Reinhold Zimmermann ist ein erfolgreicher deutscher Mittelständler, wie er im Buche steht: bodenständig, dabei aber neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen - und Marktführer. Seine unter dem Markennamen Zimbo agierende Unternehmensgruppe ist nach einer Messung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) der größte Anbieter von SB-Wurstwaren in den Supermarktregalen. Von den Anfängen vor 50 Jahren, als Zimmermanns Vater Max als fahrender Händler mit der Belieferung von Lebensmittelgeschäften begann, wuchs das Familienunternehmen zu einer Firmengruppe mit einem Jahresumsatz von 600 Millionen Euro heran. Doch das soll es noch längst nicht gewesen sein. Zimbo - die Abkürzung steht für Zimmermann Bochum - will weiter wachsen. Zwei neue Fabriken, eine im Osten Deutschlands und eine in Polen, sollen demnächst neu entstehen.
Die Finanzierung der neuesten Expansion ist für einen Familienunternehmer jedoch alles andere als gewöhnlich. Der Weg führte den Mittelständler nämlich nicht wie in Deutschland üblich zur Hausbank, um einen Kredit zu beantragen. Nein, Zimbo legte eine Anleihe auf: sieben Prozent Zinsen jährlich, fünf Jahre Laufzeit, 1000 Euro Mindestanlage, 15 Millionen Euro Gesamtvolumen.
Unabhängigkeit
Ungewöhnlich ist nicht nur der Weg über die Anleihe an sich. Ungewöhnlich ist auch die Art und Weise, wie die Papiere plaziert werden. Bonitätsbewertung durch eine der großen Ratingagenturen? Fehlanzeige. "Das kostet einige hunderttausend Euro pro Jahr", sagt Zimmermann. Ohnehin bescheinigt schon das Inkassounternehmen Creditreform dem Unternehmen eine sehr gute Bonität. Das muß reichen. Beratung und Plazierung durch eine Investmentbank? Ebenfalls Fehlanzeige. "Dabei wären zweieinhalb bis fünf Prozent an Vertriebskosten angefallen", rechnet Zimmermann vor. "Da zahlen wir lieber eine höhere Verzinsung." Ohnehin müsse man Zimbo nicht erklären, wie Vertrieb funktioniert. Von den 100 Mitarbeitern im hauseigenen Call Center wurden kurzerhand zehn im Verkauf von Anleihen geschult. "Die können den Anlegern vernünftige Auskünfte geben, weil sie das Unternehmen kennen", begründet der Firmenchef den vorübergehenden Wandel vom Wurst- zum Finanzvertrieb.
Hinter der vermeintlichen Hemdsärmeligkeit steckt ein ernsthaftes Problem - der Vertrauensverlust der Banken im deutschen Mittelstand. Natürlich habe es im Vorstand Diskussionen gegeben, ob man die Anleihe begibt, erinnert sich Zimmermann. Ein Bankkredit wäre jedenfalls billiger gewesen. Doch letztlich überwog der Wunsch, sich von den Banken unabhängiger zu machen. Früher kannte man sich noch persönlich, klagt der Familienunternehmer. Heutzutage wechselten laufend die Ansprechpartner. Und die entschieden nur noch auf Grundlage von Papieren.
Dem interessierten Anleger - zumeist über überregional geschaltete Anzeigen auf die Anleihe neugierig geworden - kann dieses zunehmende Mißtrauen zumindest im Fall Zimbo nur recht sein. Die Bilanzstruktur der Muttergesellschaft ist solide. Nach einem Monat ist die Hälfte der Papiere plaziert - bislang übrigens ausschließlich bei Privatanlegern, denen das vor 50 Jahren formulierte Motto des Firmengründers offenbar ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit gibt: "Gegessen wird immer".
