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Portfoliotheorie : Risiko steht gegen Ertrag

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Drahtseilakt: Risiko gegen Ertrag Bild:

„Nie alles auf eine Karte setzen“, lautet eine alte Börsenweisheit. Was aber dann? FAZ.NET sucht bei der Portfoliotheorie eine Antwort.

          „Lege nie alle Eier in einen Korb, denn es könnte ein Loch darin sein“, lautet ein Ratschlag erfahrener Börsianer an den „Neueinsteiger“. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich vernünftig, aber es ergibt sich sofort die Frage: „Was bedeutet das konkret“? Wann investiere ich in welche Aktien, wie gewichte ich Branchen, Länder oder gar einzelne Unternehmen in meinem Portfolio? Ist es nicht einfacher, alles auf eine Karte zu setzen?

          Lange Zeit wussten selbst Profis keine rechte Antwort. Viele Anlageberater lebten von der Aussage, es sei kein Problem, mit ein wenig „feeling“ den richtigen Zeitpunkt für Kauf und Verkauf zu finden. Wer konnte schon das Gegenteil beweisen?

          „Portfolio Selection“ setzt sich erst spät durch

          Das änderte sich erst in Laufe der 70er Jahre, als sich zunächst in den Vereinigten Staaten und später auch in Europa immer mehr die Theorie von der „Portfolio Selection“ in der Vermögensverwaltung durchsetzte. Die ging zurück auf einen Artikel von Harry Markowitz im „Journal of Finance“ des Jahres 1952. Auf nur 14 Seiten widmete er sich den mathematischen Aspekten der Geldanlage. Im Vordergrund standen nicht die einzelnen Anlageformen, sondern vielmehr ihre Bündelung zu Portfolios.

          Dieser Ansatz war zu seiner Zeit revolutionär und benötigte aus diesem Grund auch einige Jahre, bis er sich durchsetzte. Der Knackpunkt war die Erkenntnis, dass sich die Eigenschaften von Wertpapieren im wesentlichen mit drei statistischen Kenngrößen beschreiben lassen: der durchschnittlichen Rendite, deren Streuung im Zeitablauf und ihre Entwicklung im Verhältnis zu anderen Wertpapieren, das heißt der Korrelation.

          Risiko-Ertrags-Verhältnis wird sichtbar

          Plötzlich ist es möglich, einzelne Wertpapiere zunächst nach objektiven Kriterien einzuordnen und zu sortieren. Danach kann ein Investor wählen, wo seine Präferenzen liegen. Ob er für eine hohe Rendite ein hohes Risiko eingehen will oder ob er eher risikoscheu und dafür mit weniger Rendite zufrieden ist. Der Clou ist jedoch, dass er mit einer geschickten Kombination verschiedener Anlageinstrumente ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis erreichen kann, als das einzelne Wertpapiere bieten könnten.

          Selbst was auf den ersten Blick völlig unsinnig erscheint, wird plötzlich vernünftig. So kann etwa die Beimischung einer an sich hochriskanten Anlageform das Risiko des gesamten Depots verringern. Hat etwa der Aktienanteil starke Kursverluste zu verzeichnen, können möglicherweise Anleihen gleichzeitig Kursgewinne verbuchen und so die Verluste zumindest verringern. Wird das Portfolio mit an sich hochriskanten derivativen Instrumenten oder gar Hedge-Fonds ergänzt, kann es eventuell sogar mit einer positiven Rendite glänzen, während andere tief in den roten Zahlen liegen.

          Optimierungsprogramme setzen sich durch

          Insgesamt hat Markowitz mit seiner Idee die Art und Weise verändert, mit der heute Anlageentscheidungen getroffen werden. Mittlerweile verwendet so ziemlich jeder professionelle Portfoliomanager ein Optimierungsprogramm, das auf der Theorie der „Portfolio Selection“ basiert. Er folgt den Resultaten nicht unbedingt im Detail, aber er wägt damit bei jeder größeren Entscheidung das Risiko gegen den möglichen Ertrag ab.

          Quelle: @cri

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