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Rohstoffe IEA meldet Überangebot auf dem Ölmarkt

Laut Internationaler Energieagentur übersteigt das Ölangebot den Verbrauch. Auch die Opec spricht von guter Versorgung. Doch Fachleute rechnen nicht mit stark sinkenden Preisen.

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Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Ölmärkte so gut versorgt wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr. Dies habe nicht nur mit der abgeschwächten Nachfrage in Zeiten hoher Ölpreise zu tun. Ebenso sei die Rohölförderung in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Dies teilte die IEA, die 28 Industrieländer in Energiefragen berät, in ihrem Monatsbericht mit. Auch die Opec, die für rund 40 Prozent des weltweiten Ölangebots verantwortlich ist, stellt in ihrem jüngsten Monatsbericht fest, dass die Versorgung mit dem Rohstoff gut sei und prognostiziert ein höheres Rohölangebot aus Nicht-Opec-Mitgliedern wie Kanada und Russland.

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In den vergangenen Monaten sind die Ölpreise stark gestiegen. Das hat zu Rekordpreisen an den Tankstellen geführt und den Wirtschaftsaufschwung in Gefahr gebracht. Die Iran-Krise, eine steigende Ölnachfrage in Asien, Förderausfälle in manchen Regionen sowie das Interesse von spekulativ orientierten Finanzanlegern haben die Preise getrieben. Allerdings sanken in den vergangenen Tagen die Ölpreise wieder - so tief wie seit acht Wochen nicht mehr. Das hat nicht nur mit der Befürchtung der Anleger bezüglich eines Konjunkturabschwungs, sondern auch mit den Sorgen um die Schuldenkrise zu tun. „Außerdem hat sich gezeigt, dass Saudi-Arabien die Lieferausfälle für iranisches Öl ausgleichen kann“, sagt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die tägliche Förderung der Opec hat im März um 136000 auf 31,3 Millionen Barrel zugenommen. Der Brent-Preis ist allerdings immer noch 12 Prozent höher als zu Beginn des Jahres und lag am Donnerstag bei rund 120 Dollar je Barrel (je 159 Liter).

„Die Daten der IEA zeigen, dass der Ölmarkt überversorgt ist“, sagt Weinberg. Dennoch geht er wegen der Iran-Krise nicht davon aus, dass die Preise stark nachgeben: „Wenn die Lage in Iran nicht weiter eskaliert, sollte der Ölpreis für die europäische Sorte Brent bei rund 120 Dollar bleiben.“ Und Ölexperte Steffen Bukold von Energycomment sagt: „Die nach wie vor hohen Ölpreise sprechen dagegen, dass der Markt überversorgt ist. Zumal im Frühjahr der Ölmarkt „häufig zur Schwäche neigt, weil der Heizölbedarf nach dem Winter abnimmt und viele Raffinerien aus Wartungsgründen weniger Öl einkaufen“. Die IEA weist darauf hin, dass mit Blick auf Iran die geopolitischen Unsicherheiten bisher verhindert hätten, dass sich die verbesserte Lage am Ölmarkt in deutlich sinkenden Preisen niederschlage.

Wegen des Atomstreits zwischen Iran und dem Westen hat die Europäische Union (EU) ein Embargo für iranisches Öl verhängt, das Anfang Juli in Kraft tritt. Auch die Vereinigten Staaten haben Sanktionen verhängt, um die wichtigste Einnahmequelle Irans zu blockieren. Nach Angaben der IEA haben die Maßnahmen der EU und der Vereinigten Staaten zur Folge, dass Irans Ölproduktion bis Mitte des Jahres erheblich zurückgehen könne. Ende 2011 pumpte Iran laut IEA 3,3 Millionen Barrel Rohöl am Tag. Werde Iran nicht andere Abnehmer finden, könne Irans Ölproduktion bis zum Sommer auf bis zu 2,6 Millionen Barrel am Tag fallen.

Derweil zeigt sich, dass Iran zunehmend Schwierigkeiten bekommt, sein Öl zu verkaufen: Die britische „FT“ berichtete, dass Iran seine Ölgeschäfte mit asiatischen Ländern steigern will und angeboten habe, Rechnungen später begleichen zu können. Dies entspreche je Monat einem Preisnachlass von 1,20 Dollar bis 1,50 Dollar je Barrel. Die beiden größten Abnehmer für iranisches Öl sind China und Indien. Sie sind nicht an Embargos gebunden. „Das Embargo stellt Teheran vor schwierige Entscheidungen“, sagt Bukold von Energycomment. „Die iranischen Ölquellen sprudeln weiter und der Rohstoff muss ausgeliefert oder eingelagert werden. Die Felder stillzulegen hätte zu hohe Folgekosten.“ Wegen der Sanktionen hatte Iran zuletzt die Öl-Lieferungen an europäische Länder, darunter auch Deutschland, gestoppt.

Quelle: F.A.Z.

 
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