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Ökonomie und Ökologie Klimaschutz - ein langfristiger Anlagetrend

24.09.2007 ·  Geld verdienen mit dem Klimawandel? Diese Geschäftsnische hat inzwischen auch die Finanzindustrie für sich entdeckt: Banken bieten Klimaschutzzertifikate an. Eine neue Studie listet empfehlenswerte Titel auf.

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Geld mit dem Klimawandel verdienen? Das klingt ähnlich verwerflich wie Geld mit Hungersnöten zu verdienen. Tatsache aber ist: Wer den Klimawandel aufhalten will, muss ökonomisch denken. Am besten als Investor. Denn wer hier anlegt, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Man tut etwas, um das ökologische Gewissen zu beruhigen. Und um das eigene Vermögen zu mehren.

Klimawandel heißt zunehmende Erderwärmung heißt Dürre und Überschwemmungen. Diese Katastrophenentwicklung lässt sich nach Einschätzung des Klimarats der Vereinten Nationen nur verhindern, wenn die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid drastisch verringert werden - um 50 Prozent bis Mitte des Jahrhunderts. Dabei helfen sollen regenerative Energien wie Solarenergie, Windkraft und Biomasse; sie sollen auf mittlere bis lange Frist fossile Brennstoffe wie Öl ersetzen. Die EU-Kommission will bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien auf ein Fünftel steigern. Und Deutschland hat sich noch ambitioniertere Ziele gesetzt.

Die Politik lässt das Geschäft boomen

Diese politischen Vorgaben haben das Geschäft mit erneuerbaren Energien zuletzt boomen lassen. Alleine im vergangenen Jahr wurden in dem Wirtschaftssektor weltweit mehr als 55 Milliarden Dollar umgesetzt. In Deutschland sind mehr als 200.000 Menschen in der Branche tätig. Bis 2020 soll sich diese Zahl verdoppeln.

Anleger müssen sich vergegenwärtigen, dass der Erfolg solcher Unternehmen derzeit noch stark von der Politik abhängt. In Deutschland etwa regelt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Mindestvergütungen für die Abnahme von Sonnen-, Wind- oder Bio-Strom. Ohne solche Förderung wäre der Öko-Strom nicht wettbewerbsfähig.

Von Kursen, die sich verdreißigfachen

Wer darauf vertraut, dass diese Förderungen weitergehen, kommt vor allem an Solarfirmen nicht vorbei. Deutschland gehört inzwischen zu den globalen Spitzenreitern in Sachen Solartechnik. Kaum etwas illustriert diese Tatsache besser als die Börsenentwicklung von Solarworld: Der Kurs des Entwicklers und Produzenten von Solaranlagen hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdreißigfacht.

Natürlich können Anleger direkt in Aktien wie Solarworld, Nordex oder Cropenergies investieren. Doch das sind schon die Branchenriesen aus dem Sonnen-, Wind- und Bioenergiebereich. Viel öfter handelt es sich bei den Anbietern um vergleichsweise kleine Firmen mit einer Marktkapitalisierung von teilweise weniger als 100 Millionen Euro. Solche Titel bergen zwar große Chancen, aber auch hohe Risiken. Ihre Kurse schlagen stärker nach oben und unten aus, als sich das mancher Aktionär wünscht.

Geringeres Risiko: Zertifikate statt Aktien

Eine Alternative bieten Klimaschutzzertifikate. Das sind Wertpapiere, die - einem Fonds ähnlich - mehrere Aktiengesellschaften bündeln, im Schnitt zwischen 15 und 30. Der Geschäftszweck dieser Firmen muss direkt oder indirekt darauf ausgerichtet sein, den Klimawandel aufzuhalten. In erster Linie geht es um Unternehmen, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen.

In einer Studie haben Analysten der Ratingagentur Scope 14 Zertifikate unter die Lupe genommen. Die Spanne der Anbieter reicht von der niederländischen Bank ABN Amro bis zur Schweizer Großbank UBS. Mit zwei Ausnahmen weisen alle Zertifikate eine positive Gesamtentwicklung auf - allerdings bezogen auf unterschiedliche Laufzeiten. Das älteste Zertifikat (Société Générale) ist schon rund ein Jahr auf dem Markt, die jüngsten (DWS) erst gut zwei Monate.

Von minus 4,5 Prozent bis plus 43,5 Prozent

Die beste Performance der untersuchten Papiere weist ein RCB-Zertifikat auf mit einem Zuwachs von 43,5 Prozent. Dagegen haben Anleger rund 4,5 Prozent ihres Einsatzes eingebüßt, die vor rund vier Monaten das ABN-Amro-Zertifikat in ihr Depot aufgenommen haben.

Abgesehen von der Wertentwicklung weichen die überprüften Zertifikate mit Blick auf bestimmte Qualitätskriterien deutlich voneinander ab. Für Scope war „ein klarer, nachvollziehbarer Themenfokus auf Klimaschutz“ unabdingbar. Pluspunkte verteilte die Ratingagentur auch für aktiv gemanagte Papiere. Zudem sollten die Finanzprodukte ihre Anlagen breit streuen - auf unterschiedliche Regionen, Branchen und Firmengrößen. So dürfte es für die Rendite von Vorteil sein, wenn sich im Zertifikat nicht nur die etablierten Branchenriesen finden, sondern auch aussichtsreiche Aufsteigerfirmen.

Klimawandel-Aktien: Was ist das?

Das Ergebnis der Studie: „Nicht immer sind die intelligentesten Produkte unter einem großen Bankenlabel zu finden“, resümiert Scope-Geschäftsführer Florian Schoeller. Allerdings hat die Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank mit dem Indexzertifikat auf den DWS Global Clean Technologies TR Index (Isin DE000DWS0HM7) das beste Produkt (Rating: AA) im Angebot, eng gefolgt von einem Indexzertifikat der UBS (Isin CH0029278584, Rating A+). Bestes Rating bedeutet freilich nicht beste Entwicklung in der Vergangenheit: Das DWS-Produkt liegt nach kurzen Ausschlägen nach oben jetzt wieder auf seinem Ausgabeniveau. Weiterer Nachteil: eine überdurchschnittlich hohe Managementgebühr von 1,65 Prozent.

Schlusslicht im Scope-Rating bildet ein Produkt, das weder von der Qualität noch von der Performance überzeugt: ein Basket-Zertifikat auf einen Korb aus „Klimawandel-Aktien“. Dieses Produkt werde nicht gemanagt, und eine Themenfokussierung sei „so gut wie nicht feststellbar“, bemängelt Scope. Da hilft auch der renommierte Name des Emittenten nichts: Es handelt sich um die Investmentbank Lehman Brothers (Isin DE000A0NLZG2).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @tih
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