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Nur vier Punkte fehlten Der Dax kratzt an seinem Allzeithoch

 ·  Im Handelsverlauf fehlten nur vier Punkte, am Ende schloss der Dax am Mittwoch bei 8090 Punkten ab. Neben der Nähe zum Rekord ist auffällig, dass der wichtigste deutsche Aktienindex Europas Konkurrenz weit hinter sich lässt.

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Der deutsche Aktienmarkt ist weiter auf Rekordjagd. Am Mittwoch ging der Deutsche Aktienindex Dax auf Tuchfühlung zu seinem im März des Jahres 2000 erreichten Allzeithoch von 8136,16 Punkten. Angetrieben von Übernahmespekulationen rund um die Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank sowie von der Einigung der Deutschen Telekom mit den Gewerkschaften, näherte sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer im Handelsverlauf dem Rekordhoch bis auf 4 Punkte an, schloss dann aber mit 8090 Punkten deutlich niedriger. Damit hat der Index, in dem die wichtigsten 30 deutschen Werte enthalten sind, den Anlegern seit dem Tiefstand vor gut vier Jahren ein Plus von fast 270 Prozent beschert - und damit weitaus besser abgeschnitten als die meisten europäischen Vergleichsindizes.

Der Aktienindex Stoxx 600 beispielsweise, in dem 600 europäische Unternehmen enthalten sind, ist im selben Zeitraum um 145 Prozent gestiegen. Selbst wenn berücksichtigt wird, dass der Dax im Gegensatz zum Stoxx ein sogenannter Performance-Index ist, also neben den Aktienkursen auch die gezahlten Dividenden den Wert nach oben schieben, ist der Unterschied immer noch enorm. Jedoch war dem steileren Aufstieg des Dax auch ein rasanterer Abschwung vorangegangen. Nachdem in der wilden Euphorie der Technologieblase am 7. März 2000 das Allzeithoch erreicht war, fiel der Dax in einem dreijährigen Abschwung bis März 2003 auf ein Tief von 2189 Punkten. Das kommt einem Minus von fast 73 Prozent gleich - womit die deutschen Anleger weitaus mehr zu leiden hatten als die Investoren anderer europäischer Länder.

Zwei Gründe führen zu Schwankungen des Dax

Die größeren Schwankungen des Dax sind nicht etwa auf eine größere Wankelmütigkeit der Deutschen zurückzuführen. Volker Borghoff, Aktienanalyst der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, sieht zwei Gründe für diese Ausschläge. Zum einen war früher der Streubesitz, also die Aktien in freiem Umlauf, hierzulande im Schnitt geringer als in anderen Ländern. „Dadurch geht, bezogen auf eine vergleichsweise kleine Aktienzahl, recht viel Kapital hinein und heraus“, sagt Borghoff. Diese relativ hohe Liquidität lässt die Aktienkurse stärker schwanken. Da sich die „Deutschland AG“ nun aber weitgehend aufgelöst hat, sprich die Banken und Versicherungen ihre Industrie- und Überkreuzbeteiligungen verkauft haben, ist der Streubesitz vieler Großunternehmen tendenziell stark gestiegen. Damit entfällt diese Begründung allmählich.

Das Hauptargument für die Aufholjagd des Dax ist daher auch ein anderes: Das wichtigste deutsche Kursbarometer wird stärker von zyklischen Werten beherrscht als andere europäische Indizes. In Großbritannien zum Beispiel haben Unternehmen aus weniger konjunkturanfälligen Wirtschaftszweigen wie der Rohstoff-, der Pharma- oder der Nahrungsmittelbranche ein weitaus höheres Gewicht als in Deutschland.

Dax wird wohl im Europa-Vergleich weiter steigen

Hierzulande liegt dagegen ein größerer Schwerpunkt auf Werten, deren Geschäft stärker von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abhängt - namentlich die Automobilindustrie und die Finanzbranche. Besonders die Banken und Versicherungen haben zuletzt vom Konjunkturaufschwung profitiert und sind mitunter anfälliger für Spekulationen - wie die Gerüchte um Deutsche Bank und Allianz am Mittwoch nochmals demonstrierten.

Borghoff rechnet damit, dass der Dax dank der Dominanz zyklischer Werte in den kommenden zwölf Monaten weiterhin stärker steigen wird als seine europäischen Pendants - von denen die meisten noch ein gutes Stück von ihren Allzeithochs entfernt sind. Die Kehrseite der Medaille: Sollte es zu einem Konjunkturabschwung kommen, dürfte es deutsche Anleger wohl härter treffen als ihre europäischen Nachbarn. „Der Hebel wird auch wirken, wenn es mit den Kursen bergab geht“, sagt Analyst Borghoff. Insbesondere bei den Banken gibt es jetzt schon berechtigten Anlass zur Sorge: So warnte der UBS-Vorstandschef Peter Wuffli am Mittwoch in einem Interview vor einem Abschwung auf dem Kreditmarkt, der die Banken hart treffen würde.

Quelle: da. / F.A.Z., 21.06.2007, Nr. 141 / Seite 23
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