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Ratingagentur Moody's macht eine Kehrtwende

03.04.2007 ·  Die Ratingagentur Moody's beugt sich der Kritik am erst kürzlich geänderten Bewertungsverfahren. Sie überarbeitet jetzt die umstrittenen Bonitätsnoten für Banken erneut. Die mögliche Unterstützung durch einen Staat soll wieder weniger stark zählen.

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Nach heftiger Kritik hat die amerikanische Ratingagentur Moody's ihre umstrittene Bewertungsmethode für Banken überarbeitet. Das mögliche Eingreifen eines Staates im Falle einer Schieflage werde weniger stark berücksichtigt, teilte Moody's mit. Etwa 40 bis 50 hauptsächlich in Europa ansässigen Banken steht nach den Worten von Christopher Mahoney von Moody's nun wieder eine Herabstufung bevor.

Mit dieser Entscheidung hat die Ratingagentur eine Rolle rückwärts gemacht. Erst Ende Februar hatte Moody's die Ratings von 150 Banken angehoben, weil sie der potentiellen Unterstützung durch den Staat ein größeres Gewicht einräumte. Dadurch erhielten selbst als nicht sehr finanzstark angesehene isländische Banken wie Kaupthing Bank oder Glitnir Banki die Bestnote „Aaa“ - wodurch ihnen dieselbe Ausfallwahrscheinlichkeit bescheinigt wurde wie amerikanischen Staatsanleihen, dem Ölkonzern Exxon Mobil oder der Bundesrepublik Deutschland. Die Aktienkurse dieser Banken zählten daraufhin zu den größten Gewinnern im Bankenindex des europäischen Euro Stoxx.

Glaubwürdigkeitsschaden für die Ratingagentur

Die Anwendung der schon vor anderthalb Jahren angekündigten neuen Ratingmethode „Joint Default Analysis“ hatte für einen Aufschrei am Kapitalmarkt gesorgt. Merrill-Lynch-Analyst Richard Thomas hatte die neuen Bonitätsbewertungen als „pervers“ bezeichnet, seine Kollegen von der auf Anleihen spezialisierten Credit-Sights als „wertlos“. Nach einer Umfrage von Merrill Lynch glauben 85 Prozent der institutionellen Investoren, dass Moody's einen Glaubwürdigkeitsschaden erlitten hat. Bankenanalyst Oliver Piquardt von der DZ Bank sieht das anders: „Der Kapitalmarkt vergisst das schnell wieder.“

Ratingagenturen bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen oder eine Bank in eine finanzielle Krise gerät und Kredite nicht mehr zurückzahlen kann. Alle Ratingagenturen berücksichtigen neben der finanziellen Stärke der Gesellschaft implizit auch die mögliche Unterstützung durch eine Muttergesellschaft, einen Verbund oder den Staat. Moody's war jedoch der Erste, der diesem Faktor mit Hilfe eines Modells ein stärkeres Gewicht zukommen ließ. „Andere Ratingagenturen haben die Unterstützung bislang auch berücksichtigt, aber das war von außen nie nachvollziehbar“, sagt Piquardt.

Heraufstufungen werden sich in Grenzen halten

Piquardt steht dem neuen Ansatz aufgeschlossen gegenüber. Die nun angekündigten Anpassungen seien ein „Schritt in die richtige Richtung“, sagt er. Nach Angaben von Moody's-Manager Mahoney wird die überwiegende Zahl der nun überprüften Banken nur um eine Note herabgestuft. In einigen wenigen Fällen werde die Bonitätsklasse um bis zu drei Stufen nach unten verschoben. An den Anleihemärkten wurde dies vorweggenommen. Dort sind etwa die Risikoprämien isländischer Bankenanleihen schon wieder gestiegen. Nach der scharfen Kritik hatte Moody's vor einigen Wochen die neue Ratingmethode kurzfristig gestoppt. Die Banken vieler westeuropäischer Länder hatten daher noch kein neues Rating erhalten.

Beginnend mit Ländern wie Italien und Spanien, sollen die Banken vom 13. April an ihre neuen Bonitätsnoten erhalten. Die deutschen Banken bilden mit Frankreich am 11. Mai das Schlusslicht. Piquardt erwartet, dass sich die hiesigen Heraufstufungen sehr in Grenzen halten werden. Denn die Großbanken haben zumeist ohnehin schon ein sehr gutes Rating, das von dem des Staates nicht weit entfernt ist. „Mehr als eine Stufe dürfte es bei den Großbanken nicht nach oben gehen“, sagt Piquardt.

Quelle: da., F.A.Z., 04.04.2007, Nr. 80 / Seite 19
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