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Rohstoffhandel : Putin und Erdogan im Goldrausch

Auf goldene Zeiten: Putin und Erdogan investieren in das Edelmetall. Bild: AP

Die Notenbanken Russlands und der Türkei haben allein seit dem Sommer fast 100 Tonnen Gold gekauft. Der Anteil von Euro und Dollar geht zurück. Was verbirgt sich hinter der Strategie?

          Russland und die Türkei waren in den vergangenen drei Monaten die größten Goldkäufer unter den Staaten der Welt. Während Russland mit Goldkäufen von 63 Tonnen im Wert von rund 2,6 Milliarden Dollar mit Abstand auf Platz eins landete, folgte die Türkei mit 30 Tonnen auf Platz zwei, bevor lange nichts kam und dann Kasachstan mit 10 Tonnen auf Platz drei. In Deutschland verkaufte die Bundesbank in diesem Zeitraum 0,4 Tonnen – und zwar an das Finanzministerium für die Herstellung von Goldmünzen. Das geht aus dem Quartalsbericht des Branchenverbands World Gold Council hervor, der sich unter anderem auf Erhebungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) stützt.

          Die Notenbanken in Russland und der Türkei selbst haben ihre Goldkäufe als Teil einer „Diversifizierungsstrategie“ kommentiert. Beobachter äußerten aber die Einschätzung, die Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan wollten ihre Währungsreserven weniger abhängiger von den Vereinigten Staaten und den Staaten der Eurozone machen, um in möglichen Krisen weniger angreifbar zu sein. Eine Befürchtung seien dabei immer „Währungsmanipulationen“, heißt es. Insbesondere vom Dollar will Russland sich seit längerem etwas lösen, an den Finanzmärkten ist von einer Strategie der „De-Dollarisierung“ die Rede.

          Türkei stockt Vorräte auf

          Russland selbst weist seine Währungsreserven monatlich öffentlich aus. Demnach ist der Gesamtwert seiner Goldvorräte innerhalb weniger Jahre von 10,9 Milliarden auf 73,7 Milliarden Dollar gestiegen. Im Gegenzug seien die Fremdwährungsreserven von 436 auf 341 Milliarden Dollar gesunken. Russland kommt laut World Gold Council mittlerweile auf einen Goldschatz von 1778,9 Tonnen und steht damit in der Weltrangliste auf Platz sieben – hinter Amerika (8133,5 Tonnen), Deutschland (3373,7 Tonnen), dem Internationalen Währungsfonds (2814 Tonnen), Italien (2451,8 Tonnen), Frankreich (2435,9 Tonnen) und China (1842,6 Tonnen). Wenn Russland sein enormes Tempo der Goldkäufe beibehalte und weiter mehr als 100 Tonnen im halben Jahr kaufe, werde es China schon bald überholen, heißt es. Russland habe schon mehr Gold als die Schweiz, die ihre Vorräte seit der Jahrtausendwende von mehr als 2500 Tonnen auf 1040 Tonnen reduziert hat. Je Einwohner soll die Schweiz aber nach wie vor am meisten Gold von allen haben.

          Bild: F.A.Z.

          Die Türkei weist in ihren Berichten über die Währungsreserven zuletzt Gold im Wert von 20,4 Milliarden Dollar aus. Im Dezember vergangenen Jahres waren es noch Bestände im Wert von 14,1 Milliarden Dollar gewesen. Im Gegenzug sanken die ausgewiesenen Reserven in Fremdwährungen von 90,6 Milliarden leicht auf 89,9 Milliarden Dollar. Im Ranking der größten Goldschätze der Welt steht die Türkei laut World Gold Council mit 495,6 Tonnen mittlerweile auf Platz 13.

          Russlands Interesse an Gold erreicht neues Niveau

          Russlands Interesse an Gold sei zwar alt, schreibt der Verband, es habe in den vergangenen zehn Jahren aber ein neues Niveau erreicht. In dieser Zeit habe die Notenbank ihren Reserven rund 1250 Tonnen Gold hinzugefügt. Allein 2016 habe sie 201 Tonnen gekauft, erheblich mehr als irgendein anderes Land der Welt. Die People’s Bank of China, die in dem Zeitraum auf Platz zwei stand, habe ihren Reserven 80 Tonnen Gold hinzugefügt, währen die Nationalbank von Kasachstan auf Platz drei rund 36 Tonnen gekauft habe.

          Russland muss seine Reserven dabei allerdings nicht unbedingt am Weltmarkt zu Weltmarktpreisen aufstocken. Das Land ist selbst ein wichtiger Gold-Förderer, laut World Gold Council sogar die Nummer drei auf der Welt hinter China und Australien, und die Notenbank kauft oft über Geschäftsbanken von heimischen Minen-Unternehmen. Seit 1995 hat das Land seine Goldförderung ungefähr verdoppelt. Allein in den vergangenen zehn Jahren habe Russland mehr als 2000 Tonnen Gold gefördert, berichtet Tatiana Fic, Direktorin beim World Gold Council, und für dieses Jahr werde mit einer Förderung von mehr als 300 Tonnen gerechnet. Bis zum Jahr 2030 könnte die Förderung dann sogar auf 400 Tonnen im Jahr steigen, schätzt Sergey Kashuba von der Union der russischen Goldproduzenten.

          Eine Rolle bei diesem Goldboom spielt offenbar, dass früher staatlich kontrollierte Goldminen privatisiert worden sind und es eine Fusions- und Übernahmewelle gab. Mittlerweile fördern allein die fünf größten russischen Minen-Unternehmen – Polyus, Polymetall, Kinross, Petropavlovsk und Nordgold – mehr als 120 Tonnen im Jahr, also einen erheblichen Teil der russischen Gesamtförderung. Anders als private Anleger können die Regierung, die Bank of Russia und Geschäftsbanken dabei Gold im eigenen Land kaufen, ohne die relativ hohe Umsatzsteuer von 18 Prozent entrichten zu müssen.

          Quelle: F.A.Z.

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