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Regionale Handelsplätze Eine Börse für jeden Landesfürsten

21.07.2007 ·  In Deutschland gibt es eine international einzigartig zersplitterte Börsenlandschaft. Einem klaren Marktführer, der Deutschen Börse AG in Frankfurt, stehen sechs Regionalbörsen gegenüber. Doch an Zusammenschlüssen finden die kleinen Handelsplätze keinen Gefallen.

Von Daniel Schäfer
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Der Werbespruch sticht mit seinen blassroten Lettern sofort ins Auge: „Herzlich willkommen - bei Deutschlands TÜV-geprüfter Börse Nr. 1.“ So umgarnt die Düsseldorfer Börse auf ihrer Internetseite den Privatanleger. Und preist weitere Vorzüge der Regionalbörse wie einen bundesweiten Marktanteil von angeblich 5,2 Prozent an. Die Realität ist leider ein wenig trister: Auf magere 0,3 Prozent Marktanteil am bundesweiten Wertpapierhandelsumsatz kam die Börse im ersten Halbjahr tatsächlich - womit sie das Schlusslicht unter den sechs deutschen Regionalbörsen bildet. Kein Wunder, dass mancher Wettbewerber die Düsseldorfer als „Immobilienverwalter“ verspottet.

Derartige Neckereien sind symptomatisch für die international einzigartig zersplitterte Börsenlandschaft: Einem klaren Marktführer, der Deutsche Börse AG in Frankfurt, stehen sechs Regionalbörsen gegenüber. Der Fall der Bremer Börse, die Ende Juli ihren Betrieb einstellen wird, dürfte dennoch die Ausnahme bleiben. Denn jeder politische Landesfürst hält an seiner geliebten Regionalbörse fest. Solange es dieses Wohlwollen der jeweiligen Landesregierung gibt und das Immobilienvermögen eine bescheidene Rendite abwirft, geht keiner der regionalen Börsenchefs den ersten Schritt.

Klaus Mathis: „Parkettbörsen, verbündet euch!“

Dabei ist nur noch ein einziger der traditionsreichen Handelsplätze von Bedeutung: Die Stuttgarter haben in den vergangenen Jahren eine führende Position im florierenden Zertifikategeschäft erobert. Mehrmalige Versuche der Deutschen Börse, den Schwaben diesen Rang streitig zu machen, sind allesamt gescheitert. Die anderen fünf Regionalbörsen in München, Hamburg, Hannover, Berlin und Düsseldorf reklamieren zwar fast unisono den dritten Platz für sich. Fakt ist aber: Über ein Prozent Marktanteil kommt keine einzige dieser Börsen hinaus. Die Forderung, die regionalen Handelsplätze gemeinsam mit der Frankfurter Parkettbörse zu einer Art deutschen Privatanlegerbörse zusammenzuschließen, geistert schon seit Jahren folgenlos umher.

„Parkettbörsen, verbündet euch!“, rief schon im Jahr 2001 der Wertpapierhändler Klaus Mathis. „Auch wenn ich belächelt werde, das bleibt meine Utopie“, sagt er heute trotzig. Der Münchener Wertpapierhändler Uto Baader hatte im vergangenen Jahr die deutschen Regionalbörsen als „Anachronismus“ bezeichnet. Baader's und Mathi's Idee: Die Regionalbörsen sollen ihren Parketthandel auf einer einheitlichen Plattform bündeln. Die technologische Basis dafür gibt es: das immer mal wieder totgesagte Parketthandelssystem Xontro, das schon seit Jahren von allen deutschen Börsen genutzt wird.

„Die Börsen denken einfach nicht unternehmerisch“

Doch außer zaghaften Sondierungsgesprächen zwischen Stuttgart und Frankfurt im vergangenen Jahr ist bislang nichts passiert, auch wenn sämtliche Börsenmanager immer wieder demonstrativ ihre Bereitschaft zu Gesprächen bekunden. „Wir sind stets offen für Gespräche. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt günstig, da alle Regionalbörsen hohe Umsätze erzielen“, sagte Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni vor einigen Monaten. Doch in Wahrheit ist dies für ihn allenfalls ein drittklassiger Nebenkriegsschauplatz.

Und für alle anderen könnte das Gegenteil von Francionis Aussage zutreffen: Dank der rasant gestiegenen Börsenumsätze können sich die Börsen derzeit ohne Zusammenschlüsse über Wasser halten. „Die Börsen denken einfach nicht unternehmerisch“, bedauert ein Makler. Und für die großen Banken sei dieses Thema anders als früher zweitrangig, da ihnen die europaweite Deregulierung durch die Mifid-Richtlinie die zunehmende Internationalisierung des Handels abseits der Börsen ermöglicht.

Kommt der Todesstoß aus Frankfurt oder Stuttgart?

Den Privatanlegern gereicht die fragmentierte Börsenlandschaft bislang freilich nicht zum Schaden: Auf der Suche nach Nischen haben sich die Regionalbörsen auf den Kleinanleger gestürzt. Sie umwerben diesen mit günstigeren Gebühren, engen Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen sowie einem besseren Service. Außerdem entstanden viele pfiffige Ideen für den Handel weiterer Wertpapierprodukte in den Regionen: Zertifikate in Stuttgart, offene Investmentfonds in Hamburg und Hannover oder auch Auslandsaktien in Berlin: „Die Innovationen kommen teilweise auch aus der Region“, räumte Rainer Riess, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse, einst ein.

Fachleute rechnen damit, dass der nächste Börsenabschwung, steigende technologische Anforderungen und der zunehmende Wettbewerb durch die Banken langfristig die eine oder andere Regionalbörse doch in die Knie zwingen könnte. Der Todesstoß könnte dann aus Stuttgart oder Frankfurt kommen, indem sich diese Bösen aus dem Xontro-System verabschieden und die Wettbewerber auf den für sie zu hohen Kosten sitzen bleiben würden.

Quelle: F.A.Z., 21.07.2007, Nr. 167 / Seite 19
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