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Spezial Börse Vietnam Hintergrundinformationen zur Börse in Vietnam

09.08.2005 ·  Die Börse in Vietnam ist für viele Anleger noch ein völlig unbeschriebenes Blatt. Was Anleger über den Aktienmarkt des aufstrebenden Landes wissen sollten, ist im nachfolgenden Beitrag zusammengefaßt.

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Der Startschuß für die Aktienbörse in Vietnam fiel am 28. Juli 2000. Aufgenommen wurde der Handel in Ho Chi Min-Stadt, dem früheren Saigon, damals allerdings nur mit zwei Aktienwerten. Trotzdem lief das Projekt zunächst sehr vielversprechend an. Zumindest was die Kursentwicklung angeht, kletterte der VN-Index doch binnen zwölf Monaten von seinem Startniveau bei 100 Punkten in der Spitze bis zum 25 Juni auf 571 Zähler.

Als der Rekord markiert wurde, waren allerdings noch immer erst fünf Titel börsennotiert. Anschließend drehte auch bei den Kursen schnell der Wind und der VN-Index rutscht bis November 2003 auf nur noch 131 Punkte ab. Trotz des Niedergangs bei den Kursen erhöhte sich die Zahl der gelisteten Unternehmen bis dahin auf 20. Inzwischen werden 30 Aktien gehandelt (sowie seit März mit dem Vietnam Securities Investment Fund von VietFund ein Investmentfonds) und der VN-Index notierte Anfang August bei 253 Punkten.

Vollelektronischer, täglicher Handel

Alle an der Börse, dem Ho Chi Min City Securities Trading Center (HSTC), notierten Wertpapiere und Staatsanleihen werden im Securities Trading Center gehandelt. Der Nominalwert aller Aktien beträgt standardmäßig 10.000 vietnamesische Dong. Nur die Mitglieder des Securities Trading Centers dürfen über das System handeln. Das Center ist verantwortlich für die Registrierung, das Clearing und das Settlement. Das Settlement, also die Lieferung und Bezahlung des Basiswertes, erfolgt drei Tage nach Auftragsvergabe und -annahme. Seit März 2002 wird täglich von neun bis elf Uhr gehandelt, wobei der Handel vollelektronisch abläuft.

Die Brokergebühren sind beim Aktienhandel auf maximal 0,5 Prozent des Transaktionswertes beschränkt, beim Anleihenhandel dürfen es maximal 0,15 Prozent sein. In der Regel bewegt sich die Gebühr beim Aktienhandel zwischen 0,10 und 0,40 Prozent. Von Neuemissionen abgesehen, dürfen die Aktienkurse von Einzelwerten an einem Tag um maximal fünf Prozent nach unten und oben vom Vortagesschlußkurs abweichen, ohne daß eine Handelsaussetzung in Kraft tritt. Alle Aktien werden unter dem Namen des Besitzers im Zentralregister der HSTC verwaltet. Das Settlement wird über die staatliche Bank of Investment and Development of Vietnam abgewickelt.

Regierung will die Zahl der Aktien drastisch erhöhen

Unternehmen, die eine Börsennotiz anstreben, sind verpflichtet, mindestens 20 Prozent ihrer Aktien zu verkaufen. Gehalten werden müssen diese Aktien von mindestens 20 Anteilseignern, die keine Beschäftigten des Unternehmens sein dürfen. Außerdem müssen sie mindestens zwei Jahre in Folge profitabel gewesen sein und das Mindestkapital muß fünf Milliarden Dong (272.700 Euro) betragen. Obligatorisch ist zudem die Vorlage einer geprüften Bilanz. Steuerlich gesehen ist erwähnenswert, daß keine Kapitalgewinnsteuer erhoben wird und auch die zuvor zehnprozentige Dividendenbesteuerung aufgehoben wurde. In Planung befindet sich derzeit eine Stempelsteuer von einem Prozent.

Offizielle Zielvorgabe der Regierung ist es, die Zahl der gelisteten Unternehmen bis 2010 auf 1.200 zu erhöhen. Was die Marktkapitalisierung angeht, liegt der Zielwert bei zehn bis 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Unter der Annahme, daß die Wirtschaft bis 2010 weiter mit einer durchschnittlichen Rate von sieben Prozent wächst, wäre die Zielvorgabe gleichbedeutend mit einer gesamten Marktkapitalisierung von rund acht Milliarden Dollar. Da die Relation von Marktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt derzeit nur bei 0,6 Prozent liegt, muß von einer ehrgeizigen Zielsetzung gesprochen worden. Bisher wurden solche Planvorgaben dann auch oft verfehlt.

Auch das im Juni formulierte Vorhaben, bis Ende 2005 insgesamt 253 weitere Unternehmen listen und 75 Staatsbetriebe Aktien dem Publikum verkaufen zu wollen, erscheint aus derzeitiger Sicht wenig realistisch. So rechnen die Vietnam-Experten von Dragon Capital bis Ende 2005 deutlich bescheidener mit nur 60 gelisteten Unternehmen und bis Ende 2006 mit 100. Werden allerdings andere asiatische Länder zum Vergleich herangezogen, scheint zumindest die Langfristprognose nicht völlig utopisch. Schließlich kommen selbst die Philippinen auf einen Börsenwert ihrer Aktien von 25 Milliarden Dollar und der thailändische Aktienmarkt sogar auf 128 Milliarden Dollar.

Der von Ausländern an einem Aktienunternehmen gehaltene Anteil darf seit Juli 2003 maximal 30 Prozent (zuvor 20 Prozent) betragen. Bei sieben Titeln ist diese Höchstgrenze inzwischen ausgeschöpft. Eine Erhöhung der Mindestbegrenzung wurde bereits vor längerer Zeit angekündigt, aber bis heute noch nicht umgesetzt. Bei den Planung ist von einer Erhöhung bis auf maximal 49 Prozent die Rede. Im Falle der vietnamesischen Banken wird die aktuell gültige Vorschrift noch dadurch verschärft, daß ein Einzelinvestor nicht mehr als zehn Prozent der Anteile halten darf.

Deutlich mehr Handel mit OTC-Geschäften

Seit dem 14. Juli 2005 Juli existiert außerdem ein Over-the-Counter Markt. Abgewickelt wird dieser an der Börse in Hanoi. In diesem Segment gelten weniger strenge Regeln zur Aufnahme eines Listings, wobei die Bilanzen aber auch hier geprüft und Informationen über den Geschäftsgang vorgelegt werden müssen. Offiziell werden in Hanoi derzeit aber erst sechs Gesellschaften gehandelt, was gemessen am gesamten Pool von 2.400 Aktiengesellschaften ein noch verschwindend geringer Anteil ist.

Der OTC-Handel macht der offiziellen Börse gehörig Konkurrenz. Beim Fondsanbieter Dragon Capital wird dessen Handelsvolumen auf das rund Sechsfache des Handeslvolumens an der Börse in Ho Chi Min geschätzt. Die meisten der im OTC-Geschäft gehandelten Unternehmen sind übrigens profitabel. Nach Berechnungen des Brokers Saigon Securities beträgt die Eigenkapitalrendite dieser Gesellschaft im Schnitt etwa 20 Prozent und ihre Dividendenrendite wird auf durchschnittlich zehn Prozent taxiert. Deutlich zu wünschen übrig läßt in diesem Segment aber die Transparenz, die Corporate Governance und die Compliance, also die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln, Gesetzen und Richtlinien. Ein Aufsichtsamt, das in Hanoi ansässig sein soll, ist zwar geplant, wurde bisher aber noch nicht implementiert.

In den ersten fünf Jahren ihres Bestehens wurden an der Börse in Ho Chi Min-Stadt Wertpapiere im Wert von 34 Billionen Dong (1,8 Milliarden Euro) gehandelt. Staatsanleihen hatten daran einen Anteil von rund 90 Prozent. Bis Mitte Juli existierten über 24.000 Handelskonten, wobei 246 von institutionellen Investoren stammten. Ende 2000 betrugen die Vergleichszahlen erst 3.000 bzw. 40 Handelskonten. Allerdings findet nur bei fünf Prozent der Depots ein aktiver Handel statt. Am Markt sind rund 250 Ausländer aktiv. 13 Broker habe eine Handelslizenz inne. Das größte Problem des Marktes ist bei einer Marktkapitalisierung von nur knapp 420 Millionen Dollar seine geringe Tiefe. Der Marktwert der gelisteten Staatsanleihen ist im übrigen um das rund zehnfache höher anzusiedeln.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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