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Private Equity Beteiligungsfonds hat Rekordübernahme versucht

27.02.2007 ·  Albtraum für Franz Müntefering: Mit Blackstone hat zum ersten Mal einer der viel kritisierten Beteiligungsfonds erwogen, einen großen Dax-Konzern zu übernehmen. 50 Milliarden Dollar wollte Blackstone-Gründer Schwarzman sich das kosten lassen.

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Der amerikanische Beteiligungsfonds Blackstone hat vor kurzer Zeit die Übernahme eines großen Dax-Konzerns erwogen. „Wir haben uns ein Unternehmen in der Größenordnung von 50 Milliarden Dollar angeschaut, aber der Aktienkurs ist zu sehr gestiegen, also haben wir das verworfen“, sagte der Vorstandsvorsitzende und Gründer der Beteiligungsgesellschaft, Stephen Schwarzman, am Rande der Branchenkonferenz „Superreturn“ in Frankfurt. Um welches Unternehmen es sich handelte, verriet der Beteiligungsmanager allerdings nicht.

Eine solche Transaktion wäre nicht nur der bislang größte Kauf eines Unternehmens durch Beteiligungsfonds weltweit, sondern auch der erste gelungene Griff der vom heutigen Vizekanzler Franz Müntefering als „Heuschrecken“ bezeichneten Beteiligungsfonds nach einem Konzern aus dem Deutschen Aktienindex Dax gewesen. Vor rund einem halben Jahr war ein derartiger Versuch erstmals offiziell bestätigt worden. Damals hatte der Autozulieferer Continental bestätigt, dass eine Gruppe um den amerikanischen Finanzinvestor Bain Capital eine Übernahme versucht habe. Für zahlreiche weitere Dax-Konzerne haben Beteiligungsfonds einen Erwerb zumindest erwogen, beispielsweise für den Autohersteller Daimler-Chrysler. Offiziell bestätigt wurden diese Planspiele freilich bislang nicht.

Optimistische Töne dominieren

Nach den Worten von Schwarzman hat Blackstone international schon mehrere Übernahmen in der Größenordnung von 50 Milliarden Dollar geprüft. Erst am Vortag hatten die Beteiligungsfonds KKR, Texas Pacific Group und Goldman Sachs den Kauf des texanischen Stromversorgers TXU Corp. für insgesamt 45 Milliarden Dollar vereinbart (F.A.Z. vom 27. Februar). Damit hatten die Finanzinvestoren einen neuen Rekord für die Beteiligungsbranche aufgestellt. Die Anbieter von außerbörslichem Beteiligungskapital (Private Equity) sind derzeit auf einem nie dagewesenen Höhenflug. Allein in diesem Jahr wollen sie nach Zahlen der Beratungsgesellschaft Avida 380 Milliarden Dollar an neuem Kapital einsammeln. Blackstone besitzt den mit 20,6 Milliarden Dollar weltgrößten Beteiligungsfonds.

Auf der jährlichen „Superreturn“ dominierten denn auch die optimistischen Töne über die Zukunftsaussichten der Branche. „Wir haben ein weiteres Rekordjahr vor uns“, sagte David Bonderman, Gründungspartner der Texas Pacific Group. Die Macht der großen Private-Equity-Gesellschaften werde weiter rapide zunehmen, erwartet Jon Moulton, Managing Partner von Alchemy Partners. „Das große Ego der Beteiligungsmanager garantiert, dass 50 Milliarden Dollar große Fonds in Sichtweite sind.“ Einzelne Stimmen warnten aber vor schwierigeren Zeiten. Angesichts der riesigen Geldsummen im Markt würden die zuletzt hohen Renditen der Branche unvermeidbar sinken, sagte Wanching Ang, Vorstandsvorsitzende von Allianz Private Equity Partners, der Beteiligungssparte des Münchener Versicherungskonzerns Allianz.

Generalkritik an den Methoden der Finanzinvestoren

Auf der Konferenz setzten sich die überwiegend angelsächsischen Firmenjäger gegen die politische Debatte über eine Regulierung ihrer Branche und die Proteste der Gewerkschaften gegen angeblich rüde Methoden zur Wehr. „Die politische Debatte bereitet mir große Sorgen, denn die Fakten werden dabei ignoriert“, sagte Schwarzman vor den 1400 Teilnehmern der Superreturn. Nach der „Heuschrecken-Debatte“ vor zwei Jahren in Deutschland stehen die Beteiligungsfonds derzeit vor allem in Großbritannien in der Kritik.

Ursprünglich hatte eine Gewerkschaft dort gegen einen Stellenabbau bei dem vom Beteiligungsfonds Permira gehaltenen Automobilverband Automobile Association protestiert. Doch daraus erwuchs eine Generalkritik an den Methoden der Finanzinvestoren. Selbst zur „Superreturn“ waren eine Handvoll britischer Gewerkschafter eingeflogen, um mit Transparenten mit Aufschriften wie „Heuschreckenplage“ und „Sklaventreiber“ vor den Türen des Konferenzsaals zu demonstrieren. „Wir fordern eine harte Regulierung der Branche“, sagte Rob Kelsall von der britischen Gewerkschaft GMB.

Uneinigkeit über Notwendigkeit von Transparenz

Am Dienstag warnte der britische Premierminister Tony Blair allerdings Gewerkschafter und Politiker seiner Labour-Partei vor weiteren Angriffen gegen die florierende Branche. „Private Equity nimmt eine wichtige Funktion in der britischen Volkswirtschaft ein“, sagte er in London. Zudem sei Großbritannien einer der wichtigsten Standorte für Beteiligungsfonds. Uneinigkeit herrschte unter den Beteiligungsmanagern über die Notwendigkeit von mehr Transparenz. Der europäische Branchenverband EVCA hatte kürzlich für den Sommer eine entsprechende Empfehlung an die Mitgliedsgesellschaften angekündigt. Diese soll vorsehen, dass die Beteiligungsfonds unter anderem die Höhe der Verschuldung der von ihnen gehaltenen Unternehmen sowie die Geschäftsentwicklung veröffentlichen.

Schwarzman sieht dafür keine Notwendigkeit. Schließlich gäben die Beteiligungsfonds schon ihren Investoren diese Informationen. Andere Beteiligungsmanager wie Steven Puccinelli, Europa-Chef von Investcorp, sprachen sich dagegen für eine derartige Offenheit aus.

Quelle: da., F.A.Z., 28.02.2007, Nr. 50 / Seite 21
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