03.12.2009 · In genau einem Monat geht für den Aktienmarkt ein desaströses Jahrzehnt zu Ende. Werden sich mit Anbruch einer neuen Dekade auch die Geschicke der Anleger wenden? Tatsache ist: Auch auf lange Sicht sind Aktien risikobehaftet.
Von Ben StevermanKurz bevor die erste Dekade des neuen Jahrtausends endet, wird ausgiebig kommentiert, wie erbärmlich dieses Jahrzehnt doch war. Die Aktienanleger können dies bezeugen. So dürften wohl in den 10 Jahren, die seit der Jahrtausendwende vergangen sind, die schlechtesten Gesamtrenditen seit den Dreißigerjahren erwirtschaftet worden sein. Nach den rauschenden Achtziger- und Neunzigerjahren stößt die Enttäuschung des vergangenen Jahrzehnts umso saurer auf.
Gewiss wird es für die Anleger schwer sein, den bitteren Nachgeschmack loszuwerden, den die Verluste in Höhe von Billionen Dollar bei ihnen hinterlassen haben.
Laut Capital IQ, einer Tochtergesellschaft von Standard & Poor's, lieferte der breite Aktienindex S&P 500 sowohl in den Achtziger- als auch in den Neunzigerjahren eine Gesamtrendite (inklusive Dividenden) von mehr als 400 Prozent. Seit Neujahr 2000 liegt die Gesamtrendite des S&P 500 mit 10,8 Prozent im Minus.
Auch auf lange Sicht sind Aktien risikobehaftet
„Die Lektion besteht darin, dass Aktien risikobehaftet sind“, sagt Zvi Bodie, Professor an der Universität Boston. „Und häufig wird vergessen, dass das Risiko der Aktien auch für jene Anleger Gefahren birgt, die über einen langfristigen Zeithorizont von zehn oder mehr Jahren investieren.“
Die Anleger haben diese Lektion bereits zuvor gelernt. Die Siebzigerjahre waren im Hinblick auf Aktien ein grausames Jahrzehnt. Zwar wurde in diesem Jahrzehnt im S&P 500 eine bescheidene Gesamtrendite von 17,2 Prozent erzielt, doch diese Gewinne wurden durch die Inflation gänzlich zunichte gemacht. Der amerikanische Dollar büßte während der Inflation der Siebzigerjahre 53 Prozent seiner Kaufkraft ein, seit 2000 dagegen nur 20 Prozent.
Nach den Siebzigerjahren war dem durchschnittlichen Anleger jahrelang jede Ausrede willkommen, sich von Aktien fernzuhalten, meint Marktveteran John Merrill, Chief Investment Officer bei Tanglewood Wealth Management. Bald jedoch, als der Markt von Jahr zu Jahr höher tendierte, vergaßen die Anleger ihre Angst. „Da war Hochmut im Spiel“, meint Jeffrey Hirsch, Chefredakteur des Stock Trader's Almanac. „Wir waren alle ganz schön stolz geworden“.
Die Anleger stiegen nicht nur in sichere, sondern auch in risikobehaftete Aktien ein, wie etwa die unrentablen Techwerte, die 2001 und 2002 in den Keller stürzten. „Es vollzog sich ein massiver Umschwung von der Unterbewertung der Aktien Ende der Siebziger- bis zu ihrer Überbewertung Ende der Neunzigerjahre“, sagt Merrill. Es gab noch weitere Blasen, als Mitte des Jahrzehnts die Immobilienpreise und 2008 die Rohstoffwerte ihren Höchststand erreichten.
Was kommt nach diesem Abschwung?
Der Versuch, das schlechte Abschneiden des Aktienmarkts in diesem Jahrzehnt zu erklären, dürfte fast ebenso schwierig sein wie die Prognose seines Abschneidens im nächsten Jahrzehnt. Merrill glaubt, dass die schlechten Aktienrenditen mehr auf ihre Überbewertung zu Beginn des Jahrzehnts zurückzuführen waren als auf die grundlegende Konjunkturschwäche. Allerdings, merkt er an, wurde die Wirtschaft auch durch exzessive Kreditaufnahmen gestützt.
Hirsch geht davon aus, dass die Anschläge vom 11. September und das kostspielige Engagement der amerikanischen Regierung in den Kriegen in Afghanistan und dem Irak in diesem Jahrzehnt eine wichtige Rolle spielten. In den Siebzigerjahren setzte der Vietnam-Krieg den Aktienrenditen zu, stellt er fest, während in den frühen Vierzigerjahren der Zweite Weltkrieg den Markt belastete
Standard & Poor's zufolge lag die Marktkapitalisierung des S&P 500 zu Beginn des Jahrzehnts bei 12,3 Billionen Dollar. Nun ist der Marktwert des breiten Index, obgleich sich die Indexkomponenten geändert haben, auf 10,1 Billionen Dollar gesunken
Sind die Unternehmen Ende 2009 wirklich weniger wert als im Jahr 2000? Rob Lutts, Begründer von Cabot Money Management, stellt fest, dass es vielen Unternehmen besser geht als vor einem Jahrzehnt. „Sie haben in den vergangenen zehn Jahren viel an Wert geschaffen, der sich nicht in ihren Aktienkursen widerspiegelt“, meint Lutts.
Kann es nur noch aufwärts gehen?
Die Hoffnung stirbt an der Wall Street zuletzt. Und einige Anleger setzen sogar darauf, dass die Flaute im aktuellen Jahrzehnt in der kommenden Dekade übergroße Gewinne hervorbringen könnte. So ist es im Laufe der Geschichte gewesen, meint Merrill. „In neun von zehn Fällen wird ein schlechtes Jahrzehnt von einem sehr guten Jahrzehnt abgelöst, sagt er. Momentan hüten sich die Anleger vor risikobehafteten Anlagen. „Ich sage, 'Nimm das Risiko an'“, meint Lutts. „Sonst will das niemand tun. Es ist ein konträrer Standpunkt.“
Aktien besitzen durchaus das Potenzial für eine gute Wertentwicklung, glaubt Bodie. Doch ist diese vorab nicht mit Sicherheit vorherzusagen. Und „für viele Leute wiegt dies das Risiko der Aktien nicht auf.“ Im Jahre 1969 konnten die Anleger die Ölschocks der Siebzigerjahre wohl kaum voraussagen, so wie auch die Prognostiker 1999 nicht in der Lage waren, die noch bevorstehenden Kriege und Schockwellen an den Märkten vorherzusagen. 2009 blicken die Anleger in eine unbekannte Zukunft. Diejenigen, die bereit sind, Risiken einzugehen, könnten profitieren. Oder aber vor einem weiteren Jahrzehnt enttäuschter Hoffnungen und einer schwindenden Altersvorsorge stehen.
Einfältige Privatanleger und PROFIS
Volker Westerborg (westerborg)
- 03.12.2009, 17:31 Uhr
Das Jahrzehnt
Ulricke Meinhoff (061275SledgeHammer)
- 09.12.2009, 15:17 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
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| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
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| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |