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Staatsanleihen Amerika vor Neuauflage des „Long Bond“

02.08.2005 ·  Das amerikanische Finanzministerium wird am Mittwoch die Wiedereinführung einer dreißigjährigen Staatsanleihe bekanntgeben. Dieser „Long Bond“ soll vermutlich zweimal jährlich aufgelegt werden, beginnend im Februar 2006.

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Das amerikanische Finanzministerium wird an diesem Mittwoch die Wiedereinführung einer Staatsanleihe mit 30 Jahren Laufzeit bekanntgeben. Dieser „Long Bond“ soll vermutlich zweimal jährlich aufgelegt werden, beginnend im Februar 2006. Damit rechnen zahlreiche Marktbeobachter.

Die erwartete Ankündigung fällt in eine Zeit, in der sich die Haushaltslage der Regierung aufgrund schnell steigender Steuereinnahmen zusehends aufhellt. Im zweiten Quartal hat das Finanzministerium eigenen Angaben zufolge marktfähige Schuldtitel im Wert von 79 Milliarden Dollar getilgt. Für das laufende Quartal strebt es eine Nettokreditaufnahme von 59 Milliarden Dollar an, 31 Milliarden Dollar weniger als noch Anfang Mai erwartet. Aktuellen Prognosen der Regierung zufolge wird das Budgetdefizit in diesem Jahr rund 333 Milliarden Dollar betragen, fast 100 Milliarden Dollar weniger als noch im Februar befürchtet. Ökonomen rechnen gleichwohl damit, daß die finanziellen Belastungen in den kommenden Jahren wieder steigen werden, insbesondere im Rahmen der staatlichen Krankenversicherungen für Senioren (Medicare) und Bedürftige (Medidaid) sowie in der umlagefinanzierten Rentenkasse.

Höchstgrenze für Verschuldung einige Male erhöht

Die Versteigerung von Anleihen mit dreißigjähriger Laufzeit ist im Herbst 2001 beendet worden. Unter dem Eindruck von wachsenden Haushaltsüberschüssen in den vorangegangenen Jahren und der Aussicht auf eine Verringerung des Schuldenberges sah das Finanzministerium damals keine Notwendigkeit mehr, die aus seiner Sicht kostspieligen Wertpapiere auszugeben. Von der Verkürzung des Laufzeitenspektrums versprach sich die Regierung ein verbessertes Risikomanagement seines Schuldenportfolios. Die 2001 erwartete dauerhafte Verbesserung der Budgetlage stellte sich jedoch nicht ein.

Die Rezession desselben Jahres und die folgende, geraume Zeit nur schwache Erholung der Wirtschaft sowie zusätzliche Staatsausgaben für den Kampf gegen den Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September belasteten den Haushalt schwer. Schnell verwandelten sich die prognostizierten Überschüsse in erhebliche Defizite. Im vergangenen Jahr erreichte der Fehlbetrag im Budget mit 413 Milliarden Dollar sein bisher höchstes Niveau. Auf Dringen der Regierung hat der Kongreß seither die Höchstgrenze für die zulässige Verschuldung einige Male erhöht; sie liegt derzeit bei 8,18 Billionen Dollar. Trotz der Verschlechterung der Finanzlage und des höheren Schuldenbergs beharrte das Finanzministerium lange darauf, den „Long Bond“ nicht wieder aufzulegen. Anfang Mai hieß es schließlich, die Ausgabe neuer Schuldtitel mit 30 Jahren Laufzeit werde ernsthaft geprüft.

Für ältere Privatanleger interessant

Die Regierung erfüllt mit der Neuauflage eines Langläufers den Wunsch vieler Marktakteure. Sie sehen darin eine wichtige Ergänzung im Angebot von festverzinslichen Anleihen mit erstklassiger Bonität. Der „Long Bond“ bietet ihnen eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Portfolios nach Chancen, Risiken und mit Blick auf einen bestimmten Anlagehorizont zu bestücken. Die Bond Market Association, ein Zusammenschluß von Geldhäusern, die vornehmlich Anleihen handeln, setzte sich dieser Tage in einem Brief an den zuständigen Abteilungsleiter im Ministerium, Timothy Bitsberger, für den Langläufer ein. „Auf diese Weise ließe sich das Zinsänderungsrisiko verringern, dem die Regierung derzeit ausgesetzt ist. Die Finanzierungskosten können so geglättet werden“, argumentieren die Anleihehändler.

Auch trüge die Wiederauflage des „Long Bond“ zu einer Verbreiterung der Anlegerbasis von langfristigen Staatsanleihen bei, die derzeit fast ausschließlich aus institutionellen Investoren bestehe: Die lange Laufzeit sei aufgrund der relativ geringen Kursschwankungen und des geringen Ausfallrisikos vor allem für ältere Privatanleger interessant, die ihr Portfolio nur noch in geringem Maße einem Risiko aussetzen wollten. Einer Umfrage der Vereinigung unter Wertpapierhandelshäusern zufolge würden rund 98 Prozent von ihnen verstärkt in Langläufer investieren und damit handeln.

Quelle: ctg., F.A.Z., 03.08.2005, Nr. 178 / Seite 17
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