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Schwellenländer BRIC - eine Erfolgsgeschichte

 ·  Vor zehn Jahren wurde für Brasilien, Russland, Indien und China das Kürzel BRIC erfunden. Wer darauf gesetzt hat, konnte seinen Einsatz verfünffachen.

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Die Erfolgsgeschichte ging ganz unspektakulär los. Jim O'Neill, der damalige Chefvolkswirt von Goldman Sachs, schrieb Ende 2001 eine Studie über die Aussichten der Schwellenländer. Er betonte die wachsende Bedeutung Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas und fasste das Quartett nach ihren Anfangsbuchstaben unter BRIC zusammen.

Die Idee fand anfangs wenig Aufmerksamkeit, die vier Märkte waren noch sehr exotisch. Doch als O'Neill 2003 mit einer noch umfangreicheren Studie nachlegte, wurde das Konzept aufgegriffen, die ersten BRIC-Fonds entstanden. Heute, zum zehnten Geburtstag, hat fast jeder Kleinanleger schon mal so einen Fonds angeboten bekommen. Die Länder haben einen fulminanten Aufstieg hinter sich. Heute tragen sie schon ein Viertel zur Wirtschaftsleistung auf der Welt bei und gehören zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt.

Ihr Aufstieg war noch beeindruckender als 2001 erwartet. Damals waren noch die Asienkrise und die Russlandkrise in frischer Erinnerung. "Doch die Länder lernten daraus", sagt Maria Laura Lanzeni, Leiterin des Schwellenländerteams von Deutsche Bank Research. Bis zur Lehman-Pleite 2008 profitierten sie zudem von einer blühenden Weltwirtschaft. Die Regierungen erleichterten Auslandsinvestitionen. Insgesamt reduzierten die Staaten massiv ihre Verschuldung und wurden vom Schuldner zum Gläubiger. So investieren heute mächtige Staatsfonds, etwa aus China, überall in der Welt.

Mittlerweile sorgen die BRIC-Länder für Stabilität in der Weltwirtschaft: Wenn die Industrienationen taumeln, soll die Nachfrage aus den Schwellenländern Rettung bringen. In der Krise 2009 hat das schon ganz gut funktioniert. Gerade Deutschland und seine Exportfirmen erholten sich damals nur wegen der hohen Nachfrage aus Asien so schnell.

Hohe Wachstumsraten, hohes Potential

Für sein BRIC-Konzept hatte Jim O'Neill einst nicht die Schwellenländer mit den höchsten Wachstumsraten zusammengestellt. Sondern solche mit hohen Raten, aber gleichzeitig auch dem Potential, die großen westlichen Industrienationen einzuholen. Das konnten nur bevölkerungsreiche Schwellenländer sein.

Diese BRIC-Länder werden ihren Aufstieg fortsetzen. Aber andere Schwellenländer werden stärker aufholen. O'Neill fasste sie 2005 in der Gruppe der "Next 11" zusammen. Unter ihnen hat er vier besonders aussichtsreiche Staaten identifiziert: Indonesien, Mexiko, Türkei und mit etwas Abstand Südkorea. Die vier BRIC-Länder und ihre Staatschefs adelten hingegen Südafrika, indem sie auf einem Treffen auch ihren afrikanischen Kollegen mit einluden. Banken machten daraus später die BRICS-Gruppe.

China schreitet voran

BRICS hat bisher keine große Begeisterung geweckt. Viele Ökonomen bezweifeln auch, dass Südafrika ähnliche Entwicklungschancen bietet wie die bisherigen vier BRIC-Staaten.

Innerhalb des Quartetts schreitet China voran. Es wurde zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt und ist jetzt schon doppelt so groß wie Deutschland. Voraussichtlich um das Jahr 2027 wird es die Vereinigten Staaten als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen.

Doch die eigentliche Überraschung ist Brasilien. O'Neill wurde 2001 dafür belächelt, dass er gerade das sehr schwach aufgestellte Brasilien mit in die BRIC-Familie aufnahm. Doch es wurde zum größten Erfolg. An der Börse hängte es China locker ab. Denn Brasilien schafften es, einen wirtschaftsfreundlichen Gesetzesrahmen zu schaffen.

Die höchsten Wachstumsraten hatte immer China. An der Börse hinkte das Land aber hinterher. Das zeigt: Die erfolgreichste Volkswirtschaft muss noch lange nicht die höchsten Kursgewinne am Aktienmarkt hervorbringen. Wirtschaftswachstum bringt nicht immer hohe Unternehmensgewinne, zum Beispiel wenn die Unternehmen schlecht geführt werden.

Mexiko als größter Favoriten für die nächsten Jahre

Und vor allem: die Erwartungen können vielleicht schon sehr hoch sein und damit die Chance auf Überraschungen und überdurchschnittliche Kursgewinne verringern. Das war bei China der Fall. Vor zehn Jahren glaubten alle, dass China erfolgreich sein würde. Die Aktienkurse spiegelten das schon wider. Als es so kam, war die Überraschung weniger groß als bei Brasilien. Auf die Südamerikaner hatte 2001 kaum einer gesetzt.

So halten es auch heute wieder viele Fachleute für sehr riskant, dass O'Neill Mexiko zum größten Favoriten für die nächsten Jahre erklärt. China haben etliche Experten ebenfalls nicht mehr auf der Liste, weil dessen Wachstumsraten sinken. Beide Länder könnten jetzt also die Investoren überraschen. Nur eine Gefahr kann den Aufstieg stoppen: das Ende der Globalisierung und weitreichender Protektionismus der westlichen Industrienationen. Derzeit scheint diese Sorge aber unberechtigt.

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14.01.2012, 19:21 Uhr

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