24.08.2005 · Dank der Preisexplosion am internationalen Markt für Rohöl sprudeln die Gewinne von Exxon, BP und Co. derzeit wie in keiner anderen Branche. Die Ölproduzenten tun sich mit dem Erschließen neuer Vorkommen aber schwer.
Ölproduzenten schwimmen zur Zeit im Geld. Dank der Preisexplosion am internationalen Markt für Rohöl sprudeln die Gewinne von Exxon Mobil, British Petroleum (BP), Royal Dutch/Shell, Total oder Chevron-Texaco wie in keiner anderen Branche. Dabei werden allein die drei führenden Anbieter in diesem Jahr ein Ergebnis von zusammen rund 58 Milliarden Euro ausweisen, heißt es in Schätzungen.
Der üppige Geldregen führt jedoch nur teilweise zu höheren Investitionen in die Erforschung neuer Ölfelder oder in die Ausbeutung vorhandener Vorkommen. Statt dessen profitieren Anleger von Aktienrückkäufen oder Dividenden. Die Gründe für die Zurückhaltung sind in bürokratischen Hürden, politischen Risiken und der fragwürdigen Effizienz solcher Projekte zu suchen.
Exxon Mobil ist ein Paradebeispiel für den Trend. Der größte Ölkonzern der Welt erzielte mit 25 Milliarden Dollar ein Rekordergebnis im vergangenen Geschäftsjahr. Dank des Preisschubs bei Rohöl stieg im zweiten Quartal dieses Jahres der Nettogewinn sogar um 30 Prozent, obwohl die Produktion gleichzeitig um 4,3 Prozent schrumpfte. Die Geldmaschine aus den Vereinigten Staaten verfügt zudem über eine Liquidität von 30 Milliarden Dollar.
Mit neuer Technik unzugängliche Reserven anzapfen
Doch bei einigen Investoren stößt Exxon auf heftige Kritik, weil es seine steigenden Barmittel nicht aggressiv genug in die Erschließung neuer Ölfelder investiert. Exxon weist derzeit eine „Reserve Replacement Ratio“ von nur 83 Prozent aus. Die Kennziffer mißt das Verhältnis von erneuerten Reserven zur Produktion. Eine Zahl von unter 100 bedeutet, daß Exxon mehr Öl fördert und verkauft, als neue Vorkommen gefunden oder erschlossen werden. Im Vergleich der fünf größten Ölproduzenten gelingt es nur Frankreichs Total, sich mit einem Wert von 106 Prozent mehr „schwarzes Gold“ zu beschaffen, als verkauft wurde. Konkurrenten wie BP (89 Prozent), Royal Dutch/Shell (55) und Chevron (18) fallen dagegen deutlich ab. Um den Malus des „Schlußlichts der Branche“ abzustreifen, plant Chevron den Zukauf des kleineren kalifornischen Konkurrenten Unocal für 18 Milliarden Dollar in Aktien und bar. Damit erhöht sich der Reservenbestand mit einem Schlag um 15 Prozent.
Trotz des Drucks von der Börse will sich das Management von Exxon weder zu Übernahmen noch zu teuren Projekten drängen lassen. Der designierte Vorstands-chef Rex Tillerson erklärte kürzlich, daß sein Konzern über ausreichende Reserven verfüge. Priorität sei daher, künftig mit neuer Technik bisher unzugängliche Reserven anzuzapfen. Bereits im zweiten Quartal stiegen die Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. BP will 2005 rund 14,5 Milliarden Dollar in die Förderung von Öl und Gas investieren - 500 Millionen Dollar mehr als geplant. Branchenrivale Royal Dutch/Shell verkündete Ende Juli, daß er seine Investitionen für 2005 von 15 Milliarden auf 16,5 Milliarden Dollar erhöht.
„Nachholbedarf“
Nach den Rückschlägen in jüngster Zeit ist der „Nachholbedarf“ beim britisch-niederländischen Ölproduzenten freilich groß: Royal Dutch/Shell mußte Anfang 2004 krasse Fehleinschätzungen seines konzernweiten Reservoirs an Öl und Gas einräumen. Nach insgesamt vier Korrekturen in Serie reduzierte sich der Bestand an Energiereserven des - hinter BP - zweitgrößten Ölproduzenten in Europa inzwischen um fast ein Drittel. Mit einem Volumen von jetzt 12,9 Milliarden Barrel (rund 159 Liter) fällt Royal Dutch/Shell gegenüber den Rivalen Exxon (21,9 Milliarden) und BP (15,4 Milliarden) zurück.
Um gegenüber der Konkurrenz rasch aufzuholen, muß Konzernchef Jeroen van der Veer mit eigener Kraft neue Vorkommen erschließen oder vorhandene Energieressourcen effizienter ausschöpfen. Angesichts des hohen Ölpreises schließt Royal Dutch/Shell zwar Übernahmen im großen Stil aus. Doch für Zukäufe von kleineren Konkurrenten sind in der „Kriegskasse“ von Royal Dutch/Shell zumindest rund 9 Milliarden Dollar reserviert.
Goldgräberstimmung verflogen
Welche Risiken im Tagesgeschäft drohen, zeigen die Vorfälle bei den europäischen Ölproduzenten. Vor allem in Rußland scheint die Goldgräberstimmung verflogen. Kürzlich meldete Royal Dutch/Shell, daß bei seinem strategisch wichtigen Gasfeld-Projekt „Sakhalin II“ die Kosten explodieren. Aufgrund des Preisauftriebs bei Edelmetallen, höherer Vertragsgebühren sowie des schwachen Dollar werde sich das ursprüngliche Budget auf jetzt 20 Milliarden Dollar verdoppeln, warnte van der Veer. Seinem Gegenspieler bei BP, Konzernchef John Browne, kommt ebenfalls sein frühes Engagement im russischen Ölmarkt wohl teurer zu stehen als geplant. Das Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP, an dem die Briten 50 Prozent halten, ist jetzt mit Steuernachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |