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Zertifikate und ETFs

Oldtimer Die rollende Geldanlage

Mit wertvollen Oldtimern für 100.000 Euro und mehr kann man große Gewinne erzielen. Hier fallen die hohen Wartungskosten nicht ins Gewicht.

© f1online Vergrößern Oldtimer im Einsatz: Rennen in der Toskana

Ein Rotkopf verzaubert die Fans. „Testa Rossa“ führt der Ferrari 250 aus dem Jahr 1957 als Beinamen - wegen des roten Lacks auf den Ventildeckeln. Kein Auto ist derzeit teurer als diese fast 300 Stundenkilometer schnelle Straßenrakete. 2011 bezahlte ein Käufer dafür etwas mehr als 12 Millionen Euro.

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Ferrari und Mercedes sind die Klassiker unter den Oldtimern. Bei Auktionen erzielen sie immer wieder mal Preise im Millionen-bereich. Aber auch weiter unten finden sich diese Marken. Ein Star ist etwa der Mercedes 300 SL Flügeltürer für eine halbe Million Euro. Beliebt bei Normalsammlern sind die Porsche 911 für knapp 50.000 Euro. Beide haben ihren Wert in zehn Jahren verdoppelt, kletterten zuletzt aber etwas langsamer.

Interesse scheint nicht abzuflauen

Solche Wertsteigerungen kommen immer mal wieder vor. Aber auch die breite Masse der Oldtimer entwickelt sich ganz prächtig. Durchschnittlich knapp sechs Prozent Zuwachs im Jahr schaffte der Oldtimer-Preisindex Dox seit 1999. Er wird aus 200.000 Gutachten und Bewertungen von 88 deutschen und ausländischen Fahrzeugtypen der Nachkriegszeit errechnet. Mit der Wertentwicklung kann sein Namenspatron, der Dax, nicht mithalten. Aktien notieren derzeit unter dem Niveau von 1999 und schwankten dazwischen viel heftiger als der Autoindex.

Der stabile Preisanstieg der alten Autos ist einer der Gründe, warum sie in den vergangenen Jahren verstärkt zum Anlageobjekt geworden sind. Sie passen in eine Zeit, in der die Menschen nach zwei Finanzkrisen und aus Angst vor Inflation gerne in Sachwerte investieren. Gleichzeitig hat sich die Zahl der in Deutschland gemeldeten Oldtimer - also Autos älter als 30 Jahre - in den vergangenen zehn Jahren auf fast 300 000 verdreifacht. Und das Interesse scheint nicht abzuflauen: Die weltgrößte Oldtimer-Messe Techno Classica in Essen besuchten vor wenigen Tagen genauso viele Menschen wie im Rekordjahr 2011.

19247216 Prominente und ihre Oldtimer: Richard Oetker, Gesellschafter des Backpulverherstellers August Oetker, im alten Porsche © People Picture Bilderstrecke 

Während solche Messen vor allem von den wahren Autoliebhabern bevölkert werden, kaufen sich auch immer mehr reiche Asiaten und Russen in den Markt ein, die von den Details der Wagen anders als die Liebhaber nur wenig Ahnung haben. Deswegen steigen besonders in den teuren Segmenten über 500.000 Euro die Preise stark an. Wer vor allem Gewinne machen will, sollte aber auch tatsächlich nicht zu preiswert kaufen: „Unter 100.000 Euro Wert macht der Kauf wenig Sinn“, sagt Marius Brune vom Marktbeobachter Classic Data. „Dann fallen die Fixkosten zu sehr ins Gewicht.“ Denn ein altes Auto braucht ein trockenes Übernachtungsplätzchen in einer Garage, muss versichert werden und schluckt ordentlich Betriebskosten, denn es muss gefahren werden.

Und vor allem: Wenn der Anschaffungspreis niedrig ist, ist der Zustand oft nicht gut genug. Dann muss das Fahrzeug aufwendig renoviert werden. Die Renovierungskosten überstiegen dann schnell die Ersparnis beim Kauf, warnt Brune. „Die Autos sollten daher mindestens Zustand zwei haben.“ Das heißt: einen guten Zustand mit leichten Gebrauchsspuren. Die Skala reicht von eins bis fünf, eins ist der beste Zustand.

Ist er ein besonderes Exemplar, etwa ein Prototyp?

Bei besonders teuren Fahrzeugen ist ein solcher Top-Zustand überraschenderweise gar nicht so wichtig. Besser, der Verkäufer kann beweisen, dass noch alle Originalteile und der Originalmotor vorhanden sind, auch wenn der schon Macken hat. Das bringt einen höheren Preis ein, als wenn alles neu gemacht und dabei ausgetauscht wurde. Auch die Historie des Wagens zählt im oberen Preissegment besonders viel. Hat er zum Beispiel berühmte Vorbesitzer wie der Bergman-Ferrari, den die Schauspielerin Ingrid Bergman von ihrem Mann, dem Regisseur Roberto Rossellini, geschenkt bekam? Hat der Wagen ein wichtiges Rennen gewonnen? Oder ist er ein besonderes Exemplar, etwa ein Prototyp, ein Messefahrzeug oder der Erste oder Letzte einer Produktionsserie?

