13.09.2007 · Nach den Auswüchsen mit immer höheren Preisen und Schuldenständen steht die Beteiligungsbranche nun vor einem Ausleseprozess. Jetzt zeigt sich, welche Fonds nicht nur auf Finanztricks gesetzt haben und Branchenvertreter hoffen auf Erholung.
Nach den Auswüchsen der vergangenen Jahre mit immer höheren Preisen und Schuldenständen steht die Beteiligungsbranche nun vor einem Ausleseprozess. „Es wird den einen oder anderen Fonds geben, dem seine Deals um die Ohren fliegen“, sagt Stefan Hepp, Vorstandschef der SCM Strategic Capital Management in Zürich, die institutionelle Investoren bei der Anlage in Beteiligungsfonds berät.
Denn der in den vergangenen zwei Jahren rasant gewachsene Beteiligungsmarkt habe immer mehr unerfahrene Mitspieler angelockt. Ähnlich äußerte sich kürzlich auf einer Veranstaltung der DZ Bank Howard Marks, Chairman der auf notleidende Schulden spezialisierten Oaktree Capital Management. Wer in den vergangenen Jahren auf steigende Preise gesetzt habe und nicht auf operative Verbesserungen der gekauften Unternehmen, der werde nun in Schwierigkeiten geraten.
Der Markt für außerbörsliches Eigenkapital (Private Equity) hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Aufschwung erlebt, der durch die Krise auf den Finanzmärkten abbrach. Allein im vergangenen Jahr haben Private-Equity-Gesellschaften nach SCM-Zahlen weltweit 737 Milliarden Dollar (530 Milliarden Euro) für Übernahmen ausgegeben. Doch nun sind die Banken reihenweise auf Übernahmekrediten sitzengeblieben und vergeben daher kaum neue Darlehen an Private-Equity-Fonds. „Übernahmen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro sind derzeit nicht mehr möglich, weil kein Fremdkapital dafür zu bekommen ist“, sagt der Partner einer angloamerikanischen Beteiligungsgesellschaft.
„Das wird eine drastische Abkühlung geben“
SCM-Manager Hepp schätzt, dass der Markt noch für sechs bis acht Monate verstopft sein wird. Danach werde sich der Markt aber auf einem niedrigeren Niveau wieder einpendeln, die guten Fonds könnten weiterhin gute Erträge erwirtschaften. „Das ist eine Verdauungsstörung, weil sich die Branche zuvor überfressen hat. Ich glaube nicht, dass es eine Lebensmittelvergiftung ist.“ Denn schließlich laufe die Konjunktur gut, und die von Private Equity gekauften Unternehmen verdienten immer noch viel Geld und hätten keine Probleme, die Schulden zu bedienen.
Ratingagenturen warnen allerdings davor, dass insbesondere in Amerika die Ausfallraten für Unternehmen mit niedriger Bonität (Non Investment Grade) demnächst kräftig steigen könnten. Das kann insbesondere passieren, wenn die Unternehmen auslaufende Kredite zu höheren Kosten refinanzieren müssen.
Die guten Beteiligungsfonds hätten diese schlechteren Konditionen schon in ihren Refinanzierungsplänen berücksichtigt, sagt Hepp. Die Rückflüsse aus den Beteiligungsfonds an ihre Anleger werden in der nächsten Zeit sehr dünn werden. „Das wird eine drastische Abkühlung geben.“ Ein Grund dafür: Rekapitalisierungen, die in den vergangenen zwei Jahren sehr häufig genutzt wurden, sind nun kaum noch möglich. Bei einer Rekapitalisierung stockt der Beteiligungsfonds die Schulden des gekauften Unternehmens auf und lässt sich dafür eine Dividende auszahlen.
„Wachstum der Megafonds wird erst einmal gebremst“
Auch bestimmte Arten von Übernahmen werden sich für die Firmenjäger nicht mehr lohnen. Beispielsweise kauften Beteiligungsfonds in den vergangenen Jahren häufig börsennotierte Unternehmen, weil sie einfach durch die Aufstockung der Schulden einen satten Gewinn machen konnten. Ein Beispiel ist der 23 Milliarden Dollar schwere Erwerb des Gewerbe-Immobilienunternehmens Equity Office Properties Trust. Dieses Unternehmen hat der Beteiligungsfonds Blackstone nach Angaben aus Finanzkreisen vor allem deshalb erworben, weil der hohe Mittelfluss (Cashflow) des Unternehmens eine weitaus höhere Verschuldung erlaubte.
Der Kauf war somit vorwiegend eine Finanztransaktion. Die Beteiligungsfonds machen sich dabei zunutze, dass die Banken in den vergangenen Jahren weitaus mehr Schulden und zu oft besseren Konditionen an Beteiligungsgesellschaften gegeben haben als an börsennotierte Unternehmen. „Diese Art von Arbitrage-Transaktion wird jetzt weniger werden“, sagt Hepp voraus.
Auch werden die Investoren in den kommenden Jahren wohl weniger Kapital in Private Equity investieren. „Das Wachstum der Megafonds wird erst einmal gebremst.“ Doch auch wenn die Fonds nicht noch größer würden, werde es für die guten Beteiligungsgesellschaften kein Problem sein, weiteres Kapital zu beschaffen. Zu den guten Private-Equity-Unternehmen gehören vor allem die großen und bekannten Adressen wie Blackstone, Permira, KKR und Carlyle. Die Rendite-Unterschiede sind gewaltig: Während etwa das beste Viertel der auf europäische Unternehmenskäufe (Buyouts) spezialisierten Fonds in den vergangenen zehn Jahren eine Rendite von mehr als 35 Prozent erwirtschaftet hat, kam das schlechteste Viertel auf ein Minus von 6,7 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |