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Preise unter Druck Zweifel an der Rohstoffhausse

16.05.2006 ·  Die Preise vieler Rohstoffe geraten unter Druck. Für Optimisten ist noch kein Trendbruch in Sicht, sie sprechen von einem Superzyklus. Doch die Warnungen vor einer Preisblase nehmen zu.

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Ein wichtiger Grund für die wachsende Unsicherheit an den Finanzmärkten sind derzeit die rekordhohen Rohstoffpreise. Doch nun kommen vermehrt Zweifel an dieser Hausse auf: Viele Notierungen sind seit Freitag deutlich abgesackt, auch wenn sich die Preise am Dienstag wieder stabilisierten.

Allen voran sind Metalle wie Gold, Kupfer oder Zink unter Druck geraten - alles Rohstoffe, die zuvor besonders kräftig gestiegen waren. Der Index des Commodity Research Bureau (CRB-Index), der 17 Rohstoffpreise abbildet, hat seit dem noch am Donnerstag erreichten langjährigen Hoch 5 Prozent eingebüßt. Einige Strategen warnen vor einer Preisblase, die zu platzen drohe. Die meisten geben aber Entwarnung und erwarten eine Fortdauer des Aufwärtstrends.

Vermögensverwalter: Fundamental keine Trendwende in Sicht

„Es handelt sich um eine gesunde Korrektur, die nach den in einigen Bereichen zuletzt besonders stark gestiegenen Preisen dringend notwendig war,“ meint Sandra Ebner, Rohstoffexpertin von Deka Investment. So hätten sich die Preise für Kupfer und Zink allein seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Die Rückgänge seien aus fundamentalen Gründen jedoch lediglich kurzfristiger Natur. Auch die Experten von Barclays Capital äußern sich ähnlich. „Der Bullenmarkt bei Rohstoffen ist noch nicht vorbei“, schreibt Kevin Norrish von Barclays Capital.

Von der Angebotsseite sei keine Entspannung in Sicht, meint nicht nur Frau Ebner. Viele Rohstoffkonzerne hätten sich zuletzt skeptisch gezeigt und auf steigende Kosten und Probleme in der Produktionsausweitung verwiesen. Zudem dauert es mehrere Jahre von der Planung bis zur Produktion. Die Rohstoffnachfrage aus China und Indien dürfte hoch bleiben, da sie strukturell getrieben sei und nicht allein von der Fortdauer des Wirtschaftswachstums abhänge, sagt Frau Ebner. Der Münchener Vermögensverwalter Jens Ehrhardt glaubt wie viele andere an einen Superzyklus der Rohstoffe, der noch einige Jahre andauern dürfte. Fundamental sei keine Trendwende in Sicht.

Morgan Stanley sieht eine Rohstoffblase

Neben der bei vielen Rohstoffen angespannten Angebots- und Nachfragesituation wird aber vielerorten die zunehmende Aktivität von Finanzinvestoren für die Aufwärtsdynamik verantwortlich gemacht. Und so führt Barclays Capital an, daß bei Industriemetallen viele spekulative Anleger darauf warteten, bei Rekordpreisen zu verkaufen. Insgesamt dürften unter diesem Einfluß die Preisschwankungen (Volatilitäten) zunehmen. Manche Fachleute warnen bereits vor einer Spekulationsblase.

Nach Ansicht von Morgan Stanley befindet sich die Welt derzeit inmitten einer Rohstoffblase, nachdem liquiditätsgetriebene Investoren auf der Suche nach Rendite schon in anderen Vermögensklassen die Preise in die Höhe getrieben hätten. Die Frage sei nur, wann sie platze. Die Theorie der Blasenbildung begründet Stephen Roach, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, damit, daß der Preisanstieg von falschen Annahmen zur Entwicklung Chinas und der chinesischen Nachfrage getragen sei (siehe auch: Blick auf die Rohstoffe scheint nüchterner zu werden).

Bereits im Januar hat die Citigroup vor einer Spekulationsblase bei Metallen sowie Rohstoffen allgemein und Rohstoffaktien gewarnt. Die Rohstoffmärkte seien schon immer sehr stark von Spekulation getrieben. Tatsächlich fließen immer mehr Investorengelder in diese Anlageklasse - seien sie spekulativer oder langfristiger Natur. Barclays Capital zufolge sind die Investitionen institutioneller Anleger in den Rohstoffmarkt seit 1999 von 5 auf 80 Milliarden Dollar im Jahr 2005 gestiegen. Bis 2008 sollen weitere 40 Milliarden Dollar hinzukommen. Doch letztlich ist das Volumen verglichen zu anderen Vermögensklassen noch immer gering. Und viele Investoren haben Barclays zufolge noch immer nicht in Rohstoffe investiert. Und genau hierin sehen viele Experten weiteres Potential für den Rohstoffmarkt. „Zudem ändern diese Investoren nicht den Trend“, meint Ehrhardt: „Sie verstärken ihn allenfalls und damit die Volatilität der Preise.“

Quelle: kpa., F.A.Z., 17.05.2006, Nr. 114 / Seite 21
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