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Rumänien Hoffen auf die richtigen Weichenstellungen

28.10.2008 ·  Großzügige Wahlkampfgeschenke könnten dafür sorgen, dass Rumänien in kürzester Zeit die Stabilisierungserfolge der vergangene Jahre verspielt. Schnallt man den Gürtel nicht enger, könnte es ein böses Ende geben.

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Die Hoffnungen, dass alles gut gehen möge, dürften für das EU-Mitglied Rumänien noch am größten sein. Die Bonität der Auslandsschulden wurde indes von der Rating-Agentur Standard & Poor's am Montag auf „BB+“ und damit wieder auf Ramsch-Niveau zurückgestuft wurde. Der Ausblick ist negativ, weitere Herabstufungen könnten also folgen.

Die Analysten tragen nach ihrem Bekunden den steigenden Risiken für de rumänische Wirtschaft Rechnung, die aus der hohen und immer noch steigenden Verschuldung des privaten Sektors und damit der wachsenden Abhängigkeit von zunehmend unsicheren externen Finanzierungskanälen resultierten.

Gehaltserhöhung für Lehrer als finanzieller Sprengsatz

So habe das private Kreditwachstum im September auf Jahresbasis immer noch bei 50,5 Prozent gelegen, erklärte die Ratingagentur. Die damit verbundene erhöhte Inlandsnachfrage habe zu höheren Löhnen und zur Ausweitung des Außenhandelsdefizits auf 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über den Anstieg der Importe geführt.

Zudem hatte die Regierung im Zuge des Wahlkampfs die Staatsausgaben weiter erhöht. So wurden die Lehrergehälter um 50 Prozent angehoben, zudem sprach sich Staatspräsident Traian Basescu für eine Lohnerhöhung im Gesundheitswesen aus. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte allein die Lohnerhöhung für Lehrer das Budget mit 0,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belasten.

Werde diese Gehaltserhöhung auf den gesamten öffentlichen Sektor ausgeweitet würde diese eine Belastung von vier Prozent bedeuten. 2009 könnte das Haushaltsdefizit auf diese Weise auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen, weit entfernt von der offiziellen Zielvorgabe von zwei Prozent.

Wahlkampf um die Finanzen

Die Regierung senkte ihre Wachstumsprognose für 2009 auf 6 von 6,5 Prozent, nach mehr als neun Prozent im laufenden Jahr gesenkt. Die Analysten von Merrill Lynch befürchten zudem in der nächsten Zeit eine Währungskrise ähnlich der Ungarns.

Immerhin zeigte die Herabstufung anscheinend Wirkung. So sprach sich Ministerpräsident Calin Tariceanu, größter Wahlkampfgegners Basescus am Dienstag für eine Dämpfung der Lohnerhöhungen im öffentlichen Sektor und ein Einfrieren der Staatsausgaben im kommenden Jahr aus. Man müsse den Gürtel enger schnallen, man befinde sich in einer schwierigen Zeit.

Das dürfte nicht zuletzt darauf zurückgehen, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) darauf drängt, dass die Gehaltserhöhung für Lehrer wieder aufgehoben wird. Mit diesem befinde man sich in einem „engen Dialog“, spreche allerdings nicht über einen Kredit wie Ungarn oder die Ukraine.

Schnäppchenkäufer schlagen zu

Die Anleihen des Landes reagierten auf die Herabstufung dennoch deutlich. Die Rendite der 2010 fälligen Anleihe mit einem Kupon von 5,75 Prozent stieg um 265 Basispunkte auf einen Rekordwert von 13,84 Prozent. Auch die Rendite der 2018 fällige Rente stieg auf ein Allzeithoch. Das lockte allerdings wieder Schnäppchenkäufer an, die für Kursaufschläge sorgten.

Insgesamt erscheinen die Risiken für Rumänien derzeit noch überschaubar, zumindest soweit es die kurzen Laufzeiten betrifft. Zwar scheint eine Kurserholung rumänischer Anleihen angesichts der aktuellen Bonitätseinstufung und des Zinsniveaus derzeit weniger wahrscheinlich. Für risikobewusste Investoren könnten sie sich jedoch mit Sicht auf das Laufzeitende lohnen.

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