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Altersvorsorge : Keine guten Noten für deutsche Lebensversicherer

Lebensversicherer unter der Lupe: Die Ratingagenturen kritisieren die deutschen Anbieter. Bild: dpa

Die großen internationalen Ratingagenturen blicken kritisch auf die deutschen Lebensversicherung. Besonders die Altersvorsorgesparte fällt negativ auf. Wie gefährdet sind die Gewinne?

          Die großen internationalen Ratingagenturen sehen für die Versicherungswirtschaft in Europa eigentlich stabile Verhältnisse. Zwei Ausnahmen allerdings gibt es: die französische Sachversicherung und die deutsche Lebensversicherung. Die Analysten von Moody’s haben die europäischen Versicherer insgesamt mit einem stabilen Ausblick versehen. Negativ hingegen ist er für die Altersvorsorgesparte in Deutschland eingestellt. Von fünf möglichen Stufen, wie gefährdet die Gewinne in diesem Segment sein können, steht die deutsche Lebensversicherung auf der untersten – zusammen mit dem taiwanesischen und dem norwegischen Markt. Sehr positiv hingegen schätzen die Analysten das Risiko in Großbritannien, Irland und Brasilien ein.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grund sind die hohen Zinsgarantien auf dem deutschen Markt, erläutert Antonello Aquino, bei Moody’s für den europäischen Markt verantwortlicher Analyst, der F.A.Z. während eines Besuchs in Frankfurt. „Es gibt immer noch einen hohen Anteil von Verträgen mit Garantien“, sagt er. Wegen der langen Vertragslaufzeiten weiche die Duration der Verpflichtungen sehr stark von der der Kapitalanlagen ab. Zehn Jahre betrage diese Laufzeitenlücke in Deutschland. Sie zwingt Versicherer dazu, mehr Eigenkapital zu halten.

          Auch die Agentur Fitch sieht das kritisch. Zwar seien die Unternehmen durchschnittlich mit mehr Eigenmitteln ausgestattet, als die Aufsicht verlange. Die Solvabilitätsquote liege bei 180 Prozent. Dennoch gebe es 13 von 84 Marktteilnehmern, die zu wenig Eigenmittel hätten, wenn sie nicht die 16 Jahre dauernde Übergangsfrist auf das Aufsichtsrecht Solvency II in Anspruch nähmen. „Auf den deutschen Lebensversicherern lastet Druck, ausreichende Kapitalerträge zu erwirtschaften“, schrieben die Analysten in ihrem jüngsten Bericht. „Aber den von Ratingagenturen untersuchten Unternehmen trauen wir zu, dass sie die Garantien der Policeninhaber erfüllen.“

          Kunden gewöhnen sich an neue Produkte nur langsam

          Doch selbst für diese Unternehmen helle sich der Horizont ein wenig auf. „Noch setzt die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe fort“, sagt Aquino. Eine Normalisierung der Geldpolitik werde die Marktzinsen aber allmählich wieder steigen lassen. „Das ist ein gutes Szenario für Lebensversicherer, weil es Kunden davon abhält, ihre Policen zu kündigen“, sagt er. Abrupte Marktveränderungen hingegen könnten dazu führen, dass die aktuelle Verzinsung der Lebensversicherer gegenüber Alternativen am Markt so unattraktiv werde, dass Kunden aus dem Vertrag ausscheiden. Zwischenzeitlich ziehen sich Lebensversicherer aus dem Geschäft mit Garantien zurück, was aber ihre Verkäufe in der derzeitigen Marktphase bremst. „Kunden brauchen Zeit, um sich an die neuen Produkte zu gewöhnen, das schränkt das Neugeschäft ein“, schreiben die Fitch-Analysten.

          Interessant ist auch der Grund für den negativen Ausblick französischer Sachversicherer, weil er auch auf deutsche Unternehmen zukommen könnte. Der intensive Wettbewerb, die hohe Zahl an (Handy-bedingten) Unfällen und die steigenden Reparaturkosten bekomme die Branche im Nachbarland nicht in den Griff, sagt Moody’s-Analyst Aquino. „Die Versicherer sind zu Kostensenkungen und besserer Betrugsbekämpfung gezwungen“, sagt er. Selbst wenn der Ausblick positiv sei, bleibe das Umfeld anspruchsvoll – zum Beispiel könnte der Autoversicherung durch sicherere autonome Fahrzeuge ein großer Teil ihrer Einnahmen wegbrechen.

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