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Anlegen wie die Großen : Im Ausland locken die Renditen

Quelle des Reichtums: Ein Tanker nimmt in der Barentssee von dem norwegischen Ölfeld Goliat Erdöl auf. Bild: Picture-Alliance

Der norwegische Ölfonds geht den typischen Fehlern von Privatanlegern weit aus dem Weg. Im Heimatland investiert er überhaupt nicht. Lohnt sich diese Anlagestrategie?

          Wenn Anlageprofis typische Fehler von Privatanlegern benennen sollen, erwähnen sie meist auch die sogenannte Heimatmarktneigung, auf Englisch „home bias“ geheißen. Damit ist die Praxis vieler Privatanleger gemeint, einen großen Teil ihres Geldes im Heimatland anzulegen. Mag dies für das Bankkonto und die Lebensversicherung noch nachvollziehbar sein, so ist aus der Sicht eines Profis nicht mehr leicht verständlich, warum viele Privatanleger auch bei der Aktienauswahl vorwiegend heimische Papiere bevorzugen. Denn im Sinne einer optimalen Streuung von Risiken wäre es sinnvoll, auch ausländische Aktien zu erwerben – vor allem dann, wenn sich der Rest des nicht in Aktien investierten Geldes im Heimatland befindet. Privatanleger denken häufig, es wäre ein Ausdruck von Sicherheit, sein Geld ganz oder überwiegend im eigenen Land zu belassen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Geradezu lehrbuchhaft geht der staatliche norwegische Ölfonds vor, der mit einem Anlagevolumen von umgerechnet gut 900 Milliarden Euro zu den größten Anlegern in der Welt zählt. Das Fondsvolumen entspricht einem Wert von etwa 350.000 Euro für jeden Privathaushalt in Norwegen. Weil die norwegische Wirtschaft stark von der Öl- und Gasförderung profitiert, dieses Geschäft aber nicht nur wetterwendisch (wegen der schwankenden Preise), sondern auch endlich ist (weil die Rohstoffreserven irgendwann verbraucht sein werden), hat die Politik in Norwegen in den neunziger Jahren beschlossen, den Rohstoffreichtum indirekt auch für künftige Generationen von Norwegern nutzbar zu machen, indem ein großer Teil der Verkäufe von Öl und Gas in einen staatlichen Fonds fließen, der sein Geld überall anlegen darf – nur nicht in Norwegen, seinem Heimatland!

          Große Investition in Aktien

          Neben der Beschränkung auf Kapitalanlagen im Ausland besitzt der norwegische Fonds eine weitere Eigenart, die ihn von vielen anderen Fonds wie auch von Privatanlegern unterscheidet. Er investiert mehr als 60 Prozent seines Kapitals in Aktien. Der Aktienanteil kann sogar bis 70 Prozent steigen. „Unser Prinzip ist einfach: Wir tauschen unser Öl und Gas gegen internationale Unternehmensbeteiligungen“, sagte Björn From vom Finanzministerium in Oslo kürzlich in Frankfurt. Damit ist der Fonds mutmaßlich der größte Aktionär der Welt – im Durchschnitt hält er 1,5 Prozent an 9000 in aller Welt notierten Aktiengesellschaften! Auch aus dieser Strategie können Privatanleger lernen, ohne sie zu kopieren.

          Um sich von der Wirtschaftsentwicklung in seiner Heimat möglichst unabhängig zu machen, will der Fonds seine Beteiligungen an internationalen Öl- und Gasunternehmen verkaufen. „Die Anfälligkeit des Staatsvermögens gegenüber einem dauerhaften Fall des Ölpreises kann daher reduziert werden, wenn der Fonds nicht länger in Öl- und Gasaktien investiert“, heißt es in dem Schreiben an die Regierung, die für den Staatsfonds die Verantwortung trägt. Bis zu einer Entscheidung über diesen Plan des Fondsmanagements kann es Herbst werden.

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