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Veröffentlicht: 23.04.2017, 11:36 Uhr

Aufsichtsratvorsitzender Paul Achleitner will ewiger Bayer-Aufsichtsrat werden

15 Jahre sind noch nicht genug. Die neueste Regel, dass für Aufsichtsratsmitglieder von Bayer nach drei Amtsperioden Schluss sein soll, wird sogleich gebrochen. Das stört die Deka. Und nicht nur das.

von
© Frank Röth Paul Achleitner

Den Willen der Dekabank, sich als Großaktionärinvestor stärker einzumischen, wird als Erste die Leverkusener Bayer AG auf ihrer Hauptversammlung am kommenden Freitag in Bonn zu spüren bekommen. Denn den Vertretern der vier Millionen Fondsanleger der Deka stößt bei Bayer so manches sauer auf. Der Kauf von Monsanto wird vollzogen, ohne dass die Aktionäre überhaupt darüber abstimmen dürfen. Und soeben hat Bayer erst eine Regelgrenze von nicht mehr als drei vollen Amtsperioden, also von insgesamt 15 Jahren, für Aufsichtsratsmitglieder eingeführt – da wird diese Regel schon durchbrochen. Gleich im ersten Test soll ein „besonderer Grund“ gelten, der dafür sorgt, dass Paul Achleitner eine weitere Runde als Aufsichtsratsmitglied von Bayer drehen soll. Das sieht die Deka kritisch.

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„Es mag ja Gründe dafür geben, Achleitner noch einmal in den Aufsichtsrat zu wählen – aber man kann doch nicht eine solche Regel einführen und dann gleich beim ersten Mal nach Gründen suchen, warum man sie nicht anwenden sollte“, sagt Deka-Manager Michael Schmidt, der in der Fondsgesellschaft für die Vertretung der Interessen der Anleger in den Aktiengesellschaften zuständig ist. Was Bayer dazu sagt? „Aufgrund seiner besonderen Kompetenz und vor dem Hintergrund, dass in den letzten Jahren verschiedene Aufsichtsratsmitglieder erstmals in den Aufsichtsrat bestellt wurden, wird Herr Achleitner zur Gewährleistung hinreichender Kontinuität im Aufsichtsrat erneut zur Wiederwahl vorgeschlagen“, heißt es in der Einladung von Bayer zur Hauptversammlung. Die Deka aber überzeugt das nicht.

Schon länger steht darüber hinaus ein anderer Vorwurf an Bayer im Raum: Vorstand und Aufsichtsrat finanzieren die Übernahme des umstrittenen Agrochemieunternehmens Monsanto aus dem genehmigten Kapital – und müssen deshalb keine außerordentliche Hauptversammlung einberufen: „Wir sind im Grundsatz der Meinung, dass im Falle eines Übernahmeangebots eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden sollte, in der die Aktionäre über das Übernahmeangebot beraten und gegebenenfalls gesellschaftsrechtliche Maßnahmen beschließen können“, hatte Schmidt schon früher zu Protokoll gegeben. Und daran hat sich nichts geändert.

Zahl der von der Deka besuchten Hauptversammlungen erhöht

Um solche Entwicklungen zu unterbinden, will die Deka künftig kritischer mit Vorratsbeschlüssen zu Kapitalmaßnahmen umgehen, die ihr zu großzügig erscheinen. „Das wird helfen, solchen Entwicklungen vorzubeugen“, ist sich Schmidt sicher. Auch im etwas anders gelagerten Fall von Linde und der Übernahme von Praxair erkennt Schmidt Defizite in der Aktionärsdemokratie.

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Schon lange gibt es Grundsätze, nach denen die Deka ihr Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen ausrichtet. Diesen öffentlich über die Deka-Website zugänglichen Katalog hat Schmidt inzwischen deutlich präzisiert. Auch die Zahl der von der Deka besuchten Hauptversammlungen wird erhöht – im Ausland sogar verdoppelt, wobei es dabei um die Teilnahme an den Abstimmungen geht. „Im Inland sind wir in dieser Hinsicht ohnehin schon sehr aktiv, hier nehmen wir fortan allerdings noch sehr viel häufiger das Rederecht wahr“, sagt Schmidt. Dabei gehe weiterhin Qualität vor Quantität.

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