Stock Picking“ und „Market Timing“ – beides ist Berater-Quatsch. Man erkennt einen guten Berater daran, dass er weder rät: „Kaufen Sie jetzt Aktien, die Kurse sind billig“, noch: „Kaufen Sie diese Aktie, sie ist unterbewertet.“ „Mit beiden Strategien hat noch kein Anleger langfristig den Markt geschlagen.“
Die Faustregel lautet deshalb: Durchschnittsanleger sollten 50 Prozent auf weltweite Indexfonds wie den MSCI World setzen und 50 Prozent auf Unternehmens- oder Staatsanleihen (deutsche, amerikanische, europäische). Vorsichtige Anleger nehmen 80 Prozent Staatsanleihen und 20 Prozent offene Immobilienfonds. Und waghalsigere mischen Aktienindizes, Rohstoffe, Hedge-Fonds und asiatische Immobilienfonds. Klingt gar nicht so schwer, oder?
Ein wohltuender Artikel, weil...
Reinhard Schropp (witchdream)
- 27.12.2009, 00:38 Uhr
Anlagestrategie
Bruno Hollnagel (Dr.Hollnagel)
- 27.12.2009, 11:57 Uhr
Wie viel Betreuung braucht mein Geld?
Hermann Buerger (Hbuerger)
- 27.12.2009, 15:49 Uhr
Mehr Eigenverantwortung
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 27.12.2009, 16:14 Uhr
Alles alte Hüte, neu aufgewärmt, teilweise sträflich falsch
Horst Naue (horstn)
- 27.12.2009, 20:57 Uhr
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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