19.04.2007 · Mit alarmierenden Anzeichen einer überhitzten Wirtschaft hat China für Nervosität an den Aktienmärkten gesorgt. Ein neuer Kursrutsch verdüstert die Stimmung. Fondsmanager sind vorsichtiger geworden.
Mit alarmierenden Anzeichen einer überhitzten Wirtschaft hat China am Donnerstag für Nervosität an den Aktienmärkten gesorgt. Mit 11,1 Prozent beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal weiter. Zudem stieg die Teuerungsrate mit 3,3 Prozent erstmals seit zwei Jahren wieder über die Marke von 3 Prozent.
"Die Anleger fürchten, dass China beim Wachstum stärker auf die Bremse treten muss", kommentierte ein Händler das Geschehen. "Damit könnte neben der amerikanischen Wirtschaft noch eine weitere Lokomotive für die Weltkonjunktur ins Stocken kommen." Der Leitindex an der Börse Shenzhen gab bis zum Handelsschluss um 4,9 Prozent nach und verdüsterte auch an den anderen Handelsplätzen der Welt die Stimmung.
Erinnerungen an den jünsten Kurseinbruch in China
Zeitweise wurden Erinnerungen an den 27. Februar wach, als ein Kurseinbruch in China auf die anderen Börsen dieser Welt überschwappte und zum Auslöser einer kräftigen Korrekturbewegung wurde. So fiel der Deutsche Aktienindex Dax in der ersten Handelsstunde kurzzeitig um knapp 2 Prozent. Im weiteren Handelsverlauf setzte sich jedoch die Meinung durch, dass der Schock diesmal besser verdaut werden sollte und die Vorgänge in China keine Panikverkäufe auslösen dürften. Ein Teil der anfänglichen Verluste wurde daraufhin wieder aufgeholt. Im späten Handel lag der Dax nur noch 0,6 Prozent im Minus und bewegte sich damit im europäischen Trend. Die Wall Street eröffnete knapp behauptet.
Die Nervosität, die die Überhitzungserscheinungen in der chinesischen Wirtschaft und auf dem dortigen Aktienmarkt mit sich bringen, schlagen sich zunehmend im Anlageverhalten großer Investoren nieder. Besonders deutlich wird dies in den Portfolios von Fondsmanagern, die sich dem sogenannten Bric-Anlagekonzept verschrieben haben. Dieses Konzept basiert auf der Annahme, dass im Jahr 2035 das Bruttoinlandsprodukt der vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China zusammen über dem Bruttoinlandsprodukt der heutigen sechs größten Industriestaaten liegen wird. Das wirtschaftliche Potential dieser Länder - aus deren Anfangsbuchstaben sich das Kunstwort Bric zusammensetzt - scheint somit besonders aussichtsreich, was sich langfristig an den Aktienmärkten niederschlagen sollte. Unter den Bric-Fondsmanagern standen chinesische Aktien lange Zeit besonders in der Gunst. Sie rechtfertigten diese Favoritenstellung im vergangenen Jahr, als im Zuge der Marktkorrektur im Mai und Juni die Aktienmärkte in Brasilien, Russland und Indien kräftig verloren hatten. China dagegen fand ziemlich rasch wieder in die Erfolgsspur zurück und brachte Stabilität in die Bric-Portfolios.
„In den spekulativen Sektoren haben wir die Reißleine gezogen“
In den vergangenen Wochen hat sich das Bild jedoch deutlich gewandelt. So war China inklusive Hongkong im DWS Bric Plus - mit einem verwalteten Vermögen von knapp 3 Milliarden Euro einer der größten Schwellenmärktefonds auf dem Markt - zuletzt nur noch mit 16 Prozent gewichtet. Noch im Januar betrug der Anteil im Portfolio 27 Prozent. "In den spekulativen Sektoren haben wir rechtzeitig die Reißleine gezogen", blickt Fondsmanager Thomas Gerhardt zurück. Vor allem von Finanztiteln habe man sich getrennt, weil deren Bewertungsniveaus nicht mehr gerechtfertigt waren. Er warnt aber davor, den chinesischen Aktienmarkt generell über einen Kamm zu scheren. Die Übertreibungen fänden in einzelnen Marktsegmenten statt, wie etwa bei den sogenannte A-Aktien, die den einheimischen Anlegern vorbehalten sind. Daneben seien aber immer noch günstig bewertete Einzeltitel zu finden.
Das Fondsmanagement des HSBC Bric Freestyle - mit einem Fondsvolumen von gut 2 Milliarden Euro ebenfalls eine Größe unter den Bric-Fonds - hat in den vergangenen Monaten ähnlich agiert. Hier wurde der China-Anteil von 20 Prozent zum Jahreswechsel auf inzwischen 13 Prozent zurückgenommen. Die britische Fondsgesellschaft Schroders hatte China unter den Bric-Ländern schon seit dem vergangenen August von einer übergewichteten Position in eine neutrale zurückgestuft. Inzwischen sind Brasilien und Russland wieder die Favoriten. Fondsmanager Alan Ayres nahm die neuen Daten zum Wirtschaftswachstum gelassen auf: "Wir werden insgesamt neutral positioniert bleiben und günstige Gelegenheiten zum Einstieg nutzen."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |