Home
http://www.faz.net/-gv6-uqkj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rohstoffmarkt Ölpreis im Aufwind

21.05.2007 ·  In Deutschland sind die Benzinpreise auf Jahreshoch, in den Vereinigten Staaten ist der Treibstoff so teuer wie nie. Als Hauptgrund für den Preisschub gelten die höheren Notierungen für Rohöl sowie die angespannte Versorgungslage in Amerika.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

In Deutschland sind die Preise für Benzin auf Jahreshoch, in den Vereinigten Staaten ist der Treibstoff so teuer wie nie. Ein Grund für den Preisschub sind die höheren Notierungen für Rohöl. Vor allem aber gilt die Versorgungslage mit Benzin in den Vereinigten Staaten als angespannt - und das kurz vor dem Beginn der Reisezeit, in der der Treibstoffverbrauch im Jahresverlauf erfahrungsgemäß am höchsten ist. Das Land deckt sich nun verstärkt am Weltmarkt mit Benzin ein und treibt auch dort die Preise in die Höhe.

Die Notierungen für Nordsee-Öl der Sorte Brent haben in London die Marke von 70 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) überschritten und damit den höchsten Stand seit September 2006 erreicht. Seit Jahresbeginn errechnet sich nun ein Plus von 15 Prozent. Sein Rekordhoch hatte Brent im August 2006 mit 78,64 Dollar verzeichnet. Als Gründe für die feste Tendenz werden im Handel die ungebrochene Hausse der Benzinpreise, massive Ausfälle bei der Förderung und beim Export von Rohöl in Nigeria sowie sich offenbar neu aufbauende Spannungen zwischen Iran und den Vereinten Nationen genannt. Zudem bildeten Preise für Öl und seine Nachprodukte langsam eine Risikoprämie, weil die Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko am 1. Juni beginne.

Lagerbestände unter den Vorjahreswerten

In diesem Umfeld musste in der vergangenen Woche für einen Liter Superbenzin im Bundesdurchschnitt der diesjährige Spitzenwert von 1,40 Euro bezahlt werden, für Normalbenzin waren es 1,38 Euro und für Diesel 1,16 Euro. Dies ergibt eine Statistik des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Da es sich um Durchschnittsdaten handelt, sollten sich die Preise an einigen Tankstellen sogar noch darüber befinden. „Der bisher höchste Durchschnittspreis für Superbenzin ist im September 2005 mit 1,44 Euro je Liter erreicht worden und bei Diesel mit 1,20 Euro“, erläutert Barbara Meyer-Bukow vom MWV.

Damals hatten die Hurrikanschäden im Golf von Mexiko zu Versorgungsengpässen mit Benzin geführt und die Treibstoffpreise stark steigen lassen. „Die Benzinpreise haben sich von den Ölnotierungen deutlich nach oben abgekoppelt“, sagt Meyer-Bukow. Der Benzinmarkt sei sehr nervös. Ein Grund für diese Entwicklung sei die hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt. Vor allem die Vereinigten Staaten, in denen die Lagerbestände an Benzin auf relativ niedrigem Niveau seien, kauften derzeit verstärkt Benzin in Europa.

Dabei sind die amerikanischen Benzinimporte schon in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Zwar haben die Lagerbestände an Benzin in den Vereinigten Staaten zuletzt wieder zugenommen. Sie befänden sich aber immer noch deutlich unter dem Durchschnittswert der zurückliegenden fünf Jahre, sagen Analysten von Barclays Capital.

Nicht der gesamte Ölmarkt betroffen

Die diesjährigen Benzinpreise lassen sich im Übrigen nur bedingt mit früheren vergleichen. Verantwortlich hierfür sind zwei Faktoren. Seit dem 1. Januar ist in den Preisen die gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozentpunkte höhere Mehrwertsteuer (19 Prozent) enthalten. Zudem gelten ebenfalls seit dem Jahresbeginn staatlich verordnete Beimischungspflichten für Biokraftstoffe. Die teuren Biokomponenten lassen nach Angaben des MWV die Preise für Treibstoffe ebenfalls steigen.

Die jüngsten Preissteigerungen betreffen nicht den gesamten Ölmarkt. Anders als die Ölsorte Brent liegt die in New York gehandelte, gleichwertige Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit gut 65 Dollar stark zurück. Hier herrschen wegen Verwerfungen am Kassamarkt im Bundesstaat Oklahoma seit Monaten abnorme Bedingungen. Seit Jahresbeginn ergibt sich hier ein Anstieg um 7 Prozent. Die Ölbestände in der Region von Cushing sind zuletzt aber auf den niedrigsten Stand seit acht Wochen gesunken. Dies lässt nach Ansicht von Analysten eine rasche Normalisierung der Lage sowie eine nachhaltige Verringerung der Preisdifferenz zwischen Brent und WTI erwarten.

Nachfrage nach leichten Ölsorten nimmt zu

Doch der Preis für Brent-Öl seinerseits könne weiter anziehen, weil Anlieferungen der ebenfalls leichten nigerianischen Sorten in Westeuropa wohl noch auf viele Wochen hinaus ausbleiben dürften. Die vor allem auf dem amerikanischen Markt haussierenden Benzinpreise dürften die Nachfrage nach leichten Ölsorten nachhaltig zunehmen lassen. Die Margen der Raffinerien reizten zu höherer Verarbeitung, die dringend erforderlich sei, um eine akute Knappheit an Benzin zunächst auf dem amerikanischen Markt zu verhindern.

Zur Benzinversorgung berichtet die staatliche Energy Information Administration (EIA) in Washington, die Bestände seien von Februar bis April zwölf Wochen lang ununterbrochen um insgesamt mehr als 34 Millionen Barrel oder 15 Prozent gesunken. Ein derartig langer Rückgang sei noch nie zuvor verzeichnet worden.

Quelle: kpa./hi., F.A.Z., 22.05.2007, Nr. 117 / Seite 25
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%