http://www.faz.net/-gv6-8e8ix

Sparkassen-Check : Hat Ihre Sparkasse günstige Dispo-Zinsen?

  • -Aktualisiert am

Passanten vor einer Sparkassenfiliale. Bild: dpa

Nicht jede Sparkasse hat niedrige Dispo-Zinsen. Das zeigt der erste bundesweite Zinsvergleich von Sparkassen, den wir mit Hilfe der Leser zusammengestellt haben. Viele Kunden können Zinsen sparen, wenn sie das Konto wechseln.

          Sparkassen haben höchst unterschiedliche Dispozinsen. In der Nähe von Lübeck verlangt eine Sparkasse 5,7 Prozent, im niedersächsischen Scheeßel dagegen 12,75 Prozent. Weil viele Sparkassen sich gegen diesen Vergleich gesträubt haben, haben das Recherchebüro Correctiv und die F.A.Z. ihre Leser aufgerufen, bei der Recherche mitzuhelfen. Das Ergebnis ist der erste bundesweite Zins-Vergleich von 391 Sparkassen.

          Die Unterschiede zwischen den einzelnen Sparkassen sind enorm: Wer am Südrand des Harzes wohnt und sein Konto bei der Kreissparkasse Nordhausen hat, zahlt 12,2 Prozent Zinsen, wenn er sein Konto überzieht. Direkt nebenan bei der Sparkasse Mansfeld-Südharz sind es nur 8,26 Prozent.

          Bei der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden im Sauerland werden Kunden mit 11,25 Prozent Dispozinsen berechnet. Wenige Kilometer weiter bei der Sparkassen Siegen sind es nur 8,73 Prozent.

          Den niedrigsten Dispozins hat die Sparkasse Holstein

          Den höchsten Dispozins in Deutschland verlangt die Sparkasse Scheeßel in Niedersachsen mit 12,75 Prozent, am günstigsten ist die Sparkasse Holstein, nördlich von Lübeck. Dort zahlen liquide Sparer und Neukunden – laut einem Sprecher rund ein Drittel der Kunden – 5,71 Prozent Dispozinsen. Für Kunden mit weniger guter Bonität werden auch dort 8,71 beziehungsweise 12,71 Prozent fällig.

          Alle Ergebnisse finden Sie auf dieser interaktiven Karte. Die Daten stammen aus dem Zeitraum von November 2015 bis Februar 2016.

          Bisher gab es diesen Vergleich nicht. Denn viele Sparkassen veröffentlichen ihren „Preisaushang“ nicht im Internet. In dem Dokument stehen die wichtigsten Konditionen; darunter auch die Dispozinsen. Üblicherweise kann die zentrale Preisliste im Kassenraum einer Sparkasse eingesehen werden.

          Als das Recherchebüro Correctiv und die F.A.Z. mit der Recherche begannen – unterstützt von 477 Bürgern, die sich im „Crowdnewsroom“ engagieren – stießen sie auf Widerstand. Etliche Sparkassen weigerten sich, ihren Preisaushang zu mailen. Zum Teil mit absurden Begründungen. Aus der Stadtsparkasse Grebenstein hieß es, man habe nicht die „zeitlichen Ressourcen“, um zu antworten. Die Kreissparkasse Waiblingen, so ein Sprecher, gebe „überregionalen Medien generell keine Auskunft“. Waiblingen liegt in Baden-Württemberg – dort verweigerten mehr als die Hälfte der Institute anfangs die Auskunft.

          19 Sparkassen geben ihre Zinsen nicht an

          Das wollte Correctiv nicht hinnehmen – und ermunterte Leserinnen und Leser zur Mitarbeit. Per Twitter und Facebook der startete Aufruf, die Preisaushänge jener 87 Sparkassen zu fotografieren und uns zu per Mail zu schicken, deren Zinsniveau in unserer Datenbank noch fehlte. Aus ganz Deutschland schickten uns Leserinnen und Leser Preisaushänge zu. Und plötzlich wurden auch viele der bis dahin schläfrigen Sparkassen munter. Nun schickten uns 24 von ihnen den bis dahin verweigerten Preisaushang. Sie wollten nicht auf der roten Liste stehen.

          19 der 410 Sparkassen blieben bis zum Ende still. Auch Waiblingen bei Stuttgart schickte keinen Preisaushang. Ein Kunde dieser Sparkasse schrieb daraufhin eine Mail an das Institut: Die Sparkasse solle sich an der Befragung beteiligen, „sonst weiß ich nicht, ob ich weiter Kunde bei Ihnen sein möchte.“ Die bayerische Sparkase Rosenheim schickte Correctiv auf Nachfrage das Dokument zu. Ein Mitarbeiter weigerte sich aber einem Leser in einer Filiale die Preisliste zu zeigen. Dieser Darstellung widerspricht eine Sprecherin der Sparkasse Rosenheim. Der Preisaushang sei „jedem öffentlich zugänglich.“

          Gesetzliche Obergrenze für den Dispozins?

          Verbraucherschützer und Politiker und fordern seit langem eine Obergrenze für den Dispokredit. „Wir wollen Abzocke vermeiden“, so Peter Knitsch, Staatssekretär des SPD-geführten Verbraucherschutzministeriums in NRW. Maximal acht Prozent über dem Richtzins – der derzeit sogar negativ ist – dürfe der Dispo liegen, forderten die SPD-geführten Länder im September im Bundesrat. Sie konnten sich aber nicht gegen die CDU durchsetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahlkampfabschluss der AfD : Revolte von rechts

          Am Abend vor der Wahl trifft sich der Landesverband der AfD Sachsen zur Kundgebung in Görlitz. Ohne Frauke Petry. Die hatte zuvor abgesagt – wegen „innerparteilichen Querelen“. Dafür tritt einer ihrer Feinde auf.
          Versuchen fast alles, um Merkel zu stürzen: Die AfD-Spitzenkandidaten Weidel und Gauland.

          Neue Internetseite der AfD : Teuflisch genial

          Im Online-Wahlkampf holte sich die AfD Unterstützung von einer Werbeagentur, die bereits für Donald Trump arbeitete. Jetzt hat die Partei eine neue Website veröffentlicht – und startet damit eine Schmutzkampagne gegen die Kanzlerin.

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.