In den etwas preisgünstigeren Klassen ist hingegen der Zustand eines der wichtigsten Kriterien für die Höhe des Preises. Und die Marke. Porsche und Mercedes sind begehrt. Sie helfen zudem mit einer guten Ersatzteilversorgung. Die bieten auch britische Hersteller, französische dagegen nicht. Und wie immer beim Sammeln sind eine niedrige Stückzahl und ein tolles Design wichtig, um einen guten Preis zu erzielen.

Per Definition noch ein Youngtimer

Noch besser ist es, wenn das Auto eine Besonderheit aufweist. Wie etwa der Porsche 911, Version 993: Das ist der letzte luftgekühlte Flitzer. Er wurde zwischen 1993 und 1997 gebaut und hat im mittleren Preissegment Gewinnpotential. Im Zustand 2 kostet er derzeit rund 40.000 Euro, 2008 waren es erst 30.000 Euro. Er ist per Definition noch kein Oldtimer, sondern ein Youngtimer.

Viel Potential hat auch ein vergleichsweise neues Sammelfeld: Traktoren. Je mehr junge Bauern die Höfe übernehmen, desto mehr alte Trecker kommen auf den Markt - liebevoll restauriert von den alten Landwirten im Ruhestand. Die Fanclubs haben schon mehr Mitglieder als die für die klassischen Oldtimer, und eine Fachzeitschrift nach der anderen kommt gerade neu heraus.

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Auch Militärfahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg sind gefragt. Und Kleinbusse. Der VW Bus T3 hat 2011 kräftig zugelegt, er wurde zehn Prozent teurer. Er kostet aber nur rund 10.000 Euro. 1000 Euro Gewinn sind dann einfach zu wenig, um die Fixkosten wieder reinzuholen. Aber einen Oldtimer zu haben bringt vor allem Spaß am Fahren und ist eine Sachanlage, die wenigstens die Inflation ausgleicht. Es muss ja nicht immer der große Gewinn sein.

Alte Autos kaufen und fahren

1. Wo kaufen? Die meisten Umsätze mit Oldtimern werden im Internet gemacht, auf Portalen wie mobile.de oder autoscout24. Dort gibt es auch die größte Preistransparenz. Classic-car-tax stellt die Preise von 4000 Oldtimern kostenlos ins Netz. Auktionen sind in Deutschland weniger beliebt als im Ausland. Für besondere Wagen in der oberen Preisklasse kommt man aber nicht an ihnen vorbei.

2. Nicht ohne Gutachter kaufen. Auf dem Oldtimer-Markt wird gerne auch einmal getrickst. Dokumente werden gefälscht, um die Historie interessanter zu machen. Oder es werden keine Originalteile eingebaut. Oder das ganze Auto wird nachgebaut und als alt ausgegeben. Dagegen hilft nur ein Gutachten eines Sachverständigen. Angesehen sind dabei TÜV, Dekra und Classic Data. Sie greifen teilweise sogar auf Aufzeichnungen der Stasi zurück, die sehr umfangreich Fahrgestellnummern gesammelt hat.

3. Auto bewegen. Der Oldtimer sollte nicht nur in der Garage stehen. Sonst werden nicht alle Dichtungen mit Öl versorgt und dadurch porös. Und der Rost setzt an. Einmal im Monat ein paar Stunden fahren genügt. Aber Vorsicht: Alte Autos fahren schwerfälliger als heutige moderne Wagen, sind lauter und stinken. Ob einem das liegt, sollte man auf einer Probefahrt testen.

4. H-Kennzeichen. Autos, die älter als 30 Jahre sind, dürfen ein spezielles Autokennzeichen beantragen. Das senkt die Steuer auf pauschal 191 Euro für Pkw. Ohne das H ist die Steuer wegen der Umweltbelastung sehr hoch. Mit dem Kennzeichen dürfen auch Feinstaubzonen in den Innenstädten befahren werden.

5. Alternative: Oldtimer-Fonds. Es gibt geschlossene Fonds, die alte Autos kaufen. Das ist aber riskant, weil die Anleger anfangs gar nicht die Wagen kennen, in die investiert wird. Zudem besteht der Druck, die Wagen auf jeden Fall wieder rechtzeitig zu verkaufen, wenn der Fonds fällig wird. Zudem sind die Kosten hoch.

Quelle: F.A.S.

 
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