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Spekulationen auf Brexit : Pfund-Rally am Devisenmarkt

Spekulationen auf die Brexit-Verhandlungen treiben den Pfund in die Höhe. Bild: dpa

Am Devisenmarkt wird gern gewettet. Derzeit besonders auf eine Zinswende und Fortschritte bei den festgefahrenen Brexit-Verhandlungen.

          Spekulationen auf eine Zinswende und Fortschritte bei den schwierigen Brexit-Verhandlungen führen am Devisenmarkt zu einem Höhenflug des Pfunds. Die britische Währung stieg am Freitag gegenüber dem Dollar auf den höchsten Wert seit dem 24. Juni 2016 – dem Tag, nachdem die britischen Wähler überraschend für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben. Seit Mitte dieser Woche hat das Pfund um 2,6 Prozent zum Dollar aufgewertet. Gegenüber dem Euro verzeichnete es ähnlich starke Kursgewinne. Am Freitagnachmittag stand es bei 1,13 Euro.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Pfund-Rally wurde am Freitag weiter angeheizt durch die Rede eines Notenbankers: Gertjan Vlieghe, der dem geldpolitischen Rat der Bank von England angehört, bestärkte die Erwartung, dass die lange Phase des ultrabilligen Geldes auf der Insel zu Ende gehen könnte. Der richtige Zeitpunkt für eine Erhöhung des Leitzinses könnte bereits „in den nächsten Monaten kommen“, sagte der Währungshüter. Seine Worten hatten am Devisenmarkt umso mehr Wirkung, als Vlieghe zum Lager der geldpolitischen „Tauben“ gezählt wird, die einer Straffung der Geldpolitik skeptisch gegenüber stehen. Auch eine mit Spannung erwartete Rede der britischen Premierministerin Theresa May dürfte dem Pfund Auftrieb geben. Die Regierungschefin will am Freitag in Florenz Position zum Brexit beziehen. Im Vorfeld kursieren Spekulationen, dass May Kompromissbereitschaft signalisieren werde, um die festgefahrenen Austrittsverhandlungen zwischen London und der EU in Schwung zu bringen. Die Gespräche, die auch für die Zukunft gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen sehr wichtig sind, stocken seit Monaten.

          Touristen profitieren vom Trend

          Begonnen hat der starke Anstieg des Pfunds am Donnerstag, nachdem die Bank von England ungewöhnlich deutlich signalisiert hat, dass angesichts einer stark steigenden Inflationsrate der britische Leitzins erstmals seit mehr als zehn Jahren erhöht werden könnte. Die Notenbank hat den Leitzins während der damaligen Weltfinanzkrise bis auf 0,5 Prozent gesenkt und damit auf das niedrigste Niveau in den mehr als drei Jahrhunderten seit Gründung der Bank von England. Im August 2016, nach dem Brexit-Votum, wurde er dann auf 0,25 Prozent halbiert.

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          Die verbale Unterstützung der Notenbanker für das Pfund hat den langen Abwärtstrend der britischen Währung vorerst gestoppt. Die Marktteilnehmer haben aus Furcht vor den Risiken des britischen EU-Austritts schon vor knapp zwei Jahren damit begonnen, das Pfund abzustoßen. Trotz der jüngsten Kursgewinne notiert es gegenüber dem Euro noch immer um rund 25 Prozent niedriger als im November 2015. Vom Schwächeanfall des Pfundkurses profitieren unter anderem deutsche Touristen, die in Großbritannien Urlaub machen.

          Ökonomen rechnen mit Leitzinserhöhung

          Immer mehr Ökonomen rechnen damit, dass die Währungshüter im November den Leitzins anheben werden. Ob sie ihren Worten Taten folgen lassen, bleibt aber abzuwarten: Die Glaubwürdigkeit der Zentralbank hat in den vergangenen Jahren gelitten, nachdem der Notenbankrat immer wieder eine bevorstehende geldpolitische Wende angedeutet hat, dann aber doch tatenlos blieb. Unter den Ökonomen gehen zudem die Meinungen darüber auseinander, ob die Bank von England gegebenenfalls nur die vergleichsweise marginale Zinssenkung vom Sommer 2016 rückgängig machen wird oder aber rasch eine stufenweise weitere Erhöhung anpeilt.

          Klar ist allerdings, dass der Druck auf die Notenbanker gewachsen ist: Im August lagen die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Der Preisauftrieb liegt damit weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der Bank von England von 2,0 Prozent. Grund dafür ist nicht zuletzt das schwache Pfund, das Importe verteuert. Noch Ende 2015 hat auf der Insel dagegen annähernd Preisstabilität geherrscht. Die Notenbanker befürchten auch, dass der Brexit das Wachstumspotential der britischen Wirtschaft nachhaltig schwächen wird und dadurch die Inflationsanfälligkeit steigt.

          Quelle: F.A.Z.

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