http://www.faz.net/-gv6-8e92k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.03.2016, 17:29 Uhr

Sparkassen-Zinsvergleich Sparkassen in Bayern zahlen geringste Zinsen

Nur ganz im Norden Deutschlands müssen die Menschen noch öfter mit Mini-Zinsen leben als im Freistaat. Der erste deutsche Zinsvergleich unter Sparkassen zeigt auch große Unterschiede der Kreditzinsen bei Kontoüberziehung.

von
© dpa

Sparkasse und Sparen, das gehört zusammen wie Brotaufstrich und Brot. Das rote Markenzeichen der Sparkassen symbolisiert als „verfremdetes S mit Punkt“ eine Spardose, in die eine Münze fällt. Und auf dem Sparbuch der Sparkassen legen schon Grundschüler einen Teil des Taschengeldes für spätere Anschaffungen zurück.

Hanno Mußler Folgen:

Gerne dürfen auch die Großeltern darauf einzahlen, etwa wenn das Schulzeugnis gut ausgefallen ist. Die Zinsen auf das Sparbuch waren selten üppig, aber so tief wie jetzt waren sie noch nie. Am schlechtesten dran sind Kunden der Sparkasse im niedersächsischen Walsrode und im bayerischen Rothenburg. Sie erhalten mit 0,001 und 0,005 Zins nur noch eine eher symbolische Verzinsung für Spareinlagen mit drei Monaten Kündigungsfrist. Dies geht aus Informationen wie dem Preisaushang im Internet hervor, die Leser von Sparkassen aus der ganzen Republik zusammen getragen haben.

Demnach zahlt ein gutes Viertel aller 391 so untersuchten Sparkassen nur noch 0,01 Prozent Zins auf das Sparbuch. Dagegen bietet die Sparkasse Bochum von allen Sparkassen bundesweit mit 0,25 Prozent am meisten. Doch auch damit kommt man nicht weit. In 24 Jahren Anlagedauer erhöht sich ein Sparbetrag um weniger als 7 Prozent. Vor der Finanzkrise, als Zinsen von 3 Prozent noch üblich waren, verdoppelte sich ein Sparguthaben in 24 Jahren.

Infografik / Zins auf Spareinlagen © F.A.Z. Vergrößern

Auslöser der Sparermisere ist die Europäische Zentralbank. Sie drückt die Zinsen immer tiefer. Seit Dezember müssen Banken und Sparkassen auf Spareinlagen bei der Notenbank einen negativen Zins („Guthabengebühr“ oder besser „Strafzins“ genannt) von minus 0,3 Prozent entrichten. Damit gerät das Geschäftsmodell der Sparkassen ins Wanken. Denn sie müssten, um gut zu verdienen, wiederum von ihren Kunden auch negative Zinsen verlangen, wie es etwa die Commerzbank schon von Unternehmen tut. Doch die Sparkassen werden möglichst lange versuchen, negative Zinsen für ihre Kunden zu vermeiden, um ihr Image als gemeinwohlorientierte Kreditinstitute nicht zu gefährden. Damit schnurrt ihre Zinsmarge zusammen, ohne dass sie ihre Kunden tatsächlich zufrieden stellen dürften.

Wie der erste bundesweite Zins-Vergleich unter Sparkassen zeigt, zahlen viele der kommunal getragenen Kreditinstitute für das Geld auf dem Sparbuch nur noch Mini-Zinsen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Recherchezentrum Correctiv hatten im November ihre Leser dazu aufgerufen, Daten der Sparkassen zu sammeln.

477 Bürger haben sich zwischen November und Februar im Internet beteiligt. Als erstes Ergebnis lassen die von Lesern fotografierten Preisaushänge in Filialen sowie weitere Recherchen und Überprüfungen etwa im Internet nun einen Zinsvergleich von 390 der insgesamt 410 deutschen Sparkassen zu, wie er bisher für die Öffentlichkeit in dieser Tiefe nicht zur Verfügung stand.

Infografik / Überziehungs- und Dispozins © F.A.Z. Vergrößern

Überproportional in dieser Gruppe schlecht zahlender Sparkassen sind Institute im strukturschwachen Schleswig-Holstein, aber auch im relativ reichen Bayern vertreten. Nur 0,01 Prozent Zins auf das Sparbuch zahlen 8 von 13 schleswig-holsteinischen und 28 von 71 bayerischen Sparkassen. Darunter sind nicht nur Sparkassen im vermeintlich von Konkurrenten kaum bedienten ländlichen Raum, sondern auch die Sparkassen in München und Nürnberg.

Dagegen zahlen nach Bochum die vier Sparkassen im nordrhein-westfälischen Remscheid, in Hamburg, in Rhein-Haardt (Rheinland-Pfalz) und Erding-Dorfen (Bayern) mit 0,15 Prozent am besten. Auf der nachstehenden Landkarte lassen sich die Zinsen jeder der 410 deutschen Sparkassen abrufen – mit Ausnahme der 20 Sparkassen, die ihre Preislisten auch auf Nachfrage von Kunden oder Journalisten nicht preisgaben. Die Sparbuchzinsen finden sich unter Spareinlagen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kundenservice Bayerische Sparkassen bringen Bargeld nach Hause

Die Bayrische Sparkasse bietet ihren Kunden einen neuen Service – die Bargeldlieferung in die eigenen vier Wände. Kunden in Orten ohne Geldautomat erhalten sogar Bustickets. Mehr

16.05.2016, 18:50 Uhr | Finanzen
Tschüs 500er Schöner Schein

Der Abschied vom 500-Euro-Schein ist beschlossen. Zeit für ein kleines bisschen Wehmut: Ein kurzes Gedenken an altes Geld, das schon früher aus dem Verkehr gezogen wurde. Mehr

08.05.2016, 18:21 Uhr | Finanzen
Widerrufsjoker Alte Darlehen oft bis zum 21. Juni widerrufbar

Wer für seinen Kredit noch hohe Zinsen zahlt, kann mit einem Trick Geld sparen. Ein Urteil des BGH hätte hier für Rechtsklarheit sorgen sollen. Dazu kam es aber nicht. Aus gutem Grund. Mehr Von Hendrik Wieduwilt

25.05.2016, 09:29 Uhr | Finanzen
Vorsorgesparer Rentenversicherungen werden doppelt besteuert

Der niedrige Zins hat schon zu einigen Verwerfungen geführt. Nun scheint er auch dafür zu sorgen, dass Vorsorgesparer zweifach Steuer abführen müssen. Mehr Von Philipp Krohn

27.05.2016, 08:41 Uhr | Finanzen
Hackerangriffe Banken bangen um ihre Computersysteme

Die Deutsche Bank legt vor dem Brexit-Stichtag Erneuerungsarbeiten auf Eis. Die Stabilität wird zudem durch die Angriffe von Hackern auf die Probe gestellt. Mehr Von Markus Frühauf

19.05.2016, 09:19 Uhr | Finanzen

Die Vermögensfrage Vorsicht mit der Betriebsrente

Arbeitnehmer können sich ihre Betriebsrente selbst organisieren. Aber das lohnt sich nicht für jeden. Zu oft werden die Sparer doppelt belastet. Mehr Von Barbara Brandstetter 4 11

Abonnieren Sie „Finanzen-Analysen“