12.06.2012 · Die Renditen italienischer Staatsanleihen steigen weiter. Dennoch stießen die am Mittwoch ausgegebenen Geldmarktpapiere auf gute Nachfrage. Die Lage wird unterschiedlich eingeschätzt.
Von Tobias Piller, Rom und Christian Hiller von GaertringenRichtlinien für Lesermeinungen
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Habe leider sehr schnell recht bekommen ...
Die Weiterentwicklung war auch nicht schwierig vorherzusehen. Am
10.6.2012 schrieb ich:
"Die Märkte nehmen den nächsten Wackel-Kandidaten ins
Visier - die Politik hinkt hinterher!
Es wird interessant sein, in den nächsten Tagen zu schauen, bei
welchem Land als nächstes die Zinsen für die Staatsanleihen in
die Höhe steigen werden - das Muster der Märkte ist klar.
Bereits wird es viele Investment-Banken geben, die in den letzten Tagen
Short-Positionen auf Italien- und Frankreich-Papiere aufgebaut haben und
nun die notwendigen Schritte einleiten werden, damit diese
Warrants/Options baldmöglichst in die Höhe schnellen und
abkassiert werden kann.
Kaum ist der nächste EU-Gipfel Ende Monat vorbei, wird in
Brüssel die nächste Hektik ausbrechen, wenn italienische und
vielleicht auch französische Finanzpolitiker sich über die
teure Refinanzierung ihrer Staatspapiere beklagen: "Urgente,
urgente, Euro-Bonds, per favore, subito!".
Och das weiß ich nicht. Wir hatten einen Hyundai in Irland
gemietet, nein, nicht die Marke speziell, aber wie das so geht, es gab
eben den, ein Neuwagen übrigens.
Jeden Tag fiel was anderes ab, die Sonnenblende, die Radkappen einzeln,
irgendwas war immer, und als wir den Wagen zurückgaben mit den
Teilen die wir wiederfanden in einem Karton nebenbei und erklärten
warum meinte der Autovermieter na und, ist doch bloß ein Hyundai.
Ja gut, ist sechs Jahre her, trotzdem kann ich Ihre Schwarzmalerei
bezüglich Autos anderer europäischer Länder nicht unterschreiben.
Naja, Frau Pyka, die Hyundai und Kia fuer den europaeischen Markt werden mittlerweile in der
Slowakei gebaut, in Produktionsanlagen, die der VW-Qualitaet nicht nachstehen. Marchionne haelt 70 - 80 % der Arbeitskraefte in seinen italienschen Fabrik-Museen permanent in CIG, der italienischen Form der Kurzarbeit. Wir haben eine Produktion im Industrie-Distrikt Pomezia-Aprilia, suedlich von Rom - dort sind mittlerweile 60 - 70 % der Fabriken geschlossen, Pharmazie, Flugzeugindustrie, Baubranche .... Die italienischen Gebietskoerperschaften schieben eine Welle von 70 Milliarden an ueberfaelligen Kundenzahlungen vor sich her (ueberfaellig heisst hier mehr als 300 Tage ueber Ziel) und die Banken sind alle im credit crunch, ein Mittelstaender, der jetzt schliessen muss oeffnet seinen Betrieb nie wieder. Italien ist flach.
Jeder Tag, an dem Deutschland in der Euro-Zone verbleibt, ist ein
Verbrechen am deutschen Volk. Die Geier kreisen immer offener über
Deutschland. Erst sind es die Medien, bald wird eine Mehrheit der
europäischen Führer eine Übernahme aller Schulden der
Rotwein-Zone durch Deutschland verlangen.
Schnell, Frau Merkel, zögern Sie keinen Tag länger mit der
Wiedereinführung der Deutschen Mark.
Italiens Wirtschaft bricht nicht ein!
Klar die Wettbewerbsfähigkeit vor allem in Bezug auf China macht Italien zu schaffen. Aber "Made in Italy" ist halt eben immer noch ein ganz besonderes Qualitätssiegel. Im Bereich Maschinenbau, Mode / Textilindustrie, Agrikultur, Möbel / Haushaltswaren gehört Italien seit Jahrzehnten zu den führenden Industrienationen und diese Zweige brechen auch nicht ein. Probleme der italienischen Wirtschaft sehe ich eher im hohen Haushaltsdefizit und in der mangelnden Entwicklung erneuerbarer Energien.
Diese Vorstellung hat mittlerweile dermaßen groteske Züge
angenommen, die es sich lohnt, sich jene einmal auf der Zunge zergehen
zu lassen. Europa und der Rest der Industrienationen erwartet von einem
Staat, der selber eine Verschuldung über ca. 80% des BIP aufweist
(Tendenz aufgrund von bereits erfolgten Zahlungen an die
europäische Pherephrie - und in gefühlten 2 Wochen Frankreich
- überproportional steigend) , die am stärksten alternde
Bevölkerung Europas (ergo eine eine mittelfristig ansthende Flut
von Rentenansprüchen und aller Wahrscheinlichkeit nach einer
steigenden Nachfrage nach medizinischen Dienstleistugen und Produkten,
welche v.a. öffentlich finziert werden), anderen Staaten Geld zu
geben (offiziell sind es ja immer noch "Kredite"), deswegen
selber künstlich höhere Zinsen zahlen zu müssen und dabei
trotzdem noch der Buhmann des Kontinents zu sein, wenn er nur mal
anfängt, darüber zaghaft zu murren?
