03.05.2006 · Die größte Bürde für die griechische Wirtschaft stellt die hohe Staatsverschuldung dar. Aber da das Problem inzwischen ernsthaft bekämpft wird, achten die Börsianer verstärkt auch auf Pluspunkte wie ein relativ hohes Wachstum.
Kein einheitliches Gesamtbild ergibt sich beim Blick auf die volkswirtschaftlichen Rahmendaten in Griechenland. Einigen Pluspunkten stehen auch Minuspunkte gegenüber. Aber immerhin: Die Schwächen sind zuletzt geringer geworden und die Regierung versucht sie mit gezielten Maßnahmen weiter einzugrenzen.
Die mit Abstand wichtigste Schwäche neben dem Leistungsbilanzdefizit, das zwischen 2004 und 2005 von 10,45 Milliarden auf 14,05 Milliarden Euro geklettert ist und sich in den Monaten Januar und Februar 2006 mit einem Anstieg von 59,5 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro weiter erhöhte, stellt der beharrlich defizitäre Staatshaushalt dar. So ist das Defizit seit der Einführung des Euro im Jahr 2001 noch in keinem Jahr unter das in den Maastricht-Kriterien maximal erlaubte Niveau von drei Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gefallen. Im Jahr 2004 ist es begleitet von den hohen Ausgaben für die Olympiade sogar auf den Rekordwert von 6,6 Prozent gestiegen, und auch 2005 war es mit 4,3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt noch viel zu hoch.
Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung und Kreditwachstum gelten als problematisch
Insgesamt ist Griechenland unter den zwölf Euro-Staaten der am höchsten verschuldete Staat. Für den Schuldendienst müssen inzwischen bereits drei Viertel der jährlich rund 40 Milliarden Steuereinnahmen aufgewendet werden. Angesichts dieses Debakels war die Meldung sehr erfreulich, wonach sich das Haushaltsdefizit in den ersten drei Monaten 2006 dank gestiegener Einnahmen um 80 Prozent auf 489 Millionen Euro verringert hat. Somit scheint es nun zumindest nicht mehr ganz ausgeschlossen zu sein, daß die Regierung das für 2006 angestrebte Ziel eines Defizits von 2,6 Prozent auch tatsächlich erreichen kann. Sollte die Drei-Prozent-Hürde allerdings erneut verfehlt werden, drohen Griechenland als erstem Land Strafen wegen dieser Verfehlung.
Zu einem kritischen Faktor hat sich zuletzt auch das starke Kreditwachstum entwickelt. Insgesamt kletterten die Kredite im Vorjahr um 16,9 Prozent auf ein Volumen von umgerechnet 78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Vergabe von Hypotheken explodierte sogar förmlich um 33,4 Prozent. Angesichts dieser rasanten Steigerungsraten hat sich die Notenbank sogar schon veranlaßt gefühlt, die Schuldner auf die Gefahren bei steigenden Zinsen hinzuweisen. Und sie hat mittlerweile sogar schon striktere Kriterien bei der Kreditvergabe eingeführt und von den Geschäftsbanken größere Anstrengungen zur Risikovermeidung verlangt.
Wirtschaft wächst seit Jahren überproportional stark
Auf der Habenseite kann die griechische Volkswirtschaft dagegen ein verglichen mit Westeuropa seit Jahren überproportional hohes Wirtschaftswachstum verbuchen. Die Notenbank rechnet für 2006 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,5 Prozent, nachdem die Zuwachsrate im Vorjahr 3,7 Prozent betrug. Und die Volkswirte der Commerzbank sagen für 2007 immerhin noch ein Plus von 3,3 Prozent voraus.
Als Konjunkturstütze erweisen sich neben der angesprungenen inländischen Konsum- und Kreditnachfrage die umfangreichen öffentlichen Großprojekte. So soll es bis zum Herbst 2006 nach Ankündigungen der zuständigen Ministerien zum Abschluß von Konzessionsverträgen für sieben Bauprojekte kommen, deren Volumen sich auf insgesamt rund zehn Milliarden Euro belaufen. Diese werden dabei helfen, daß sich nach der Delle (das Volumen der öffentlichen Investitionen sank im Jahr 2005 um rund 40 Prozent), die die Baubranche nach der Olympiade 2004 erlebte, auch in diesem Sektor nun wieder ein Aufschwung einstellt.
Die Inflation (im März zog die Jahresteuerungsrate leicht von 3,2 auf 3,3 Prozent an) sieht die Notenbank in diesem Jahr bei 3,3 Prozent, was gegenüber dem Vorjahreswert von 3,5 Prozent ein kleiner Rückgang wäre. Die Commerzbank geht für 2007 sogar von einem weiteren Nachgeben der Verbraucherpreise auf 3,0 Prozent aus.
Wie bei den Prognosen für andere Volkswirtschaften können starke Schwankungen beim Ölpreis aber natürlich auch diese Vorhersagen zunichte machen. So würden nach Berechnungen der Notenbank ein um zehn Dollar je Barrel steigender Ölpreis die Inflation in der Zweijahresperiode 2006 und 2007 um 0,3 Prozent erhöhen und das Wirtschaftswachstum um 0,15 Prozent drücken.
Weitere Reformen sind unabdingbar
Zum besseren Verständnis der wirtschaftlichen Ausgangslage in Griechenland sei abschließend noch erwähnt, daß das Pro-Kopf-Einkommen derzeit bei knapp 70 Prozent des EU-15-Durchschnitts liegt. Ansonsten ist, wie die deutsche Bundesagentur für Außenwirtschaft in einer Studie herausstellt, ein Wandel von einer ursprünglich stark landwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaft hin zu einer Handels- und Dienstleistungswirtschaft unverkennbar. Inzwischen erwirtschaftet der letztgenannte Bereich mehr als 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die wichtigsten Branchen sind dabei die Handelsschifffahrt und der Tourismus.
Trotz dieser strukturellen Veränderungen in die richtige Richtung wird das Land weitere Anstrengungen unternehmen müssen, damit das von 2000 bis 2005 hohe durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent auch künftig Bestand haben wird. Ein noch längst nicht behobenes strukturelles Problem stellt dabei neben dem fiskalen Ungleichgewicht weiterhin die im internationalen Vergleich niedrige Wettbewerbsfähigkeit dar. Da man sich nicht ewig rein auf eine robuste Binnennachfrage wird verlassen können, muß es zu weiteren Reformen kommen und die Exporte angekurbelt werden. Die Pläne der Regierung, sich vom Staat gehaltene Aktien an Unternehmen wie der Emporiki Bank oder der Postsparkasse zu trennen, sind vor diesem Hintergrund ebenso zu begrüßen wie die inzwischen offenbar ernsthaft betriebene Reform des Energiesektors.
Weniger gut in die Landschaft paßt dagegen der Anfang April für die Jahre 2006 und 2007 nach einem großen Generalstreik neu ausgehandelte Tarifvertrag, der eine Erhöhung der Löhne und Gehälter in drei Stufen um insgesamt 10,9 Prozent vorsieht. Zum Vergleich: Zu Beginn der Verhandlungen hatten die Arbeitgeber lediglich 2,8 Prozent geboten. Der letztlich erzielte Kompromiß dürfte weder dabei helfen, die vergleichsweise geringen ausländischer Direktinvestitionen anzukurbeln, noch die etwas über dem EU-Durchschnitt liegende Arbeitslosenrate von 9,7 Prozent zu drücken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |