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Staatsanleihen : Ich rette die Griechen nicht!

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Bild: Tobias Wandres

F.A.S.-Redakteur Patrick Bernau hat eine Griechenland-Anleihe. Jetzt soll er auf sein Geld verzichten. Geredet hat darüber keiner mit ihm.

          Hallo, geht’s noch? Ich soll verzichten? Auf die Hälfte von meiner griechischen Staatsanleihe? Und das freiwillig? Ich glaub’, ich spinne. Das kann Frau Merkel drei Mal mit Herrn Ackermann in einer langen Mittwochnacht ausgekaspert haben. Nicht mit mir. Mit mir hat keiner geredet. Ich mache da nicht mit.

          Dafür habe ich nicht meine griechische Staatsanleihe gekauft, vergangenes Jahr im April, als viele schon an Griechenland zweifelten. Ich habe noch gekauft - zum Preis von 839,50 Euro pro Anleihe. Das Versprechen war: Im Juli 2016 kriege ich 1000 Euro zurück. Zusammen mit dem laufenden Zins sollten das 6,8 Prozent Rendite im Jahr sein.

          Viel wäre selbst das nicht, eine Anleihe von Heidelberg Cement ist sicherer und bringt mir noch mehr Zins. Aber ich habe Griechenland Kredit gegeben. Und jetzt soll ich auf die Hälfte von meinem Geld verzichten? Meine Anleihe eintauschen gegen eine neue, die auch von Griechenland kommt, aber nur halb so viel wert ist? Nein, liebe Leute. So nicht.

          Die Rettung nervt

          Bisher hätte ich nur auf 21 Prozent verzichten sollen. Das hieß es nach dem Euro-Gipfel im Juli. Da hätte ich mitgemacht, ich wäre ungefähr plus/minus null herausgekommen. Aber noch bevor die Umtauschformulare fertig waren, war das Angebot vom Tisch. Stattdessen gibt es jetzt diese neue Idee.

          Und ich kann mir nur aus Gerüchten zusammenreimen, dass das Umtauschangebot nicht nur für die Banken gilt, sondern dass auch ich ein „privater Gläubiger“ sein soll. Die Rettung nervt mich langsam. Ständig geht es hin und her, und immer wird mein Geld weniger. Macht das mal ohne mich.

          Jetzt werde ich beschimpft. Ein „Trittbrettfahrer“ soll ich sein, wenn ich nicht auf mein Geld verzichte. Das ist Politikerdeutsch für: ein egoistischer Finanzspekulant, der seine eigenen paar Euro über das Wohl von Griechenland stellt. So etwas muss ich mir jetzt vorwerfen lassen!

          Kein Verlass auf Politiker

          Dabei war ich mal einer von den Guten. Ich habe den Griechen geholfen, damals, als die Krise schon begonnen hatte. Als die Angst wuchs und niemand sonst mehr Griechenland Kredit geben wollte. Damals war ich mutig. Ich habe eine Anleihe gekauft und mitgeholfen, die Zinsen auf Griechenlands Staatsschulden zu drücken. Ich habe genau das getan, was die Politiker von mir wollten - damals. Bis 2013 sei Griechenland sicher, haben sie gesagt. Finanzminister Schäuble hat es versprochen: „Es geht nicht um Umschuldung, das ist kein Thema.“

          Ich habe ihm geglaubt, dem Herrn Schäuble. Habe mich darauf verlassen, dass er Griechenland nicht fallenlassen wird, sondern dass er es rettet. Mit meinem Steuergeld natürlich. Das war der andere Grund für meinen Kauf - die Anleihe war eine Art Versicherung: Wenn Schäuble die Griechen rettet, bekomme ich mein Geld über die Anleihe zurück.

          Aber auf die Politiker ist ja kein Verlass. Das sagt inzwischen sogar Martin Blessing, der Commerzbank-Chef, der immer noch vom Staat mitfinanziert wird. Der ist genauso sauer auf die Politiker wie ich. „Wenn heute noch mal ein Politiker zu mir käme und verlangte, wir sollten unsere Staatsanleihen in den Büchern halten, dann antworte ich: Trau, schau, wem“, hat er gesagt. Und er hat recht.

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