Banken und Versicherungen stehen im Fokus der Kritik angesichts der erneuten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Mit Basel III und Solvency II haben sich die Aufseher bereits auf wesentliche Regelverschärfungen in beiden Branchen geeinigt. Für Privatkunden muss das kein Nachteil sein. Im Gegenteil - Tages- und Termingeldzinsen sowie das Angebot an Zertifikaten dürften für Privatanleger deutlich steigen.
Nomura hat in einer quantitativen Analyse untersucht, was Solvency II und Basel III konkret für die Verteilung der Vermögensanlage von Versicherungen und Banken bedeutet und welche Effekte sich daraus für Privatanleger ergeben. Die Folgen der regulatorischen Änderungen für die Attraktivität von Anlageklassen haben wir nicht nur auf Basis der jeweiligen Kapitalunterlegung analysiert, sondern gleichzeitig auch die aktuellen Marktparameter, gegenwärtige Renditen und Risikoerwartungen sowie Refinanzierungskosten berücksichtigt.
Strukturierte Investments werden kostspieliger
Deutsche Versicherungen müssen erstmals Kapital für die Risiken vorhalten, die sie mit ihren Anlagen eingehen. Entscheidend sind hierbei das Zinsrisiko und das Bonitätsrisiko. Das Zinsrisiko resultiert aus den unterschiedlichen Laufzeiten und Verzinsungen der investierten Wertpapiere im Vergleich zu den meist langfristigen Garantieverpflichtungen aus den Lebensversicherungsverträgen. Das Bonitätsrisiko bestimmt sich nach dem Risikogehalt und der Laufzeit der gewählten Anlagen. Ausgenommen hiervon sind lediglich sehr solide bewertete Staatsanleihen sowie alle Anleihen von EU-Staaten.
Die Auswertung der Untersuchung zeigt, dass für Versicherungen trotz Solvency II weiterhin mittel- und langfristige Anlagen interessant sind. Nur so können Versicherungskonzerne ihre Zinsrisiken im Griff behalten und ihren Garantiezins erwirtschaften. Aus diesem Grund werden sie auch weiterhin einen nennenswerten Anteil ihres Vermögens in Papiere mit A- und BBB-Ratings investieren. Teuer dagegen sind alle Formen der Vermögensanlage in Aktien und Beteiligungen sowie Direktinvestments in Immobilien. Strukturierte Investments wie Verbriefungen werden unserer Analyse zufolge ebenfalls kostspieliger. Im Einzelfall können transparente Strukturen mit guten Risiken jedoch interessante Anlageformen bleiben.
Eigenkapitalrendite der Banken sinkt
Für Banken erhöht sich im Wesentlichen das grundsätzlich erforderliche Kapital. Diese höheren Kapitalanforderungen bedeuten ganz allgemein, dass alle Anlageklassen teurer werden. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Banken dürfte sinken, da diese Kosten voraussichtlich nicht voll an die Kunden weitergegeben werden können.
Besonders hohe Rücklagen werden künftig für Forderungen an mittlere und große Banken notwendig. Zusätzlich dürfen Banken ihre Liquiditätspuffer künftig nicht mehr bei anderen Banken anlegen. Allein Pfandbriefe sind noch erlaubt. Außerdem müssen Banken künftig langfristige Kredite grundsätzlich langfristig refinanzieren. Allerdings dürfen auch kurzfristige Einlagen von Privatkunden zur Refinanzierung langfristiger Kredite verwendet werden. Hintergrund ist der sogenannte Bodensatz, also die Annahme, dass auch in Krisenzeiten vergleichsweise wenige Privatkunden ihre Tages- und Termingelder bei den Banken abziehen.
Neue Refinanzierungsstruktur von Banken
Im Gegensatz zu Versicherungen sind für Banken eher kurzfristige Anlagen attraktiv, da die Kapital- und Refinanzierungskosten niedriger sind und die Marktwerte dieser Papiere weniger stark schwanken. Daneben stellen besonders Pfandbriefe und andere gedeckte Schuldverschreibungen interessante Anlagemöglichkeiten für Banken dar - die Eigenkapitalanforderungen sind deutlich geringer als für Versicherungen. Gedeckte Schuldverschreibungen sind auch aus Liquiditätssicht interessant. Da Banken diese Investments zu ihrem Liquiditätspuffer hinzurechnen dürfen, sind sie deutlich attraktiver als andere Bankanleihen. Dies gilt ebenso für Unternehmensanleihen mit einem Rating von mindestens AA-.
Auf Basis dieser Überlegungen kommen wir zu dem Ergebnis, dass sich die Refinanzierungsstruktur von Banken deutlich verändern wird. Momentan refinanzieren sich einige Banken zu großen Teilen bei anderen Banken. Künftig werden aber Interbankenforderungen mit mehr Kapital zu unterlegen sein. Außerdem dürfen Banken unbesicherte Interbankenforderungen nicht mehr ihrem Liquiditätspuffer zurechnen. Als Konsequenz sind Banken verstärkt auf andere Refinanzierungsgeber angewiesen.
Zinsen für Tages- und Termingelder steigen
Neben Versicherungen und einigen Großkonzernen rücken dabei insbesondere Privatkunden ins Blickfeld. Schon jetzt ist zu beobachten, dass die Zinsen für Tages- und Termingelder wieder steigen. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken. Außerdem werden Banken vermutlich ihr Zertifikateangebot ausweiten, um so mehr Kundengelder einsammeln zu können.
Privatanleger sollten bei der Geldanlage stets das Ausfallrisiko der unterschiedlichen Banken berücksichtigen. Tages- und Termingelder sind im Regelfall durch die jeweilige Einlagensicherung der Bank geschützt. Hier gibt es allerdings Unterschiede in der Höhe und Finanzstärke der verschiedenen Sicherungssysteme. Zertifikate werden üblicherweise in Form von Inhaberschuldverschreibungen ausgestellt. Diese sind meist nicht von der Einlagensicherung abgedeckt. Daher sollten Privatanleger besonders bei Zertifikaten immer auch die Bonität der Bank im Blick haben und im Zweifel ihre Anlagen auf mehrere Banken verteilen. Lebensversicherer werden anstatt der klassischen Garantieverzinsung immer mehr zu alternativen Garantiemechanismen übergehen. Dabei werden sie von den bislang üblichen strikten Garantieverzinsungen abrücken. Stattdessen werden sie Mindestgarantien mit der möglichen Partizipation an Kapitalmarkterfolgen kombinieren oder noch stärker fondsgebundene Lebensversicherungen anbieten.
Auf die Aktienmärkte werden sich die neuen Regelungen nur unwesentlich auswirken. Banken und Versicherungen halten schon heute nur geringe Teile ihres Anlagevermögens in Aktien. Dies wird sich auch nach Inkrafttreten von Basel III nicht ändern, da die entsprechenden Eigenkapitalanforderungen für Banken sowie für Versicherungen vergleichsweise hoch sind. Lediglich für die Aktienkurse von Banken und Versicherungen selbst erwarten wir Änderungen. Da es Banken schwerfallen wird, an die Profitabilität früherer Zeiten anzuknüpfen, dürften die Kurse das alte Niveau kaum wieder erreichen.