Ohne Witz, damit kann nicht mal Dürrenmatt mithalten...
Dritte-Welt-Lebensstandard ante Portas
Das größte Problem Italiens ist die
Wettbewerbsfähigkeit. Italien verhält sich zu den
aufstrebenden Industriemächten, wie Fiat zu Hyundai - keine Chance.
Renault/Peugeot/Citroen zu Hyundai sieht allerdings auch nicht viel
besser aus. Hier brechen ganze Industriezweige weg. Wahrscheinlich
für immer.
Und die Chinesen sind noch gar nicht am Start. Hier zeichnet sich nicht
weniger als eine Katastrophe ab.
Italien macht voraussichtlich 1,7% neue Schulden und 2013 0,5%! Wo liegt
das Problem? Die waren doch noch nie unter 110%/BIP verschuldet.
Da mach ich mir um Frankreich mehr Sorgen!
glauben sie das bloss nicht; ISTAT ist auch nicht besser als die Griechen; in der Statistik fehlen
vollkommen die Defizite correnti der Gebietskoerperschaften, die Risiken aus Derivat-Geschaeften, unzaehlige ertragsarme Immobilien der oeffentlichen Hand sind erfolgswirksam in staatlichen Objektgesellschaften geparkt etc.; Tremonti war ein Meister der finanza creativa und die jetzigen Techniker stehen ihm nicht nach.
Eine Organspende für die Südländer?
Ein italienischer Professor hat jetzt einen offenen Brief an
Schäuble geschrieben mit dem Inhalt, ein Arzt - Deutschland -
dürfe einem Kranken - den Südländern - die erforderliche
Medizin in Form von Schuldenübernahme (Eurobonds etc. ...) nicht verwehren.
Was lernen wir daraus?
1. Der Patient hat keine Verpflichtung sich selbst um seine Gesundheit
zu kümmern, dafür sind andere da
2. Der Arzt soll seine eigenen Organe für den Kranken spenden, im
Klartext "damit der Kranke noch lange saufen kann soll der Arzt
seine Leber spenden und krepieren"
Die Situation wird auch herbeigeredet um die alternativlose Selbstbediehnung zu ermöglichen
Wenn die Zinsen steigen nachdem "gerettet" wurde, bedeutet dass doch nur, dass sich jetzt die ganzen Geier auf die frisch geöffneten Rettungsmiliarden zu ermöglichen. Oder sehe ich da etwas falsch. Zumal die Nachrichten primär aus angelsächsische Nachrichtenagenturen stammen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 12.06.2012 21:04 UhrKlar, Herr Staack
Ich bin überzeugt, dass ein Soros ,short' südliche Banken ist. Vielleicht auch die betroffenen Banken selbst. So kann man doch was ,bewegen'.
Das war ja nicht anders zu erwarten.
Und was meinen die Gesundbeter in der Regierung dazu..???.............
NICHTS !
Schnell, Frau Merkel hinfahren und noch ein paar Milliarden versenken,
diesmal in Italien.
Ich las heute - könnte in der Welt gewesen sein -, dass 70% der
Italiener vom euro enttäuscht sind und meinen, dass es vorher
besser war.
Vielleicht sagt uns ja Frau Gossmann-Walter was dazu?
Echt Herr Pellegrini,
dass m.d. Gemüse und Hühner mache ich schon. Habe ich mir v.
Ihren Landsleuten abgeguckt un l'orto e galline - e anche un l'assino
per la bellezza.
Zur Not, machen wir auf pelligrini und pilgern zu Padre Pio um e. Kerze
anzuzünden,
vielleicht hilfts. ;-)
die Kaufkraft ist mit dem Euro überall in Europa gesunken, deswegen
wer liebt eigentlich den Euro in Europa?
Ausser das er Überweisungen einfacher macht, nicht mehr auf
Tagesvaluta umzurechnen ist,
nicht mehr umwechseln braucht, hat er dem Normalbürger nicht viel
gebracht.
Ich sehe nur, wenn man in seinen Einkaufskorb schaut, ist nicht viel
drin für z.B. 40 Euro. Für 80.000 Lire gabs wesentlich mehr.
Aber das ist in Deutschland nicht anders.
Die Prämie der dt. Autoindustrie betrifft relativ wenige, und vom
Export sprich Wirtschaftswachstum i. D. sind viele der arbeitenden
Bevölkerung leider vollkommen ausgeschlossen
Kein Wunder
In Italien waren die Preise für Waren und Dienstleistungen nach der
TEuro-Einführung auch in's schon Obzöne gestiegen .
.
Wer im Jahr 2003 -2 Jahre nach der TEuro-Einführung- dort Urlaub
machte ,konnte dies hautnah miterleben.
.
Damit sind übrigens nicht irgendwleche Hotelpreise oder sonstigen
Touristen-Preise gemeint (welche ja immer höher als der reale Wert
sind),sondern alltägliche Waren und Dienstleistungen,welche der
Italiener als Einwohner zu zahlen hat(te).
.
Und diese Preiserhöhungen waren auch nie der Inflation geschuldet.
.
Aber merke : "Der TEuro ist ein Segen für ganz Europa,welches
sich sonst ohne denselben fortwährend bekriegen würde !"
Italien und Euro
Ohne Euro, gab es mehr Inflation, aber, die Gehalte stiegen mit
proportion. Mit den Euro, kaum inflation (offiziell, nicht real), aber,
die Gehalte, sind von der kaufkraft wesentlich gesunken!!!
Des wegen lieben die Italiener nicht den Euro.
Die grosse schuldt Italiens, ist das die Italienischen Regierungen
(Alle, von Prodi bis Berlusconi) haben die nidriegen Zinsen nicht genutz
den Schuldenberg wenigstens anfangen zur reduzieren.
Der grosse Paradox, ist das die meisten Deutschen den Euro nicht lieben,
obwol er der Deutschen Industrie ein riesigen vorteil zum Export
gebracht haben.
7.000 € praemie haetten die VW Mitarbeiter ohne die Waerung Euro
nie in leben bekommen!!
Falls der Euro platzt, es rette wer kann, zum glueck habe ich 70 qm
Garten, da baue ich schon Gemuese an, und, falls es so weiter geht,
werde ich auch Huener zuechten!!!
Nein, diese Eindruck habe ich nicht,
der Italiener ist eher mit Montis Sparprogramm, vorab auch eines von
Berlusconi, derart malträtiert, ausgenommen natürlich die sehr
Wohlhabenden, Politiker und Mafia, dass
sie schwer stöhnen. Aber gemeinsam lamentieren macht ja bekanntlich
eine schwierige Situation leichter ;-). Wenn jetzt noch mal 2 Punkte die
Mwst. heraufgesetzt werden sollte, wie angekündigt, na dann.....
An "Europa" glaubt auch d. Italiener immer weniger.
"Schnell, Frau Merkel" - darauf sollte man gar nicht
hören!
Monti und Konsorten sollten sich das mit den Eurobonds aus dem Kopf
schlagen und ihre Energie für notwendige u. machbare
Maßnahmen verwenden.
Und nicht täglich diese Volksverdummung verbreiten, Eurobonds
wären die Lösung.
Dieser Buchhaltertyp Monti geht auf Betteltour...beschämend !
Die italienischen Zumutungen verdanken wir...
alleine der Meisterdiplomatin Merkel!
Wer mantrahaft „alternativlos“ und „scheitert der
euro, scheitert Europa“ etc. benutzt, kriegt irgendwann die Retourkutsche:
.
„Darunter argumentiert der Chefredakteur Roberto Napolitano, dass
es allein in der deutschen Verantwortung liege, Europa zu retten, mit
einer allgemeinen Schuldengarantie, und einer gemeinschaftlichen
Garantie für alle Bankschulden in Europa.“
Ich nehme an, dass Napolitano – wer weiß in wessen Auftrag
er 1 Zeh ins heiße Wasser hält? - den Boden prüft.
Der Grund könnte Spanien sein:
„ISDA vermiest Anlegern den Appetit auf spanische Bonds“ (finanzenpunktnet)
Spanien fällt JETZT aus bei EFSF Zahlungen. Es bleiben nur noch die
3 großen Länder F, Dtld, Italien plus die kleinen
Niederlande, Österreich, Finnland, Lux.
Ein weiteres downgrade F liegt für mich in der Luft.
Kann + will Italien angesichts eigener Misere noch zahlen? Ich habe da
meine Zweifel.
Unerfüllbare Forderungen an andere stellen, macht eigene Umkehr leichter
Der Nationalstolz in den suedlichen Laendern macht Ueberstunden, man rueckt in Empoerung zusammen, besinnt sich eigener Wurzeln und schwinkt vehement die Nationalflagge. Und nachdem man dann so seine Unabhaengigkeit und Reife bekundet hat, dreht man sich um und erwartet von Deutschland, das ganze zu bezahlen. Teenager machen das auch so.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 12.06.2012 19:17 UhrWenn ich die Kommentare im FAZ Forum lese...
...frage ich mich wirklich in welchem Land der Nationalstolz am meisten Überstunden macht....
es ist 5 nach 12 in der Euro-Dämmerung - beenden Sie das Euro-Experiment bevor in ganz Europa brennende Barrikaden auf den Straßen errichtet werden.
Tobias Piller Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.
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