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Rohstoffe Die Ölpreise driften auseinander

Während es in den Vereinigten Staaten ein Überangebot an Öl gibt, nimmt der Bedarf für europäisches Öl vor allem in Asien zu. Der Preisunterschied beträgt 20 Dollar.

© dapd Vergrößern

Die Preise für europäisches und amerikanisches Öl entfernen sich immer mehr voneinander - so stark wie seit Ende Oktober nicht mehr. Die hohe Nachfrage nach Öl in Asien treibt die Preise für europäisches Rohöl der Sorte Brent. Zuletzt sei so viel Nordseeöl nach Asien verschifft worden wie seit acht Jahren nicht mehr, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Gleichzeitig herrscht in den Vereinigten Staaten ein Überangebot an dem Rohstoff, so dass der Preisunterschied für Brent und das amerikanische WTI-Öl auf 20 Dollar gestiegen ist. Das ist ungewöhnlich, weil die Preise langfristig betrachtet relativ eng beisammenliegen, zumal es sich um einen fast einheitlichen Rohstoff handelt. Doch allein in der vergangenen Woche hat der Preisabstand um 50 Prozent zugenommen.

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Dies hat nicht nur Folgen im Raffineriegeschäft: Manche amerikanische Anbieter können das Öl viel günstiger einkaufen als etwa in Europa. Es lockt zudem spekulativ orientierte Finanzanleger wie Hedgefonds an, die auf eine weitere Ausweitung des Preisniveaus setzen. Bereits im vergangenen Jahr waren diese Gschäfte beliebt, nachdem der Abstand zwischen Brent- und WTI-Preis auf den Rekordwert von 28 Dollar geklettert war. Im November verringerte sich der Abstand dann allerdings wieder auf rund 10 Dollar.

Lager in Cushing sind gut gefüllt

"Der steigende Preisabstand hat viele Ursachen, darunter das Überangebot an Rohöl im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, wo der WTI-Preis ermittelt wird", sagt Ölfachmann Steffen Bukold vom Beratungsbüro Energycomment in Hamburg. Am wichtigsten Umschlagsplatz für amerikanisches Rohöl, der Stadt Cushing im Bundesstaat Oklahoma, sind die Lager sehr gut gefüllt. "Aus Nord-Dakota sowie aus Kanada fließt immer mehr Öl nach Cushing und drückt dort den Preis für WTI." Derweil fällt auch die Nachfrage nach Benzin in den Vereinigten Staaten, das drückt ebenfalls auf das Preisniveau.

Entscheidend für das WTI-Preisniveau ist außerdem, welche Transportmöglichkeiten es für das Rohöl von Cushing in andere Regionen gibt. Nachdem es im vergangenen Jahr an Transportmöglichkeiten von Cushing zum Beispiel zur amerikanischen Golfküste fehlte, von wo der Rohstoff per Schiff exportiert werden kann, sank der WTI-Preis bereits wegen der vollen Lager. Ein Pipelinebetreiber entschied allerdings, die Fließrichtung der wichtigen Seaway-Pipeline umzudrehen und mehr Öl von Cushing an die Golfküste zu liefern, die hohe WTI-Brent-Differenz ging daraufhin zurück. "Nun verzögert sich aber die geplante Umkehr dieser Pipeline", sagt Bukold, "außerdem bringt eine andere Pipeline aus dem Norden in wenigen Wochen noch zusätzliches Öl nach Cushing, das Überangebot verschärft sich damit."

Öl aus Westafrika nach Asien

Raffinerieschließungen an der amerikanischen Ostküste haben derweil zu höheren Produktpreisen geführt und die Rohölnachfrage dort wegen höherer Gewinnmargen für Raffinerien angeheizt.

Während WTI-Öl am Dienstagabend rund 97 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) kostete, waren es für Brent etwa 117 Dollar. So teuer war Brent seit einem halben Jahr nicht mehr. Der relativ hohe Brent-Preis hat nicht nur mit der höher als erwarteten Nachfrage in Asien zu tun. Auch die Kältewelle in Europa lässt die Preise steigen, zumal Deutschland der größte Heizölmarkt der Welt ist. "Auch das Ölembargo in Europa für iranisches Öl führt dazu, dass sich wohl manche asiatischen Großkunden nach Alternativen für iranisches Öl umsehen", sagt Bukold. "So ist zu erkennen, dass immer mehr Öl aus Westafrika nach Asien fließt. Da der Preis für diese Lieferungen ebenfalls an Brent gekoppelt ist, dürfte der Brent-Preis weiterhin unterstützt bleiben", sagt Bukold. Finanzanleger wollen weiter auf diesen Trend setzen und avisieren Berichten zufolge bereits einen Preisunterschied von bis zu 30 Dollar.

Quelle: F.A.Z.

 
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