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Turbulenzen am Finanzmarkt : Schweiz kippt den Euro-Mindestkurs

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Die Schweizer Notenbank hat Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken überraschend aufgegeben. Und die Strafzinsen für Banken verdreifacht. Die Börse in Zürich bricht ein, der Euro gibt nach.

          Die Schweizer Notenbank (SNB) hat am Donnerstag überraschend den vor mehr als drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben. Der Kurs des Schweizer Franken vollzog nach Bekanntgabe der Entscheidung ein wildes Auf und Ab. In einem unerhörten Tempo wurden Kauf- und Verkaufaufträge abgewickelt. „Es passiert nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht“, sagt dazu Chris Beauchamp, Marktanalyst bei IG Markets.

          Der Eurokurs des Franken sprang zunächst zwischen 78 Rappen und 1,20 Franken hin und her. Nach einiger Zeit verengte sich die Spanne auf 1 bis 1,20 Franken, bevor sich der Kurs auf etwas über 1 Franken einzupendeln begann. Dennoch gibt es weiter eine gewisse Aufwertungstendenz bei aktuellen Kursen zwischen 1,02 und 1,03 Franken. Dies bedeutet eine Aufwertung des Franken um knapp 15 Prozent.

          Zugleich hatte die Zentralbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent gesenkt. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschob sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

          Der Schweizer Aktienindex SMI fiel daraufhin um bis zu 10 Prozent, zuletzt lag er noch mehr als 8 Prozent im Minus. Besonders stark sackten die Kurse von Banken ab: Die Aktien der Credit Suisse waren mit mehr als Minus 15 Prozent der größte Verlierer im SMI, auch die Titel der UBS verloren mehr als 10 Prozent. Exportabhängige Unternehmen gehörten ebenfalls zu Verlierern: Die Kurse des Luxusgüterherstellers Richemont und des Uhrenherstellers Swatch fielen um rund 14 Prozent. „Die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht“, sagt Beauchamp.

          Die Nationalbank hatte den Mindestkurs seinerzeit eingeführt, weil sie durch einen starken Aufwertungsdruck auf den Franken die heimische Exportwirtschaft gefährdet sah. Diesen Mindestkurs hatte sie seitdem durch Interventionen verteidigt.

          „Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt“, erklärte die SNB am Donnerstag. „Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert.“

          Mit der Zinssenkung will die SNB nach Ansicht der VP-Bank den Effekt der Aufwertung dämpfen. Sie beuge sich dem Marktdruck, setze aber einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen sein offenbar wohl für die Währungshüter zu viel gewesen. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses sei an einzelne, nicht an permanente Interventionen gedacht worden.

          Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Die Bevölkerung zeigt gegenüber dem Aufbau hoher Euro-Fremdwährungsbestände Skepsis. Dies war ein Nebeneffekt der Verteidigung des Franken gewesen. Letztlich habe die SNB damit auch ein Legitimationsproblem gehabt.

          Rätseln um die Motive

          Nach Ansicht von Jonathan Webb, Stratege bei der Investmentbank Jefferies, gehe die SNB vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche ihre Geldpolitik lockern werde. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es dann für die SNB ziemlich schwierig geworden, den Mindestkurs aufrecht zu halten.

          „Ganz offensichtlich rechnen sie mit starken Zuflüssen und haben entschieden, dass die Kosten zu hoch sind”, sagte Geoffrey Yu, leitender Devisenstratege bei der UBS in London der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Sie gehen davon aus, dass nach einer quantitativen Lockerung zu viel Geld hineinfließt, daher brauchen sie einen Plan B.”

          Es sei fraglich, ob die Schweizer Unternehmen mit den aktuellen Kursen gegenüber dem Euro klar komme, schreibt die VP-Bank. Der Franken werde daher wohl mittelfristig wieder abwerten.

          Die Analysten der französischen Bank BNP Paribas hatten eigentlich erwartet, dass die SNB angesichts der aufgehäuften Devisenreserven lediglich die Zinsen senken werde. Die Aufwertung führe zu sinkenden Importpreisen, was auf die Inflationsrate drücken werde. Zudem werde es die Exportwirtschaft belasten, vor allem mit Blick auf den Euroraum, wohin 55 Prozent der Schweizer Exporte gingen.

          Anleger sollten am Aktienmarkt die nächsten Tage abwarten und Schweizer Aktien nicht in einem panischen Umfeld verkaufen, meint die VP-Bank. Derweil rechnet Helaba-Analyst Ulrich Wortberg damit, dass sich zwischen Euro und Franken Kurse im Bereich der Parität einstellen.

          Um 13.15 Uhr will SNB-Präsident Thomas Jordan eine Pressekonferenz abhalten.

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