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Rating-Agenturen Die Anbieter sollen an die Leine

26.03.2009 ·  Die Kritk an der Arbeit der Rating-Agenturen ist groß. Politiker sind sich deshalb einig, die Anbieter stärker zu kontrollieren. Doch gemessen an der Empörung sind die Absichten für eine Regulierung eher vorsichtig.

Von Stefan Ruhkamp
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Wenn es um die Schuldigen der Finanzkrise geht, zählen Rating-Agenturen zu den Prügelknaben. Ihre inflationär vergebenen Bestnoten haben die windigen Verbriefungsgeschäfte der Investmentbanken angeheizt. Und das alles mit einem halböffentlichen Status der Rating-Agenturen: Manche Investoren dürfen nur Wertpapiere mit einem Rating kaufen; auch Aufsichtsregeln der Banken sind an Ratings geknüpft. Über kaum ein anderes Thema sind sich Politiker deshalb so einig: Die Rating-Agenturen müssen an die Leine.

Doch gemessen an der Empörung sind die bisherigen Absichten für eine Regulierung eher vorsichtig. Unumstritten ist, dass die Benotung der Finanzkraft eines Schuldners und die gleichzeitige Beratung desselben Schuldners, wie er zu einer guten Note kommt, verboten werden. Die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC schreibt das schon von April an vor. Dann muss zudem jeder, der ein Rating bei einer Agentur in Auftrag gibt, die konkurrierenden Agenturen mit den gleichen Daten versorgen - zur Förderung des Wettbewerbs. Außerdem sollen, so schlägt es die Europäische Kommission vor, die Agenturen ein Rotationsverfahren einführen: Kein Analyst würde dann länger als vier Jahre einen Schuldner bewerten. Die Europäer wollen außerdem, dass hierzulande veröffentlichte Ratings nur von hier registrierten Agenturen stammen oder dass zumindest eine hiesige Agentur für die Qualität haftet.

Die Agenturen müssen nicht um ihr Bezahlmodell fürchten

Die Rating-Agenturen verfolgen ihre seit Jahren bewährte Strategie und erfüllen einige Vorgaben in vorauseilendem Gehorsam, um eine schmerzhaftere Regulierung zu vermeiden. Denn ein radikaler Schnitt, der die Anreize verändern und ein neues Geschäftsmodell erfordern würde, steht ihnen bislang nicht bevor. Die Agenturen müssen nicht um ihr Bezahlungsmodell fürchten: Die Schuldner erteilen weiterhin den Auftrag für die Benotung und bezahlen sie auch. Kritiker fordern dagegen, dass stattdessen die Investoren über eine allgemeine Umlage für die Kosten der Benotung aufkommen.

Die Zurückhaltung der Politik und der Aufsichtsbehörden ist begründet. Denn auch ein anderes Auftrags- und Bezahlungsmodell würde nichts daran ändern, dass Ratings Meinungsäußerungen sind. Eine Garantie, dass ein Rating die Finanzkraft eines Schuldners treffend darstellt, ist unmöglich. Auch ein staatlicher Aufseher kann das nicht garantieren. Je schärfer die Regulierung ist, desto größer ist das Risiko für Aufseher, dass sie für künftige Fehlleistungen der Kreditbewerter mitverantwortlich gemacht werden. ruh.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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