05.09.2007 · Nicht einmal zwei Jahre nach dem ersten Erscheinen dümpelt eine Vielzahl von Alpha-Zertifikaten im Minus, und die Anleger wenden sich enttäuscht ab. Was das Alpha nicht schafft, soll das Beta nun retten.
Sie galten als neuer Trend, als Renditebringer in jeder Marktlage: Alpha-Zertifikate. Doch nicht einmal zwei Jahre nach ihrem ersten Erscheinen dümpelt eine Vielzahl der Papiere im Minus, und die Anleger wenden sich enttäuscht ab. Die Zertifikate-Industrie versucht nun mit neuen Varianten die Anleger bei der Stange zu halten.
Die Idee der Alpha-Produkte ist meist einfach und einleuchtend. Es treten zwei Indizes gegeneinander an - zum Beispiel der europäische Dividendenindex und der Deutsche Aktienindex Dax. Die Rendite des Anlegers ergibt sich aus der Differenz der Wertentwicklung. Steigt der Dividendenindex stärker als der Dax, so ist die Differenz die Rendite des Anlegers. Entwickeln sich beide Indizes gleich, ist die Rendite null, und steigt der Dax sogar schneller, wird der Ertrag des Anlegers negativ.
Der Dax verhagelt die Rendite
Die meisten Alpha-Zertifikate haben auf diese Dividendenstrategie gesetzt. Sie haben einen Dividendenauswahlindex genommen, zum Beispiel den Euro Stoxx Select Div 30, in dem besonders dividendenstarke europäische Aktien enthalten sind. Über mehrere Jahre hinweg ist dieser Index besser gelaufen als der Euro Stoxx oder der Dax. Es schien deshalb plausibel, dass mit Alpha-Zertifkaten, die auf eine überdurchschnittliche Entwicklung der Dividendentitel setzten, eine gute Rendite erzielt werden könnte. Zumal diese unabhängig von der Marktverfassung ist: Wenn der Euro Stoxx um 40 Prozent fällt und der Dividendenindex nur um 30 Prozent, hätte der Anleger trotz eines schwachen Marktumfeldes eine positive Rendite von 10 Prozent erzielt.
Alpha-Zertifikate mit enttäuschender Rendite
Das Problem der Produkte ist nun jedoch, dass die Dividendentitel seit dem Frühjahr schlechter laufen als der Markt insgesamt. Gerade der Dax entwickelt sich viel besser als die meisten anderen Indizes - und verhagelt die Rendite der meisten Alpha-Zertifikate. „Der heftige Kursrutsch in den vergangenen Wochen hat das Anlegerinteresse zusätzlich in eine andere Richtung verschoben“, sagt Dieter Lendle, Vorstand des Deutschen Derivate Instituts (DDI). „Die Alpha-Produkte liefen in der ruhigen Marktphase sehr gut. Jetzt ist der Fokus eher auf Basiswerte gerichtet, die in der Korrektur stark gelitten haben.“
Papier liegt momentan klar im Minus
Die Zertifikate-Branche versucht mit Modifikationen die Alpha-Zertifikate interessant zu halten. Neue Produkte kommen hingegen sehr viel seltener an den Markt als noch in der ersten Jahreshälfte. So gibt es die Express-Variante. Hier wird rund ein Jahr nach der Auflegung des Zertifikats geprüft, ob der Index, der besser laufen sollte - zum Beispiel der europäische Dividendenindex - tatsächlich besser gelaufen ist als der Vergleichsindex, zum Beispiel der Dax. Ist er dies, bekommt der Anleger den Nennwert von meist 100 Euro zuzüglich einer Prämie zurück. Falls nicht, wird ein Jahr später wieder geprüft. Das geht bis zum Ende der Laufzeit von meist 3 bis 5 Jahren so.
Ist der Dividendenindex dann immer noch nicht besser, erhält der Anleger nur den Nennwert. Viele Zertifikate garantieren dies aber nur bis zu einem bestimmten Niveau. Im schlimmsten Fall kann es also passieren, dass bei unterschreiten einer Sicherheitsschwelle der Anleger nicht einmal mehr die 100 Euro erhält, sondern die schlechtere Wertentwicklung des Dividendenindex voll tragen muss. Ein typisches Produkt dieser Art ist das in der Grafik dargestellte Favorit-Best-Express-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank. Da sich der Dax zuletzt deutlich besser entwickelt hat als der europäische Dividendenindex, liegt das Papier momentan klar im Minus.
Ein weiterer Sicherheitspuffer
Eine andere Variante sind Alpha-Beta-Strategien. Steigt zum Beispiel der Dividendenindex um 10 Prozent, der Euro Stoxx jedoch um 30 Prozent, muss der Anleger nicht das Minus von 20 Prozent verkraften, dass er bei der reinen Alpha-Strategie auf den Dividendenindex hätte. Er bekommt hier die Wertentwicklung des Dividendenindex, also plus 10 Prozent, ausgezahlt. Das bringt dem Anleger einen weiteren Sicherheitspuffer, doch auch diese Strategie hängt vom Erfolg des Alpha - also der Wertentwicklung des Dividendenindex - ab. Ein solches Produkt ist das in der Grafik dargestellte UBS-Alpha-Outperformance-Zertifikat. Auch hier wird die Kursentwicklung durch die schlechtere Wertentwicklung des Dividendenindex getrübt.
Richtige Freude wird der Anleger mit den Alpha-Produkten daher nur haben, wenn sein Alpha - also der Index oder die Aktie, die besser laufen soll als der Vergleichswert - wirklich funktioniert. Nur wenn er nachhaltiges Vertrauen in eine langfristig überdurchschnittliche Wertentwicklung des Alpha hat, lohnt auch ein Kauf des entsprechenden Alpha-Zertifikats.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |