23.01.2007 · Rockstar Bono steht als Mitgründer einer Beteiligungsgesellschaft in diesem Jahr in Davos auf der Seite der Wirtschaftsführer - ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung von Private-Equity-Fonds. Mancher macht sich Sorgen um das Entstehen einer Liquiditätsblase und eine Aushöhlung des Aktienmarktes.
Rockstar Bono hat der Wirtschaftselite auf ihrem alljährlichen Stelldichein in den Schweizer Bergen schon häufig ihre soziale Verantwortung vorgehalten und Projekte zur Linderung von Armut und Krankheit angestoßen. Doch dieses Jahr dürfte sich der Sänger der irischen Rockgruppe U2 unversehens auf der Seite der Wirtschaftsführer wiederfinden. Denn der wirtschaftlich versierte Bono ist nicht nur ein erfolgreicher Sänger, sondern auch Mitgründer der kalifornischen Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners. Und angesichts des rasanten Wachstums ebendieser Branche stellen die Veranstalter in Davos die besorgte Frage: "Ist größer besser für Private Equity?"
Nicht nur dem auf die Unterhaltungs-, Medien- und Musikindustrie spezialisierten und 1,9 Milliarden Dollar großen Private-Equity-Fonds Elevation Partners rannten die Investoren zuletzt die Türen ein. Angelockt von den hohen zweistelligen Renditen der Fonds in den vergangenen Jahren, versuchen immer mehr Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und reiche Privatleute ihr Geld in Beteiligungsfonds unterzubringen.
401 Milliarden ein einem Jahr eingesammelt
Nach Daten des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence haben Private-Equity-Gesellschaften allein im Jahr 2006 von ihren Investoren 401 Milliarden Dollar (308 Milliarden Euro) eingeworben. Der größte Einzelfonds übersteigt mittlerweile gar die 20-Milliarden-Dollar-Grenze. Mit diesem Geld wurden im vergangenen Jahr reihenweise Großkonzerne gekauft; die größte Übernahme - der Erwerb des Krankenhausbetreibers HCA durch eine Allianz um Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) - hatte einschließlich der Schulden einen Wert von 33 Milliarden Dollar.
Angesichts dieser Summen spricht der eine oder andere Banker schon von einem "dritten Kapitalmarkt", der sich neben den Krediten und den Aktien etabliere. Die britische Finanzaufsicht FSA treibt gar die Sorge vor einer Aushöhlung des Aktienmarktes um, weil immer mehr prosperierende Unternehmen durch Beteiligungsfonds gekauft und von der Börse genommen werden. Noch viel mehr als in Großbritannien ist der Börsenrückzug in Amerika en vogue, weil die Vorstandschefs vor den rigiden Kapitalmarktregeln und der Fixierung auf Quartalszahlen fliehen wollen. Auch in Davos wird daher die Frage gestellt, ob privates Beteiligungskapital das öffentliche Aktienkapital als dominante Form der Unternehmensfinanzierung abgelöst habe.
Fachleute relativieren das freilich. Zwar haben Beteiligungsfonds in den vergangenen zwei Jahren rund 750 Milliarden Dollar Kapital eingesammelt. Laut Thomas Staubli, Partner des Schweizer Private-Equity- und Hedge-Fonds-Investors Partners Group, entspricht dies aber gerade einmal 1 Prozent der Kapitalisierung der weltweiten Aktienmärkte. Auch die häufig geäußerte Befürchtung, immer mehr Geld suche nach immer weniger Übernahmen, wird von vielen Experten angezweifelt. Nach Daten von Private Equity Intelligence haben die Beteiligungsfonds ihr Kapital in den vergangenen Jahren immer schneller investiert - trotz der rasant gestiegenen Fondsgrößen. Ein gutes Beispiel dafür ist der amerikanische Finanzinvestor Blackstone, der schon eine halbes Jahr nach dem Zeichnungsschluss mehr als die Hälfte seines zunächst 15,6 Milliarden Dollar großen Fonds ausgegeben hatte. Und die Fonds werden noch größer. Martin Halusa, Vorstandsvorsitzender der Beteiligungsgesellschaft Apax, kann sich einen Fonds in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar zumindest vorstellen.
Sorgenfalten treibt den Beobachtern eher die wachsende Schuldenlast der übernommenen Unternehmen auf die Stirn. Im Schnitt haben die Beteiligungsfonds nach Zahlen von Standard & Poor's 2006 nur noch 29 Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital bezahlt; fünf Jahre zuvor waren es noch 34 Prozent. Die Schuldenlast geteilt durch die operativen Ergebnisse (Ebitda) der erworbenen Unternehmen ist in Europa zugleich von 4,3 auf 5,8 emporgeschossen. Die FSA rechnet damit, dass angesichts der extrem hohen Fremdverschuldung ein von Beteiligungsfonds finanziertes großes Unternehmen zahlungsunfähig werden oder eine Reihe kleinerer Unternehmen in Schwierigkeiten kommen könnte. Die Befürchtung ist, dass eine derartige Schieflage eine Kettenreaktion im gesamten Finanzsystem auslösen würde. Beteiligungsfonds finanzieren Unternehmenskäufe größtenteils mit Schulden. Diese Kredite werden von Banken und Hedge-Fonds gekauft, die durch eine größere Unternehmenspleite in Mitleidenschaft geraten könnten. Hans Albrecht, Gründer des Beteiligungsfonds Nordwind, sieht schon eine Liquiditätsblase in diesem Markt, die bald platzen könnte. Ebenso besorgt haben zuletzt die Notenbanken und Aufsichtsbehörden auf den Beteiligungs- und Hedge-Fonds-Markt geblickt. (da.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |