http://www.faz.net/-gv6-8x9qr

Arbeit saudischer Frauen : Die Präsidentin der Börse in Riad

Sarah Al Suhaimi leitet die saudische Börse. Bild: Privat

Sarah al Suhaimi leitet die Börse im islamisch-erzkonservativen Saudi-Arabien. Sie ist nicht die Einzige - saudische Frauen sitzen zunehmend in Vorständen von Unternehmen.

          Etwas Stolz schwingt in der Stimme von Sarah al Suhaimi, der Chefin der saudischen Börse, mit, wenn sie sagt: „In kurzer Zeit haben wir einen langen Weg zurückgelegt, allein seit dem Jahr 2001.“ Wir, das sind Saudi-Arabien und seine Frauen. Damals, im Jahr 2001, hatte Suhaimi in ihrer Geburtsstadt Riad das Studium der Betriebswirtschaftslehre mit der Bestnote abgeschlossen und bekam in der Investmentabteilung der Saudi American Bank (Samba) ihre erste Stelle.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          In ihrer Abteilung war sie die erste Frau, wiewohl Frauen bereits in anderen Abteilungen der Bank gearbeitet hatten. Bald kamen weitere Frauen hinzu. „Und wenn heute eine Stelle ausgeschrieben wird, bewerben sich gleich viele Männer und Frauen, vor allem im Finanzwesen.“ Im Bildungs- und Gesundheitswesen arbeiten saudische Frauen schon länger.

          Heute sitzen saudische Frauen aber auch in Vorständen von Unternehmen. „Das ist ein Wandel in sehr kurzer Zeit, wenn man bedenkt, dass die Schuldbildung für Mädchen erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts eingeführt worden ist.“ Und heute sind 55 Prozent der Studierenden an saudischen Universitäten Frauen.

          Zielstrebig hat sich die 1979 geborene Suhaimi in der saudischen Männerwelt nach oben gearbeitet. Bei Samba erlernte sie das Geschäft der Vermögensverwaltung. Die Investmentbank Jadwa, die 2005 gegründet wurde, warb sie 2007 ab; dort war sie schließlich für die gesamte Vermögensverwaltung und mehr als 20 Fonds verantwortlich. Die Investmentbank NCB Capital, eine Tochtergesellschaft der National Commercial Bank (NCB), warb sie 2014 ab und berief sie als erste Frau an die Spitze einer saudischen Investmentbank.

          „Familien ermutigen die Töchter, dass sie arbeiten“

          Als sie zu NBC Capital kam und gleich Vorstandsvorsitzende wurde, stellten Frauen dort bereits 23 Prozent der Beschäftigten. Bei der Muttergesellschaft NCB waren immerhin 14 Prozent der Beschäftigten Frauen, darunter seit 2013 Lama Ghazzawi als CFO. Heute gehört Suhaimi bei der Börse zu den 30 Prozent, die Frauen sind. Mentoring sei heute sehr wichtig, betont sie. Als sie ihre Karriere begonnen hatte, hatte es für die jüngere Generation nicht viele Frauen-Mentoren gegeben.

          Etwas anderes ist noch wichtiger: „Familien ermutigen die Töchter, dass sie arbeiten“, sagt Suhaimi, und sie tritt der im Westen verbreiteten Meinung entgegen, dass saudische Frauen die Zustimmung eines männlichen Vormunds benötigten, um zu arbeiten. „Ein solches Gesetz gibt es nicht.“ Zu arbeiten, das sei alleine die Entscheidung der Frau. Die Unterstützung der Familie erleichtert diesen Schritt aber, und so habe ihr Vater eine ganz wichtige Rolle gespielt.

          Er habe ihr immer wieder gesagt: „Du musst arbeiten, du musst arbeiten.“ 2001 sei das aber noch nicht sehr populär gewesen. Denn Frauen sollten heiraten und Kinder gebären. Die ledige Suhaimi hat sich indessen für Karriere entschieden. Nicht nur in Saudi-Arabien, in der ganzen Welt gebe es diesen Konflikt, Familie oder Karriere, sagte sie. Sie bewundere die Frauen, die beides meistern.

          Was immer eine Frau wähle, das sei das Richtige für sie, so Suhaimi. Eine generell gültige Antwort gebe es nicht. In ihrer Karriere haben sie immer wieder Männer unterstützt, neben ihrem Vater über alle Jahre auch Vorgesetzte und Kollegen, auch Frauen. Als sie bei Jadwa tätig war, stellte sie für die Forschungsabteilung Frauen ein, und überrascht stellte sie fest, dass die Unternehmen, die diese besuchten, sie gut aufgenommen haben.

          Die Herausforderung ist, der Verantwortung gerecht zu werden

          Nie hat Suhaimi längere Zeit außerhalb Saudi-Arabiens gelebt. 2015 wurde sie dennoch zu den Harvard University Alumni aufgenommen – was zeigt, dass das saudische Bildungssystem wohl besser ist, als viele erwarten. Heute leitet sie als Präsidentin die Börse Riad, die größer ist als alle anderen Börsen auf der Arabischen Halbinsel zusammen, und steht weiter als Vorstandsvorsitzende an der Spitze von NCB Capital. Dort, wie auch bei allen anderen saudischen Banken, arbeiten in Großraumbüros Frauen und Männer genauso selbstverständlich nebeneinander wie in internationalen Finanzinstituten.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Geehrt und gesegnet fühle sie sich, dass sie die Gelegenheit bekommen habe, zu zeigen, was sie könne, sagt sie mit großer Zurückhaltung. Die Herausforderung sei, der Verantwortung gerecht zu werden – Geld zu verwalten, ein Unternehmen zu führen. „Da kommt es nicht darauf an, ob man eine Frau ist oder ein Mann.“ Saudi-Arabien und seine Frauen haben einen langen Weg zurückgelegt, seit den sechziger Jahren und dann noch einmal seit 2001. „Es gibt aber weitere Herausforderungen“, sagt Suhaimi. Alles werde nach saudischem Tempo geschehen. Doch das ist nicht mehr so langsam, wie es einmal war.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt Video-Seite öffnen

          „Paradise Papers“ : Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt

          Nach den „Panama Papers“ sind neue Datensätze zu Steuerenthüllungen veröffentlicht worden. In den knapp 13 Millionen Dokumenten werden auch das englische Königshaus, hochrangige Politiker und Banken genannt. Sie alle sollen Geld in Steueroasen angelegt haben.

          Topmeldungen

          Sondierung gescheitert : Liberale brechen Jamaika-Verhandlungen ab

          Die Verhandlungen von CDU, CSU, FDP und Grünen über ein Jamaika-Bündnis sind gescheitert. Die Liberalen ziehen sich aus den Gesprächen zurück. „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, sagt FDP-Chef Christian Lindner.
          Flüchtlingskrise: Gabriel besucht das Lager Kutupalong, in dem aus Burma vertriebene Rohingya leben.

          Gabriel in Bangladesch : Der Albtraum von Kutupalong

          Sigmar Gabriel besucht ein Lager der Rohingya im Süden von Bangladesch. Die Bedingungen hier sind katastrophal, doch es werden noch mehr Flüchtlinge erwartet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.