05.04.2001 · „Der Pessimismus ist noch nicht groß genug“, wird oft als Begründung für den andauernden Ausverkauf an der Börse angeführt. Wie aber misst man solche Stimmungen?
Warum sind die Börsen immer noch so labil, obwohl viele Aktien im historischen Vergleich mittlerweile billig erscheinen? Experten verweisen immer wieder darauf, dass „noch zu viele Optimisten am Markt“ seien, oder „die Marktstimmung noch nicht schlecht genug“ sei.
Die Überlegung dahinter: Sind die Marktteilnehmer pessimistisch, d. h. rechnen sie mit weiter fallenden Kursen, haben sie ihre Bestände bereits verkauft. Damit lastet kein Verkaufsdruck mehr auf dem Markt, und der Weg nach oben ist wieder frei. Herrscht dagegen übergroßer Optimismus, sitzen die Börsianer bereits auf ihren Beständen, und warten beharrlich auf den Anstieg. Nur schade, dass dann eben keiner mehr kauft, und der Markt heftig auf Wertpapierverkäufe reagiert.
Wie aber misst man dieses „Marktsentiment“ eigentlich? FAZ.NET stellt die wichtigsten Indikatoren vor.
Das klassische Instrument ist das so genannte Put/Call-Ratio, mit dem das Verhältnis zwischen der Anzahl von Kaufs- und Verkaufsoptionen an der Terminbörse gemessen wird. Als verlässliches Stimmungsbarometer ist es allerdings nur bedingt geeignet (siehe Link). Daher setzt man, besonders in den USA, auf Marktumfragen aller Art.
Stimmungsumfragen in Deutschland noch in den Anfängen
An der amerikanischen Börse kursiert bereits eine Fülle von Erhebungen verschiedener Gesellschaften, wie zum Beispiel der Zeitschrift Barron's, der American Association of Individual Investors (AAII) oder Investor's Intelligence. Nicht nur Expertenmeinungen, sondern auch die Stimmung der Börsenbriefe öder Ähnliches fließen in solche Erhebungen ein.
Deutschland steckt hier erst in den Anfängen, so dass Marktteilnehmer häufig von einer „Marktlücke“ im Bereich der Stimmungsumfragen sprechen. Zwar wird seit einigen Jahren der „G-Mind“ im Auftrag von vwd erhoben, der aus der monatlichen Befragung von rund 350 Finanzanalysten und institutionellen Anlegern ermittelt wird. Dieser konnte sich aber bisher nicht als Prognoseinstrument für die Börse durchsetzen (siehe Link).
Behavioral Finance-Pionier Joachim Goldberg betont, dass es wichtiger sei, anstelle von Analysten Marktteilnehmer zu befragen, die eine Verpflichtung haben, Portfolios zu betreuen: „Ohne Commitment keine Marktbewegung“, lautet seine Formel. Deswegen setzt der „Dax Bull/Bear Index“ seiner Firma Cognitrend auf die Befragung institutioneller Investoren (siehe Link).
Ein neuer Ansatz kommt auch von der Vereinigung der technischen Analysten Deutschlands (VTAD), die begonnen hat, professionelle und private Marktteilnehmer zu ihrer Stimmung zu befragen.
Börsenstimmung derzeit noch relativ optimistisch
Derzeit bestätigen die für Deutschland verfügbaren Indikatoren übrigens die Einschätzung, dass noch zu viel Opimismus am Markt vorhanden ist. Michael Riesner von der DG Bank betont, dass das Put/Call-Ratio zur Zeit immer noch häufig sehr stark in den optimistischen Bereich ausschlägt.
Auch der G-Mind für März zeigt mit plus 7,6 Punkten immer noch ein Niveau, das deutlich über dem zehnjährigen Durchschnitt von plus 5,8 Punkten liegt.
Die beiden März-Umfragen des Dax Bull/Bear Index schließlich deuten auf einen wieder leicht ansteigenden Optimismus hin. Also Vorsicht, frischgebackene Sentiment-Experten! Noch kann keine Entwarnung von der Seite der Marktstimmung gegeben werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |