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Veröffentlicht: 04.11.2015, 14:22 Uhr

Sparkassen-Check Ruin einer Sparkasse

Die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe ist angeschlagen. Jeder zehnte Kredit ist ausfallgefährdet. Nicht zuletzt, weil viel zu viel Geld vergeudet wurde. Dafür sind die Konditionen schlecht. Ein Drama in zwei Teilen.

von Jonathan Sachse
© Jonathan Sachse Sparkassengebäude in Dinslaken: Schon fesch

Jürgen Stackebrandt hat sein ganzes Berufsleben bei der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe am Niederrhein, im Norden von Duisburg, verbracht. Einst machte er dort eine Lehre als Bankkaufmann, später wurde er in den Vorstand berufen, den er zwei Jahre lang leitete. Sein Gehalt war zuletzt fürstlich. 2013 kassierte er insgesamt 326.600 Euro. Zum Vergleich: Die Bundeskanzlerin bekommt rund ein Drittel weniger.

Im Jahr darauf ging Stackebrandt in Rente. Üblich wäre eine Pension von 55 Prozent der letzten Bezüge gewesen. Stackebrandt aber wollte 65 Prozent. Für den Aufschlag nötig war eine Mehrheit im Verwaltungsrat der Sparkasse. Die bekam Stackebrandt, der nun knapp 18.000 Euro monatlich bekommt. Allein dieser Zuschlag von zehn 10 Prozent wird die Sparkasse in den kommenden 20 Jahren mehr als eine halbe Million Euro kosten.

Das Pikante an der Sache ist die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. In diesem sitzen Lokalpolitiker aus den drei Städten Dinslaken, Voerde und Hünxe. Voerde ist auf Jahre hinaus in einem Haushaltssicherungskonzept gefangen und muss jeden Cent sechsmal umdrehen. Dinslaken musste zuletzt mehrfach die Steuern erhöhen, weil der Stadt dasselbe Schicksal droht.

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Aber auch die Pension des zweiten Vorstandsmitglieds, Ulrich Schneidewind, erhöhte der Verwaltungsrat auf den Spitzensatz von 65 Prozent des Grundgehalts. Die hohe Betriebsrente für Schneidewind wird nur deswegen nicht fällig, weil dieser Ende 2011 in den Vorstand der Sparkasse Duisburg wechselte.

Mehr als ein Jahrzehnt lang leiteten Stackebrandt und Schneidewind gemeinsam die Geschäfte der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe und waren zufrieden mit den Geschäften, wie Stackebrandt noch 2014 schrieb.

Ein Neubau mit viel Platz

Diese Meinung dürften nicht alle teilen. Denn tatsächlich geriet die Sparkasse unter der Ägide Stackebrandt-Schneidewind in zunehmende Schieflage. Mehr als 13 Millionen Euro Verlust machte sie 2014, dem Jahr, in dem sich Stackebrandt in den goldenen Ruhestand verabschiedete.

Heute sind tausende Kredite der Sparkasse mit einem Volumen von insgesamt rund 150 Millionen Euro notleidend. Rund jeder zehnte Privat- oder Unternehmenskredit ist also faul und droht zu platzen. Eine Katastrophe für ein Kreditinstitut.

Seit 1997 bis zu seinem Ausscheiden habe Schneidewind schwerpunktmäßig das Privatkundengeschäft der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe betreut, schreibt er CORRECT!V auf Anfrage, ob er eine Mitverantwortung für die Kreditprobleme trage. ”Das Firmenkundengeschäft wurde seit 2001 ausschließlich vom Vorstandsmitglied und dem stellvertretenden Vorstandsmitglied direkt verantwortet.“ Mit dieser Äußerung rückt er seinen ehemaligen Vorstandskollegen Stackebrandt in den Fokus. Dieser antwortet auf die gleiche Anfrage: „Bereits schon seit einem Jahr befinde ich mich im Ruhestand und bin somit nicht mehr berechtigt, mich zu Fragen über die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe zu äußern.“

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Deutlicher fällt die Antwort der Sparkasse selbst aus, mittlerweile mit einem neuen Chef an der Spitze. Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden Rolf Wagner habe die Sparkasse „in der Vergangenheit eine expansive Kreditpolitik verfolgt, die – im Nachhinein betrachtet – deutliche Auswirkungen auf die Risikolage der Sparkasse mit sich brachte.“

Die hohe Anzahl der notleidenden Kredite ist nicht nur für die Sparkasse, sondern auch für die Gemeinden Dinslaken, Voerde und Hünxe eine Katastrophe. Denn sie sind Träger der Sparkasse und haften in diesem Fall mit Steuergeldern für Verluste.

Anteil fauler Kredite in der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe 2 © Jonathan Sachse Vergrößern Schon 2011 war die Quote der faulen Kredite hoch. Doch sie stiegen weiter an.

Wer den pompösen Neubau der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse in Dinslaken, unweit des Bahnhofs betritt, hat viel Raum zum Atmen. Es sind aber hauptsächlich die Angestellten, die den Sauerstoff nutzen. Warteschlangen gibt es hier nicht. Die Mitarbeiter laufen dem Kunden gleich entgegen, nähert man sich einem der sieben Beratungsschalter. An zwei weiteren Schaltern erhält man ausschließlich Bargeld.

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