25.05.2010 · 10 Jahre halten - dann ist der Gewinn garantiert: Das stimmt nicht immer, aber immerhin für 20 von 30 Aktien aus dem Dax, blickt man zurück ins Jahr 2000.
Von Nadine OberhuberEs gibt ein paar Börsenregeln, die den Ruf genießen, so etwas wie Naturgesetze zu sein. Etwa diese hier: Anleger sollen Aktien auf breiter Front kaufen, zehn Jahre halten, und am Ende käme ein Gewinn dabei heraus.
Nun fragen sich aber viele, ob die Zehn-Jahres-Regel überhaupt noch gilt. Denn wenn man sich den deutschen Aktienindex Dax ansieht, ist der zwar seit den sechziger Jahren steil bergauf geklettert, von 500 auf 7500 Punkte. Aber im Jahr 2000 war Schluss. Danach kam nur noch das große Flattern.
Zehn Jahre mit Verlust sind selten
Vor zehn Jahren stand der Dax bei 7000 Punkten, heute bringt er kaum 6000 aufs Parkett. Die Langfristrendite ist entsprechend mau: Statt erhoffter Wertsteigerung verbuchen Anleger, die im Jahr 2000 breit auf Dax-Aktien setzten und die alle bis heute halten, 3,6 Prozent pro Jahr - aber nicht an Gewinn, sondern an Verlust!
Wer Papiere der Deutschen Telekom, Commerzbank oder gar Infineon hält, den hat es noch schlimmer getroffen. Die hat es schier zerlegt, sie verloren 88 bis 93 Prozent. Waren es verlorene Jahre für Anleger? Ganz und gar nicht. Über zehn Jahre kann sich die Gesamtbilanz des Dax noch immer sehen lassen: Nur zweimal hat er in 60 Jahren den Langfrist-Anlegern eine Negativrendite gebracht: denen, die 1970 ihre Papiere verkauften (und sie zuvor zehn Jahre hielten), und denen, die 2008 ausstiegen.
Über eine Haltedauer von 15 Jahren hat sich das Investment in den Dax bisher noch immer ausgezahlt. Das gilt wohlgemerkt für das Komplettpaket der 30 Dax-Aktien. Wer dagegen nicht alle 30 im Depot hat oder keinen Indexfonds, sondern einzelne Dax-Papiere - wie die meisten Anleger - für den sieht die Rechnung anders aus. Oft sogar noch positiver.
Erfolgsgeschichten trotz Crashs und Krise
Von den 30 Dax-Papieren waren 20 über die Zehnjahresfrist Gewinner und nur zehn Verlierer. Wer etwa an die Sportmarke Adidas glaubte, konnte damit 115 Prozent Rendite erzielen. Der Stahlhersteller Salzgitter legte sogar 448 Prozent zu. Top-Aufsteiger war allerdings Kali und Salz. Der Kurs des Düngemittelherstellers stieg seit 2000 um 1028 Prozent, er stieg aber auch erst 2008 in den Dax auf.
Es gab also große Erfolgsgeschichten trotz Crashs und Krise. Letztere machte jüngst hauptsächlich Banken und Finanzwerten schwer zu schaffen. Weil das gerade die Dax-Flaggschiffe sind - Allianz, Münchener Rück und Deutsche Bank -, zog es den Dax so in die Tiefe. Aber auch Aktien-Klassiker wie Daimler und Deutsche Post verloren die Hälfte ihres Wertes. Siemens büßte ein Viertel ein, schon vor der Wirtschaftskrise, wegen seiner Korruptionsaffäre.
Als große Gewinner gehen die Chemie- und Konsumwerte aus der Finanz- und der New-Economy-Krise hervor: Henkel, BASF, Linde und Beiersdorf legten knapp 100 Prozent und mehr zu. Auch die großen Stahlhersteller und Maschinenbauer gewannen, ebenso die Energiekonzerne.
Eine Frage der Auswahl
Das Prinzip „kaufen und halten“ funktioniert nach wie vor, vorausgesetzt, man pickt die richtigen Aktien aus dem Index heraus. Das ist leichter gesagt als getan. Zudem warnen Ökonomen, der selektive Aktienkauf sei gewagt, was stimmt. Doch wenn man von einer Firma überzeugt ist und „eine Aktie kauft, als würde man ein ganzes Unternehmen kaufen“, wie Warren Buffett rät, ist damit auf lange Sicht selbst in turbulenter Zeit viel Rendite drin.
Was werden nun die Top-Aktien der nächsten Jahre sein? „Auf die Superperformer der vergangenen Jahre setzen wir dabei nicht so stark“, sagt Analyst Gerhard Schwarz von der Hypovereinsbank. Er glaubt an den „Wiederaufstieg der deutschen Automobilhersteller, die hatten durch den starken Euro sehr viel Gegenwind in letzter Zeit. Gerade sie profitieren jetzt vom sinkenden Eurokurs.“
Auch die Energieversorger stehen bei vielen Analysten weiter hoch im Kurs. Ebenso glauben viele an Wachstum bei der Deutschen Post: „Die Deutsche Post gehört zu den Unternehmen mit der besten Positionierung, um von der Erholung der Konjunktur zu profitieren“, sagt Fidelity-Fondsmanager Alexander Scurlock. Er favorisiert auch Siemens und BASF. Die seien international glänzend aufgestellt.
Die Anlagestrategen von Allianz-Global-Investors bringen es auf diese Formel: Alle Unternehmen, die stark vom Absatz in Schwellenländern profitieren, werden weiterhin stark wachsen, vor allem Chemie- und Konsumwerte. Auswählen ist also auch im Dax weiterhin dringend erwünscht.
Oh je!
Reinhard Schropp (witchdream)
- 25.05.2010, 20:11 Uhr
Vergleich
Klaus Dieter (Leser2009)
- 26.05.2010, 09:14 Uhr
Indexzertifikate
W. Ehrensperger (heizoelboerse.de)
- 26.05.2010, 13:41 Uhr
Statt Einzelaktien besser Indexfonds (ETF's)
Siegfried Reutzel (rs-depot.de)
- 26.05.2010, 16:19 Uhr
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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