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In Niedersachsen : Spektakulärer Fall von gefälschten Goldbarren

Goldbarren (100 Gramm) liegen auf einem Tisch. Bild: dpa

Ein Mann in Göttingen kauft gefälschte Goldbarren und Münzen auf Ebay. Die Sparkasse nimmt sie ihm nur allzu gerne ab. Der Schwindel wird nur durch Zufall aufgedeckt.

          Ein außergewöhnlicher Fall von gefälschten Goldbarren sorgt in Niedersachsen derzeit für Aufsehen. Ein Zwanzigjähriger steht dort vor Gericht unter dem Verdacht, der Göttinger Sparkasse für rund 300.000 Euro Krügerrand-Münzen und Goldbarren verkauft zu haben, von denen zumindest ein großer Teil nicht echt war.

          Die Sparkasse überprüfte die Barren offenbar gar nicht oder zumindest nicht hinreichend und verkaufte sie zum Teil sogar innerhalb des Bankensystems weiter. Richter Stefan Scherrer, Sprecher des Amtsgerichts Göttingen, bestätigte einen entsprechenden Bericht des „Göttinger Tageblatts“ auf Anfrage.

          Es soll sich um 270 Goldbarren gehandelt haben, zum Teil im Gewicht von einer Feinunze, das sind 31,1 Gramm. Von diesen habe die Sparkasse unter anderem 49 Stück an die Nord-LB verkauft, wo offenbar auch keine Prüfung stattfand. Die Barren jedenfalls wurden von dieser weiter an die Landesbank Baden-Württemberg veräußert. Dort gab es mittlerweile dann eine Prüfung, die Barren wurden als falsch erkannt. Zwei weitere Barren legte die Sparkasse vor Gericht als Beweisstücke vor, sie waren an Mitarbeiter weiterveräußert worden.

          Die Sparkasse wollte mehr 

          Gefälschte Goldbarren tauchen immer mal wieder auf, zuletzt hatte ein Anlegerskandal in Berlin für Aufsehen gesorgt, bei dem Barren mit einem Kern aus dem billigeren Material Wolfram verwendet wurden. Gefälschte Barren kann man auf unterschiedliche Art erkennen; eine besonders gründliche Analyse erfordert das Einschmelzen. Ansonsten kann man Barren aufbohren oder mit Ultraschall untersuchen. Eine einfache Art ist es, die Barren zu wiegen und das spezifische Gewicht zu berechnen. Allerdings lässt sich die Methode, wenn sie zu grob angewendet wird, überlisten, indem in den Barren das Element Wolfram verwendet wird, das ein ähnliches spezifisches Gewicht wie Gold aufweist.

          So arbeiteten schon in einer der frühen Episoden der Fernsehkrimireihe Tatort („Frankfurter Gold“ von 1971) die Täter. Und so ähnlich soll es wohl auch in Göttingen gemacht worden sein. Allerdings sollen die Barren in Göttingen so schlecht und dünn vergoldet gewesen sein, dass es schon reichte, außen daran zu kratzen, um den unechten Kern zu erkennen. Der junge Mann, der jetzt mit seiner ebenfalls beschuldigten Mutter vor Gericht steht, soll die Barren allerdings nicht selbst gefälscht, sondern bei Ebay gekauft haben, so ist zumindest der Stand der Erkenntnisse der Behörden.

          Anzeige nicht wegen Fälschung – sondern wegen Geldwäsche

          Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei der Internetplattform ergaben, dass die Barren dort korrekt als „gold plated“, also „vergoldet“, bezeichnet gewesen seien. Dem Mann wird deshalb von der Staatsanwaltschaft Betrug vorgeworfen, weil er die Barren der Sparkasse in mehreren Runden als echt angeboten habe. Beim ersten Mal brachte er den Berichten zufolge vier Barren und eine Münze, für die er knapp 5800 Euro bekam. Zwischen September und November 2016 folgten dann immer weitere Fälle. Nach Darstellung des Anwalts der Mutter soll die Sparkasse den jungen Mann später sogar von sich aus angerufen haben, ob er nicht weiteres Gold anzubieten habe.

          Offenbar sind bis heute noch nicht alle gefälschten Barren von der Staatsanwaltschaft sichergestellt worden. Einige Barren wurden angeblich eingeschmolzen; womöglich ist das verunreinigte Material jetzt in andere Barren eingeflossen. Womöglich gebe es aber auch noch irgendwo im Bankensystem gefälschte Barren, meinte Richter Scherrer. Die Sparkasse will parallel zum Strafverfahren in einem sogenannten Adhäsionsverfahren den Schaden erstattet bekommen. „Die Sparkasse hat bereits seit 2016 den Vorgang zeitnah aufgearbeitet und sichergestellt, dass Kunden der Sparkasse aus diesem Vorgang kein Schaden entstanden ist“, teilte das Institut auf Anfrage mit. Es habe sich um einen „absoluten Einzelfall“ gehandelt.

          Wie Scherrer sagte, wurde das Verfahren jetzt erstmal ausgesetzt – es müsse zunächst geklärt werden, wie hoch der Wert des echten Goldes, etwa der echten Krügerrand-Münzen, und wie hoch der Schaden sei. Auf dem Konto des jungen Manns wurden rund 183.000 Euro sichergestellt. In den nächsten Wochen soll ein neuer Gerichtstermin festgelegt werden. Herausgekommen war das Ganze übrigens, weil die Sparkasse Anzeige erstattet hatte. Aber nicht, weil sie die Fälschungen irgendwann doch bemerkt hatte – sondern wegen eines Verdachts auf Geldwäsche, angesichts der ungewöhnlich hohen Einzahlungen.

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