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Kuka : Die Welt reißt sich um deutsche Roboter

Roboter sind ein Kerngeschäft des Augsburger Unternehmens Kuka. Bild: dpa

Der Maschinenbauer Kuka ist der drittgrößte Roboterhersteller der Welt. Jetzt steht das Augsburger Unternehmen vor einem Übernahmekampf. Davon könnten Anleger profitieren.

          Die Zukunft versteckt sich hinter zwei Ziffern. Wer die Ideen für morgen präsentieren will, wer innovativ und modern sein will, der muss 4.0 sein. Arbeiten 4.0, Mittelstand 4.0, Bergbau 4.0, darüber wird schon diskutiert. Sogar eine vermeintliche Terrorgruppe RAF 4.0 hat sich schon bei den Justizbehörden gemeldet. Aber der allergrößte Trend ist derzeit Industrie 4.0. Und mittendrin: Der deutsche Anlagen- und Roboterbauer Kuka. Für den interessiert sich jetzt die halbe Welt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kuka ist zum Übernahmekandidaten geworden. Denn das Augsburger Unternehmen steht für eine der wichtigsten Zukunftstechnologien überhaupt: die Digitalisierung der Fabriken. Dabei lernen die Roboter, untereinander und mit den Menschen zu kommunizieren. Roboter sind ein Kerngeschäft von Kuka. Vor allem die in den Autowerken. BMW, Daimler und Volkswagen sind alle Kunden von Kuka. Die orangefarbenen Maschinen des Unternehmens stehen in fast jeder Fabrik. Kuka ist der drittgrößte Roboterhersteller der Welt – und ganz vorn dabei bei der Digitalisierung.

          Das macht Kuka interessant für andere Unternehmen, die auch von Industrie 4.0 profitieren wollen. Sie würden sich am liebsten alle Kuka einverleiben. Das könnte in einem Übernahmekampf enden, von dem Anleger kräftig profitieren würden, weil er die Aktienkurse in die Höhe treiben würde.

          Drei Rivalen machen es für Anleger spannend

          Drei Rivalen stehen sich gegenüber: der Maschinenbauer Voith, der mit 25,1 Prozent Anteil der größte Aktionär von Kuka ist. Hinzu kommen der Familienunternehmer Friedhelm Loh, dem unter anderem der Schaltschrankhersteller Rittal gehört, und der chinesische Industriekonzern Midea. Er produziert vor allem Haushaltsgeräte. Midea hat gerade seinen Anteil an Kuka auf zehn Prozent erhöht und besitzt damit genauso viel wie Loh. Das Unternehmen will in den kommenden zwölf Monaten seine Anteile aufstocken, hat es in der vergangenen Woche offenbart. Die drei beäugen sich, niemand sagt, was er mit Kuka vorhat. Das macht es spannend. Besonders für Anleger. Sollten sie jetzt auf Kuka setzen?

          Bild: F.A.Z.

          Die Spekulation auf eine Übernahme durch einen der drei Hauptaktionäre hat den Kurs in der vergangenen Woche auf ein neues Rekordhoch von knapp 86 Euro getrieben. Die Krisenzeiten von 2009 sind lange her, die Aktie ist mittlerweile teuer geworden. Das zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Mit 35 ist es sehr hoch. Üblich sind für schnell wachsende Unternehmen wie Kuka Werte bis maximal 25. „Das operative Geschäft rechtfertigt solche hohen Bewertungen nicht“, warnt Sebastian Growe, der Kuka-Experte der Commerzbank. Die Aktie ist also nur etwas für Anleger, die auf eine Übernahme hoffen.

          Das Alltagsgeschäft hingegen läuft nur solide, ist kein Grund zur Begeisterung. Am 22. März will der Vorstandsvorsitzende seine Prognose für 2016 geben. „Ich erwarte einen vorsichtigen Ausblick“, sagt Growe, der Analyst. Nämlich: eine Marge von knapp 7 Prozent und damit auf Vorjahresniveau. Und mit etwa 3 Milliarden Euro Umsatz nur leicht mehr als 2015. „Kuka wird die Zurückhaltung der Automobilindustrie spüren.“ Die Unsicherheit im wichtigsten Markt China lässt BMW, Daimler & Co. vor großen Neuanschaffungen zurückschrecken. Bei VW ist unklar, ob hohe Strafzahlungen durch den Abgasskandal zu Investitionskürzungen führen.

          11 Prozent der Empfehlungen lauten auf Kaufen

          Das würde Kuka treffen, denn rund die Hälfte des Gewinns kommt aus dem Robotergeschäft. Der Rest kommt aus dem Anlagenbau und dem 2015 übernommenen Unternehmen Swisslog, das Logistikanlagen für Krankenhäuser sowie Lager-und Verteilzentren herstellt. Der Kauf war der größte der Firmengeschichte und soll Kuka unabhängiger von der schwankungsanfälligen Autoindustrie machen. Der Umsatz von Swisslog könnte 2016 höher als erwartet ausfallen.

          Der kleine Kuka-Roboter „LBR iiwa“ hilft beim Beschichten und Messen.
          Der kleine Kuka-Roboter „LBR iiwa“ hilft beim Beschichten und Messen. : Bild: Archiv

          Die Analysten sind sich in ihrer Skepsis Kuka gegenüber jedoch so einig wie selten, vor allem wegen des hohen Kurses. Nur 11 Prozent der Empfehlungen lauten auf Kaufen. Keiner der Fachleute will eben allein auf Basis einer möglichen Übernahme zum Kauf der Aktie raten. Am ehesten leisten könnte sich die chinesische Midea eine Vollübernahme. Aber wer verkauft? Am ehesten noch Friedhelm Loh. „Er dürfte zu wenig Kapital für einen Komplettkauf haben“, sagt Jasko Terzic vom Bankhaus Metzler. Er sieht Lohs Rolle daher eher als Finanzinvestor und nicht als Eigentümer mit großen strategischen Interessen.

          Midea müsste aber neben Loh auch noch alle freien Aktionäre für einen Verkauf gewinnen. Und selbst dann könnte immer noch Voith die Übernahme behindern. Das Unternehmen will sein digitales Geschäft ausbauen. Da passt Kuka gut ins Portfolio. „Aber auch Voith dürfte eine volle Übernahme kaum finanzieren können“ sagt Terzic. „Doch 75 Prozent könnten sie erreichen.“ Daran wiederum dürfte Midea kein Interesse haben. „Im Augenblick befinden sich Midea und Voith in einer Pattsituation.“ Midea könnte daher statt der Übernahme den Weg einer stärkeren Kooperation mit Kuka über Gemeinschaftsunternehmen gehen, wie es das schon mit Bosch ausprobiert. Oder eben doch in eine Bieterschlacht eintreten. Dann entscheidet der Preis. Die freien Aktionäre würde es freuen.

          Quelle: F.A.S.

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