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Veröffentlicht: 10.11.2015, 11:16 Uhr

Sparkassen-Check Die neun Probleme des Systems

Die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe ist angeschlagen. Doch sie ist nur eine von vielen. Tatsächlich krankt das System an einigen grundsätzlichen Problemen.

von Jonathan Sachse
© dpa Gemeinsam Sparkassen checken - machen Sie mit.

Im Fall der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe lief besonders viel schief. Aber auch, wo Bürgermeister und Vorstände besser gewirtschaftet haben, steht das System Sparkasse vor dem Kollaps. Weil es neun Probleme gibt, auf die die deutschen Sparkassen bislang keine Antwort gefunden haben.

Niedrige Zinsen, weniger Gewinn

Seit 2009 sank der Zinsüberschuss der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe um elf Prozent auf 32 Milliarden Euro. Grund ist, dass die Zinsen auf einem historischen Tief angelangt sind und dass immer weniger Menschen einen Kredit bei der Sparkasse aufnehmen. Zum Zeitpunkt der Bankenkrise 2008 vergab etwa das Institut in Dinslaken noch Kredite in Höhe von 3,4 Milliarden Euro. Fünf Jahre später war es weniger als die Hälfte. Das Kerngeschäft der Sparkassen ist damit rückläufig.

Nicht krisenfest

Jede Bank muss für schwierige Zeiten Rücklagen bilden, die nicht abhängig sind vom Tagesgeschäft oder den Launen der Märkte. Banken müssen ihre Finanzierung aus eigenen Mitteln, ihr Eigenkapital, erhöhen. Wenn eine Bank genügend Eigenkapital hat, können unerwartete Verluste durch die Eigentümer der Bank getragen werden, und der Steuerzahler muss nicht wie im Falle etwa der Hypo Real Estate einspringen.

      

Zinsüberschuss der Sparkassen-Finanzgruppe © CORRECT!V Vergrößern

Der Basler Ausschuss für Bankenregulierung hat unter dem Namen Basel III geregelt, dass Banken mehr Kapital für ihre Risiken zurücklegen müssen. Bis 2019 müssen die Banken ihr Eigenkapital schrittweise erhöhen. Die genauen Regeln sind sehr komplex. Eine einfache Vergleichsmöglichkeit ist zu ermitteln, wie viel Eigenkapital die Bilanz enthält, das heißt, wie hoch die Eigenkapitalquote ist.

Deutschlands drei größte Privatbanken hatten im Jahr 2014 bilanziell Eigenkapitalquoten von 4 Prozent (Deutsche Bank), 4,8 Prozent (Commerzbank) und 5,9 Prozent (Unicredit). Die sogenannten harten Kernkapitalquoten betrugen 11,7 bzw. 10,4 Prozent für die Unicredit.

Die Stadtsparkasse Oberhausen kam auf eine bilanzielle Eigenkapitalquote von 4,6 Prozent, die Ostsächsische Sparkasse Dresden auf 3,4 und die Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze auf 3,2 Prozent, Die sogenannten harten Kernkapitalquoten lagen für die beiden ersten bei 5,1 und für die Verbandssparkasse bei 7,1 Prozent.

Die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe hat bisher noch keinen Jahres- und Offenlegungsbericht für 2014 veröffentlicht. 2013 lag die Eigenkapitalquote bei 5,4 und die harte Kernkapitalquote bei 2 Prozent.

Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen setzen wie die große Banken hauptsächlich auf fremdes Kapital, was immer Risiken ausgesetzt ist. Sie sehen Basel III als Angriff auf das System der lokalen Kleinbanken. Sie wollen nicht die gleichen Regeln erfüllen, wie es Deutsche Bank oder HSBC tun müssen. So schimpfen Vorstände und Politiker wahlweise auf „Amerikaner“, „Briten“ oder „Finnen“, die selber keine öffentlichen Banken haben und deswegen den deutschen Sparkassen das Leben schwer machen würden.

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Martin Hellwig, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, sieht das anders. „Ich sehe keinen akzeptablen Grund, Sparkassen anders zu regulieren als Großbanken. Auch das gewöhnliche Kreditgeschäft ist riskant.” Es sei richtig, Eigenkapital der Banken staatlich zu kontrollieren. Hellwig: „Die Risiken betreffen uns alle - und können uns teuer zu stehen kommen.”

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