28.12.2011 · Viele Supertanker passieren jeden Tag die Meerenge von Hormus. Weil Iran droht, den Seeweg zu blockieren, sind Anleger am Ölmarkt nervös.
Von Tim HöfinghoffDie Meerenge von Hormus zwischen Iran und der arabischen Halbinsel ist 40 Kilometer breit und 180 Kilometer lang - und damit ein Nadelöhr für die weltweite Ölversorgung. Denn auf diesem Seeweg transportieren Öltanker jeden Tag knapp 16 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl. Diese Menge entspricht einem Sechstel des täglichen Ölverbrauchs auf der Welt. Kein Wunder, dass die Anleger am Ölmarkt nervös werden, wenn Iran abermals droht, die Straße von Hormus zu blockieren.
Der iranische Vizepräsident Mohammad-Reza Rahimi hatte angekündigt, den Seeweg zu sperren, wenn der Westen wegen des Atomstreits Sanktionen gegen die Ölexporte des Iran verhängen sollte. Zuvor hatte es schon Manöver des iranischen Militärs in der Region gegeben. Allerdings relativierte am Mittwoch der Befehlshaber der iranischen Marine die Drohung und sagte, „zur Zeit gebe es keine Notwendigkeit“ einer Blockade.
Schon seit einiger Zeit verschärft sich der Ton zwischen Iran und dem Westen im Streit um Atomwaffen und Ölexporte. Die Folge ist, dass die Ölpreise trotz Konjunktursorgen und Schuldenkrise auf einem so hohen Niveau liegen wie seit sechs Wochen nicht mehr. Am Mittwoch sanken die Preise allerdings wieder etwas. Nordseeöl der Sorte Brent kostete rund 108 Dollar je Barrel, amerikanisches WTI-Öl rund 100 Dollar. „Die Ölpreise werden deutlich anziehen, sobald die Marktteilnehmer davon ausgehen, dass sich die Situation in der Region verschärft“, sagt Ölexperte Steffen Bukold von der Beratungsagentur Energycomment.
Die Furcht vor Versorgungsengpässen am Ölmarkt ist deshalb so groß, weil nicht nur fast der komplette Ölexport Saudi Arabiens über die Straße von Hormus abgewickelt wird, sondern auch Lieferungen aus Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuweit und dem Irak über diesen Weg kommen. Außerdem gibt es Flüssiggastransporte aus Qatar. Drei Viertel der Öllieferungen durch diese Meerenge sind für Asien bestimmt, allen voran in Länder wie China, Japan, Indien und Südkorea. Um die Rohstoffversorgung zu sichern, sind in der Region auch amerikanische Flugzeugträger präsent.
„Die Blockade der Straße von Hormus ist für die Akteure vor Ort ein Szenario, das bereits seit den siebziger Jahren durchgespielt wird“, sagt Bukold. „Zumal im Krieg zwischen Iran und Irak in den achtziger Jahren es tatsächlich eine Störung der Öllieferungen im Persischen Golf gegeben hat.“ Allerdings ist der Ölexperte überzeugt, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es zu einer Blockade durch den Iran kommt: „Das Land würde seine eigenen Exporte schwächen und zudem die politische Front gegen sich stärken.“ Auch das amerikanische Außenministerium erklärte, Irans Regierung wolle im Streit um das Atomprogramm ablenken.
Selbst wenn die Öllieferungen unterbrochen wären, es gibt Alternativen: „Saudi-Arabien kann über eine Pipeline knapp 5 Millionen Barrel Rohöl am Tag über Verlade-Terminals am Roten Meer verschiffen. Doch das ist eben nur ein Drittel der Menge, die durch den Persischen Golf läuft.“ Zwar würde eine Blockade den Ölpreis sofort stark steigen lassen, doch die Lieferungen würden nicht sofort beeinträchtigt, da Öltanker mehrere Wochen auf See unterwegs sind und der fehlende Ölnachschub in den Importländern nicht umgehend zu spüren wäre. „Zudem verfügen die Industrieländer über große Notreserven.“
Auch wenn sich die Europäische Union wegen des Atomstreits für ein Importverbot für iranisches Öl entscheiden sollte: Iran könnte seinen begehrten Rohstoff weiterhin nach China oder Indien verkaufen. „Diese Länder sollten trotz eines möglichen EU-Verbots zu Iran stehen und sich über Rabatte freuen können“, sagt Bukold.
Nicht nur der Streit mit Iran sollte den Ölpreis in den kommenden Wochen hoch halten: „Ständig gibt es Meldungen über Produktionsprobleme auf der Welt“, sagt Bukold, „hinzu kommt, dass es immer mühsamer wird, die Fördermenge an Öl zu steigern.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |