Sah die Wirtschaftslage in Asien schon vor den Attentaten in den USA alles andere als rosig aus, so hat sich das Bild danach noch verschlechtert. Insbesondere mit Japan schlittert die größte Volkswirtschaft der Region offensichtlich immer tiefer in eine Krise.
In ihrer jüngsten Schätzung erwarten die Experten von Salomon Smith Barney einen Rückgang des durchschnittlichen Gewinns pro Aktie von 21 Prozent in den USA, sechs Prozent in Europa - aber um satte 53 Prozent in Japan. Die Pazifikregion ohne Japan dagegen zeigt nach ihren Einschätzungen einen kleinen Gewinnzuwachs.
Japan fällt als Motor aus
Die Grundtendenz der Entwicklung dürfte vom Wachstum der Weltwirtschaft bestimmt werden, insbesondere dem in den USA. So gehen 40 Prozent aller japanischen Exporte in die USA. Gibt es dort keinen Aufschwung, hat Japan als Motor der Region keine Chance, aus dem Schlamassel heraus zu kommen. „In Japan sehen wir keine Rezession, sondern eine Depression“, formuliert Kazuhiko Ogata von HSBC Securities seine Einschätzung. Die Attentate und die Gegenschläge führen zu Verunsicherung und dramatisieren die Lage zusätzlich. „Bricht neben dem Export auch noch der heimische Konsum weg, wäre die Abwärtsspirale kaum aufzuhalten“, sagen Experten.
Außerhalb Japans setzen die Analysten der Deutschen Bank vor allem auf China und Indien. Beide Staaten seien überwiegend binnenmarktorientiert und nicht so technologielastig wie etwa Taiwan, Singapur, Malaysia oder auch Hong Kong. Auf Grund schwacher Exporte wären dort negative Wachstumsraten zu erwarten, bis sich die amerikanische Wirtschaft erholt. Korea, Thailand, die Philippinen und Indonesien sollten leicht wachsen, während Indien und China in 2001 und 2002 sogar ihre starken Wachstumsraten beibehalten könnten.
Politische Risiken berücksichtigen
Asienstratege Han Ong von Salomon gewichtet neben dem wirtschaftlichen den politischen Aspekt stark. Kurzfristig rechnet er damit, dass die Luftschläge der USA zu Protesten in muslimisch geprägten Staaten führen könnten. Er setzt insgesamt auf Aktien in China, Hong Kong, Thailand, Indien und Australien. Indonesien und Malaysia würde er „politisch“ meiden, Taiwan und Korea aus wirtschaftlichen Motiven. Dabei setzt er auf defensive Versorger-Aktien und Konsumwerte, während er Technologie und Telekommunikation übergehen würde. Interessante Einzelwerte der Region wären die australischen Banken, Hong Kong Electric Holdings, China Mobile, PetroChina, CNOCC und Siam in Thailand.
„Ich liebe im Moment Australien, weil es so weit weg ist von allem“, sagt Ong. Die Refinanzierungskosten sind so tief wie seit 30 Jahre nicht mehr und stimulieren das Wachstum. China hat den Vorteile eines geringen moslemischen Bevölkerungsanteils und die Wirtschaft lebt vor allem von der Binnennachfrage.
Indien als Wachstumsstory
Christopher Wood von ABN Amro steht auf Indien und lässt sich nicht von der Nähe zu Afghanistan abschrecken. Interessant sind nach seiner Einschätzung Hero Honda, der größte Motorradhersteller des Landes, und Housing and Development Finance, die größte Hypothekenbank. Pharmawerte, Konsumgüterwerte und Banken seien auch günstig. Zum Beispiel ITC, Nestle India und Dr. Reddy's Labaratories. Vorsichtig wäre er mit Softwarewerten wie Infosys und Satyam, dort sei der Ausverkauf noch nicht abgeschlossen. Gesamtwirtschaftlich erwartet er 2001 ein Wachstum von 4,5 Prozent. Langfristig seien aber mehr Reformen dringend notwendig.
