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Spezial Börse Ukraine Argumente für und gegen ukrainische Aktien

 ·  An Exotenmärkten wie der ukrainischen Börse scheiden sich die Geister der Anleger. Während ein Teil nur die Risiken sieht, wittern andere enorme Chancen. Der Beitrag bietet eine Übersicht über Pro und Contra der Bullen und Bären.

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Der Aktienmarkt in der Ukraine steckt nach einer zuvor fulminanten Hausse seit Monaten in einer Konsolidierung. Da gleichzeitig in der Politik die während der „Orangenen Revolution“ erworbenen Vorschußlorbeeren längst verspielt sind, und auch die konjunkturelle Dynamik merklich nachgelassen hat, stellt sich die Frage, ob in die vorherige Hausse noch einmal neuer Schwung kommt oder die ukrainische Börse ihre Favoritenstellung endgültig abgeben muß.

Da auch unabhängig von der Ukraine die Akteure an den Weltbörsen momentan offenbar wieder einmal eher auf die Gefahren als auch die Chancen achten, beginnen wir zunächst mit der Aufzählung der Risiken.

Zu einem extern ausgelösten Problem könnte der Status als Schwellenland werden, den die Ukraine noch immer innehat. Nämlich dann, wenn entweder die Weltwirtschaft einen echten Schwächeanfall erleidet oder die Inflation und damit die Zinsen merklich steigen. Denn bei diesen beiden Szenarien werden die Marktteilnehmer typischerweise immer risikoscheuer und ziehen als Folge davon zuallererst Kapital aus den als relativ risikoreich geltenden Schwellenländern ab.

Unstete Politik verschreckt etliche Investoren

Mindestens ebenso ein großes Potential, Investoren zu verschrecken, hat bei Fehlentwicklungen die ukrainische Innenpolitik. Mit der dramatisch verlaufenen „Orangenen Revolution“ und der im September erfolgten Entlassung der daraus entstandenen Regierung war die Politik in den vergangenen zwölf Monaten über weite Phasen die entscheidende Triebfeder für die Kurse. Mit den im März anstehenden Parlamentswahlen rückt auch jetzt schon wieder langsam ein Punkt auf die Agenda, der für politische Turbulenzen und somit volatile Kursausschläge sorgen kann.

Denn wer diese Wahlen gewinnen wird, läßt sich momentan noch überhaupt nicht abschätzen. Das bedeutet aber zunächst viel Unsicherheit über den weiteren politischen Kurs und Unsicherheit gehört bekanntlich zu den Rahmenbedingungen, die Börsianer überhaupt nicht mögen. Was fehlende Berechenbarkeit bewirken kann, hat die Ukraine am eigenen Leibe eben erst erfahren. Wird die markante Konjunkturabschwächung von einem im Vorjahr erzielten Wirtschaftswachstum von über zwölf Prozent und unter drei Prozent in den ersten drei Monaten 2005 doch auf die Unklarheit darüber in Verbindung gebracht, ob die unter dem Vorgängerregime durchgeführten Privatisierungen im großen Stil wieder rückgängig gemacht werden oder nicht.

Justiz- und Steuersystem mit großen Mängeln

Eine handlungsfähige und schlagkräftige Regierung ist für die Ukraine aber auch aus anderen Aspekten heraus eine sehr wichtige Komponente. Schließlich zählt es zu den dringlichsten Aufgaben, die noch immer viel zu weit verbreitete Korruption zu bekämpfen und die Bürokratie einzudämmen. Gravierende Mängel gilt es zudem sowohl im Justiz- als auch im Steuersystem zu beheben. In beiden Fällen erweist sich die Korruption als großes Hindernis, außerdem gelten beide Systeme als wenig modern und durchschaubar.

Was den Kapitalmarkt selbst angeht, werden viele Skeptiker zum einen durch die geringe Anzahl an wirklich liquiden Aktien abgehalten. Zum anderen fehlt es noch immer etwas an Transparenz. Kritik wird beispielsweise immer wieder an der undurchsichtigen Kursfeststellung der Makler geübt. Außerdem läßt die Corporate Governance noch sehr zu wünschen übrig, auch wenn beispielsweise der Drang, die Unternehmensgewinne durch konzerninterne Verrechnungspreise künstlich zu drücken, zuletzt bereits spürbar nachgelassen hat.

Viele unerschlossene Potentiale

Die aufgezählten Risiken und Rückstände dürften ausreichen, um Pessimisten von einem Engagement am ukrainischen Aktienmarkt abzuhalten. Optimisten dagegen sehen vermutlich gerade in den vielen Mißständen eine Chance. Denn sie konzentrieren sich bei der Würdigung der Lage auf die Potentiale, welche die Problemfelder richtig gemanagt beinhalten. So ist das Bemühen um mehr Transparenz am Kapitalmarkt unübersehbar. Unter anderem wurde bereits ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches eine Stärkung die Rechte der Minderheitsaktionäre zum Ziel hat. Unter anderem sollen die Informationsmöglichkeiten verbessert und für mehr Transparenz bei der Durchführung von Kapitalmaßnahmen gesorgt werden.

An Initiativen wie dieser wird deutlich, daß der gute Wille bei den politisch Verantwortlichen zu Reformen durchaus vorhanden ist. Die unverkennbare Zielsetzung aller Beteiligten lautet letztlich, den Abstand zum höheren Wohlstandsniveau im Westen zu verringern. Der Erreichung dieser Vorgabe dienen auch die angestrebten Beitritte zur Welthandelsorganisation, zur Nato und zur EU. Bei diesen Plänen wird man aber wiederum nur dann Erfolg haben, wenn die Korruption und die Bürokratie bekämpft und ein demokratischer und marktwirtschaftlicher Kurs beibehalten wird. Und das ist letztlich genau das, was sich die Anleger wünschen.

Interessante Spielwiese für Anlagepioniere

Zumal bei einem derartigen Umfeld die Chancen für eine wieder anspringende Konjunktur am höchsten sind. Daran glauben offenbar auch die meisten Volkswirte, die der Ukraine schon im nächsten Jahr wieder ein höheres Wachstumstempo beim Bruttoinlandsprodukt von fünf bis sieben Prozent zutrauen. Wenn endlich mehr Berechenbarkeit und Stetigkeit in der Politik Einzug halten sollte, spricht zudem alles für eine Anspringen der Investitionen im Inland als auch aus dem Ausland. Als Pluspunkt hinzu kommt die vielfach verbreitete Einschätzung, daß es sich bei der Landeswährung Hryvna um eine der am stärksten unterbewerteten Währungen weltweit handelt.

Anlagepioniere werden von einem unterentwickelten Finanzmarkt wie dem in der Ukraine neben der Aussicht auf sinkende Risikoprämien bei den entsprechenden Reformanstrengungen außerdem auch deshalb fast magisch angezogen, weil diese Börsen noch nicht überlaufen sind. Das erhöht aber zum einen die Chancen auf unterbewertete Aktien zu treffen und zum anderen können sich fleißige und gut ausgebildete Akteure noch echte Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Ob man eher die zuletzt beschriebenen Chancen oder eher die zuvor aufgezeigten Risiken sieht, hängt somit letztlich vom Anlegertyp ab.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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