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Öffnungszeiten Banken sind für ihre Kunden länger da

17.02.2007 ·  Wer berufstätig ist und etwas von seiner Bank möchte, hat bislang schlechte Karten. Doch das soll sich durch flexiblere Öffnungszeiten bald ändern. Und mobile Berater arbeiten dann auch abends und am Wochenende.

Von Benedikt Fehr
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Seit Jahrzehnten gilt den deutschen Banken und Sparkassen nicht nur der Sonntag, sondern auch der Samstag als Ruhetag, doch zwingt der Wettbewerb der Branche allmählich mehr Kundenfreundlichkeit auf. So hat die Commerzbank in dieser Woche bekundet, ihre Filialen im März ausnahmsweise auch einmal an einem Samstag zu öffnen. Sollte das Experiment bei den Kunden gut ankommen, könnte daraus zumindest für einen Teil der 800 Filialen eine dauerhafte Praxis werden, sagt Commerzbank-Vorstandsmitglied Achim Kassow.

Die Initiative der Commerzbank hat schlaglichtartig beleuchtet, wie wenig kundenfreundlich die Öffnungszeiten der Kreditinstitute generell sind. An den meisten Werktagen sind die Filialen nur von 8 bis 16 Uhr geöffnet - wenn der Großteil der Bankkunden selbst arbeiten muss. Hingegen sind die Zweigstellen am Samstag, wenn viele Arbeitnehmer Zeit für eine Beratung hätten, typischerweise geschlossen.

Netzwerk von 1500 mobilen Beratern aufgebaut

Die große Ausnahme von dieser Regel ist die Deutsche Postbank, deren Filialen durch den Verbund mit der Post wochentags länger und auch samstags geöffnet sind. Doch kommen in jüngster Zeit auch andere Institute ihrer Kundschaft entgegen. Dafür sorgt nicht zuletzt, dass die etablierten Institute seit Beginn des Jahrzehnts Millionen Kunden an die Direktbanken verloren haben, dabei vor allem an die niederländische ING-Diba, die für ihre Kunden via Telefon und Internet rund um die Uhr da ist - und im Geschäft mit dem kleinen Mann ansehnliche Gewinne erwirtschaftet.

Beim Branchenprimus Deutsche Bank ist eine Samstagsöffnung der Filialen nach Angaben eines Sprechers, abgesehen von einer Handvoll Ausnahmen, derzeit „kein Thema“. Doch habe der Konzern in letzter Zeit ein Netzwerk von mehr als 1500 mobilen Beratern aufgebaut. Kunden, die abends oder am Wochenende beraten werden wollten, könnten deren Dienste in Anspruch nehmen - und dies auch bequem zu Hause.

„Wir gehen einen anderen Weg: Bankagenturen“

Auch bei der Dresdner Bank gibt es keine Pläne, die rund 900 Filialen am Samstag zu öffnen. „Wir gehen einen anderen Weg: Wir starten Bankagenturen“, sagt ein Sprecher des Instituts, das zum Allfinanzkonzern Allianz-Gruppe gehört. Nach diesem Konzept entsendet die Bank eigene Mitarbeiter in ausgewählte Agenturen der Allianz-Versicherung. Sie offerieren dort den Kunden Vorsorge- und Vermögensprodukte - und dies nach Angaben des Bankensprechers auf Wunsch des Kunden auch am Abend oder am Wochenende. In den nächsten Monaten will die Dresdner Bank rund 100 solcher Agenturen eröffnen. Sollte das Konzept ankommen, könnten es rund 1000 Bankagenturen werden, sagte der Sprecher.

Im Sparkassenlager hält man die Initiative der Commerzbank nicht gerade für originell. Bei den Sparkassen sei es schon seit langem üblich, Kunden auf deren Wunsch hin auch außerhalb der eigentlichen Filialzeiten zu bedienen, behauptet eine Sprecherin des Sparkassenverbands DSGV.

Bei Samstagsarbeit 50 Prozent Zuschlag beim Lohn

Abgesehen davon, öffne zum Beispiel die Berliner Sparkasse bereits seit einiger Zeit sechs in Einkaufszentren gelegene Filialen auch am Samstag. Zudem wollen die Berliner von März an für ihre Kunden in einigen hochfrequentierten Filialen wochentags durchgehend bis 19 Uhr da sein, in Einkaufszentren bis 20 Uhr. Solche Öffnungszeiten sind im Einzelhandel freilich schon seit langem üblich.

Zur Verteidigung der traditionell kurzen Banköffnungszeiten ist aus der Branche zu hören, die Kundschaft habe gar keinen Bedarf, sich am Samstag beraten zu lassen. Doch ist gleichzeitig aus mehreren Häusern zu hören, dass die flexibleren Öffnungszeiten bei den Kunden gut ankämen. Für die Banken ist eine Samstagsöffnung allerdings teuer. Laut Kassow muss die Commerzbank ihren Mitarbeitern für Samstagsarbeit einen Zuschlag von 50 Prozent zahlen. Deshalb bleibe abzuwarten, ob sich das Mehr an Kundenfreundlichkeit für die Bank letztlich auch rechne. Lohnen dürfte sich das Angebot nur, wenn die Samstagsöffnung neue Kunden anlockt.

Quelle: F.A.Z., 17.02.2007, Nr. 41 / Seite 19
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