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Rußland-Aktienfonds Die Yukos-Affäre ist verdaut

13.09.2005 ·  Russische Aktienkurse bewegen sich auf ungeahnten Höhen. Der Wertzuwachs in diesem Jahr liegt bei bis zu 49 Prozent. Durch den Reichtum an Rohstoffen profitiert Rußland von der derzeitigen Entwicklung der Ölpreise.

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Eine rasante Aufwärtsbewegung in den Sommermonaten hat der Börse Moskau zu einer weltweiten Ausnahmestellung verholfen. Seit Anfang Juli legte der Leitindex RTS auf Dollarbasis um knapp 30 Prozent zu und bewegt sich derzeit um sein vor einer Woche markiertes Allzeithoch bei 910 Punkten. Damit beträgt der Wertzuwachs des RTS seit Jahresbeginn inzwischen 47 Prozent.

Die Kurse an den Schwellenmärkten legten dagegen - gemessen am entsprechenden MSCI-Index - im Durchschnitt nur um 15 Prozent zu. „Immer mehr Anleger halten die Risikoabschläge für russische Aktien für überzogen und sehen Einstiegschancen“, kommentiert Maarten-Jan Bakkum von der Fondsgesellschaft der niederländischen Bank ABN Amro die Entwicklung. Tatsächlich waren russische Aktien im vergangenen Jahr deutlich hinter der Kursentwicklung anderer Schwellenmärkte zurückgeblieben.

Rußland profitiert von der Entwicklung

Das Vorgehen des Staates gegen den Ölkonzern Yukos und dessen Gründer Michail Chodorkowskij weckte unter Investoren Mißtrauen, die russische Regierung könne einen wirtschaftsfeindlichen Kurs einschlagen. In diesem Frühjahr lösten sich diese Bedenken jedoch in Luft auf. Spätestens zu diesem Zeitpunkt drängte der steile Anstieg der Ölpreise in den Vordergrund. Das rohstoffreiche Rußland ist ein unmittelbarer Profiteur dieser Entwicklung. Ein Barrel (159 Liter) russisches Ural-Öl kostet in diesem Jahr durchschnittlich 48,50 Dollar, 2004 waren es im Durchschnitt 34,60 Dollar.

Anlagestrategen wie Chris Weafer von der russischen Alfabank leiten daraus nicht nur eine größere Ertragskraft russischer Ölförderer ab, sondern eine Stabilisierung der Wirtschaft insgesamt. Durch die Abschläge im vergangenen Jahr habe sich mit Blick auf die Börse ein gewisser Nachholbedarf ergeben, der nun gedeckt werde. In den kommenden zwölf Monaten hat der RTS-Index aus seiner Sicht das Potential, die Marke von 1.000 Punkten zu überwinden. Unter den Standardwerten zählen Gasprom und Sberbank zu Weafers Favoriten.

Russische Aktienfonds mit hohem Wertzuwachs

Allerdings hat erst in der vergangenen Woche die Kursentwicklung den Marktakteuren in Moskau wieder vor Augen geführt, wie gefährlich es sein kann, wenn politische Risiken in Rußland ausgeblendet werden. Gerüchte machten die Runde, der Staat wolle die gesamten Einnahmen aus den Ölexporten, die über 27 Dollar je Barrel hinausgehen, einstreichen. Binnen zwei Tagen brach der RTS um 5 Prozent ein. Inzwischen wurde dieser Rückschlag schon wieder nahezu komplett aufgeholt.

Für risikofreudige Anleger hat sich in den vergangenen drei Jahren der Zugang zum russischen Aktienmarkt nicht zuletzt durch die Auflage reiner Rußland-Aktienfonds verbessert. Vorreiter in Deutschland war hierbei die Fondsgesellschaft DWS. Allerdings haben deren Wettbewerber bislang noch nicht nachgezogen und setzen weiterhin auf breit gestreute Osteuropa- beziehungsweise Schwellenmarktfonds. Aktuell führt das Fondsanalysehaus Feri Trust fünf reine Rußland-Aktienfonds in seiner Datenbank. Deren Wertzuwachs liegt in diesem Jahr zwischen 39 und 49 Prozent.

Quelle: sfu. / F.A.Z., 13.09.2005, Nr. 213 / Seite 27
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